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Wiesbaden

Glockenläuten für Corona-Opfer

© Stefanie Bock /fundus.ekhn.de

Am Donnerstag, 12. November, 13 Uhr, werden viele evangelische und katholische Kirchen in Wiesbaden ihre Glocken läuten. Damit soll an die verstorbenen Obdachlosen in Wiesbaden gedacht werden und an alle, die kein Zuhause hatten, an die keiner mehr denkt, die einsam gestorben sind und die keine Angehörigen haben.

Initiiert haben die Aktion die Evangelische und Katholische Kirche in Wiesbaden und die Teestube der Diakonie. "Wir gedenken am 12. November der uns namentlich bekannten Verstorbenen: Werner, Eduard, Horst, Dennis, Frank. Wir gedenken all der verstorbenen Wohnsitzlosen, deren Namen uns aufgrund der Pandemie nicht erreicht haben. Wir wissen sie trotzdem in Gottes Hand geborgen."

Der Grund: Coronabedingt kann der Gedenkgottesdienst für verstorbene wohnsitzlose Menschen in Wiesbaden diese Jahr leider nicht stattfinden.

EKHN: Jedes einzelne Leben zählt - die Grundlage kirchlicher Arbeit

Mit eingeschlossen in die Gebete und die Gedanken sind natürlich nicht nur Wohnsitzlose, sondern auch alle anderen Menschen, die durch die Pandemie ihre Trauer über den Verlust eines Angehörigen bewältigen konnten. "Nach christlichem Verständnis zählt jedes einzelne Leben bei Gott. Diese Haltung liegt aller kirchlichen Arbeit zugrunde – auch dem würdevollen Abschied im Tod und dem Gedenken der Verstorbenen", sagt Oberkirchenrat Stephan Krebs, Leiter der EKHN-Öffentlichkeitsarbeit.

Die Pandemie hat den Menschen viel aufgebürdet

Die Pandemie habe viele Pläne zerschlagen und den Menschen vieles aufgebürdet. Aber zum Schlimmsten gehöre, dass Menschen einsam gestorben sind und dass viele Angehörige, Freunde und Nachbarn sich von ihnen nicht verabschieden konnten, so Krebs weiter. Aktionen wie das Glockenläuten seien gute Anlässe sich dieses Verlustes bewusst zu werden, selbst zu trauern und die Verstorbenen zu würdigen.

Trauerrituale wurden durch Verbote unterbunden

Auch wenn jeder Einzelfall verschieden ist, lässt sich aus Sicht des Oberkirchenrats jedoch generell festhalten, dass es viel schwerer ist, sich  zu verabschieden, die Trauer zu durchleben und sie mit der Zeit zu verarbeiten, wenn man die sterbende Person nicht mehr erlebt und wenn man die Trauerrituale verpasst hat. "Das ist ja endgültig, das lässt sich nicht mehr gutmachen. Da bleibt man dem Verstorbenen etwas schuldig – und der eigenen Trauer auch. Auch wenn das natürlich durch Verbote erzwungen war", sagt Stephan Krebs.

Die Aufgabe der Kirche: Die frohe Botschaft von Gottes Liebe bezeugen

Unter anderem mit dem Glockenläuten will die Kirche Menschen zu einem Leben im Vertrauen auf Gott ermutigen. "Nur dass dies in Corona-Zeiten schwieriger ist", sagt Krebs. Zum einen gebe es harte Zielkonflikte: Das Wohl und die Gesundheit der Menschen liege der Kirche am Herzen. Dem Wohl dienten Kontakt, Nähe und Gemeinschaft. Die Gesundheit sei derzeit aber durch Abstand am besten geschützt.

Vieles ist in Frage gestellt

"Um diesen Zielkonflikt zu lösen, braucht und gibt es in der Kirche zum Glück viel Phantasie für neue Formen", sagt der Oberkirchenrat. Zum zweiten seien jetzt besonders viele Leute verunsichert, genervt, beunruhigt und verängstigt. "So vieles ist in Frage gestellt. Viele hungern nach Hoffnung und Verlässlichkeit. Ihnen kann die Kirche, die von all dem in der Tat auch betroffen ist, die Kraft des Glaubens nahebringen."

Geduld, Toleranz und Fürsorge für andere

Darin könnten viele Halt finden, einen längeren Atem und einen Horizont, der weit über das bloße Durchhalten hinaus reiche. "Wenn ich mich von Gott getragen weiß, fördert das auch meine Geduld, Toleranz und Fürsorge für andere", so Krebs.

 

Alles, was dir vor die Hände kommt,
es zu tun mit deiner Kraft, das tu.

(Prediger 9,10)

Prediger 9,10

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von gettyimages/tolga tezcan

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