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Konversionstherapien

„Homosexualität ist Teil der gewollten Schöpfung Gottes“

gettyimages/RichLeggZwei Männer verschränkte Männerhände.

Noch immer wird gleichgeschlechtliche Liebe in streng gläubigen Kreisen als behandlungswürdige Krankheit angesehen. Das Land Hessen möchte sogenannte Konversionstherapien nun verbieten. Die EKHN vertritt hierzu eine eindeutige Position.

Von Sebastian Theuner

Der Hinweis auf der Webseite des „Bund katholischer Ärzte“ (BKÄ) lässt keinen Zweifel: „Ja, es gibt Hilfen“, lautet die Überschrift, gefolgt von dem Satz: „Es gibt religiöse, psychotherapeutische und medizinisch-homöopathische Möglichkeiten der ‚Behandlung‘ bei Homosexualität und homosexuellen Neigungen“. Eine Haltung, die auch einige evangelikale Strömungen teilen. „Biblischen Aussagen zufolge kann der Mensch seine sexuellen Vorlieben und sein sexuelles Verhalten durchaus ändern“, schreibt der Vorsitzende des „Bibelbund e.V.“, Michael Kotsch. Beratungs- und Hilfsangebote hierzu sollten deshalb akzeptiert werden.

Antrag im Bundesrat

Solche sogenannten Konversionstherapien, welche Betroffene von ihrer Homosexualität „heilen“ sollen,  möchte das Land Hessen zukünftig verbieten. Am heutigen Freitag wird die Landesregierung gemeinsam mit Berlin, Bremen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Schleswig-Holstein einen entsprechenden Antrag in den Bundesrat einbringen. Grund für ein mögliches Verbot ist dem Bundesrat zufolge, dass die angebotenen Methoden die Abwertung und Diskriminierung Homo- und Bisexueller fördern. Parallel macht sich auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn für ein Verbot stark. Eine von dem CDU-Politiker einberufene Fachkommission soll Vorschläge zur Einführung eines solchen Verbotes erarbeiten. Ein Abschlussbericht des Gremiums wird im Herbst erwartet.

Verbot wäre „konsequent“

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) begrüßt die Initiative Spahns und der hessischen Landesregierung, Konversionstherapien zu verbieten. „Die EKHN hat bereits in der Vergangenheit Konversionstherapien mehrmals scharf kritisiert. Es ist höchst fragwürdig, Homosexualität oder auch weitere sexuelle Orientierungen als Krankheiten zu verstehen, die heilbar sind“, sagt EKHN-Pressesprecher Volker Rahn. Er hält ein mögliches Verbot für konsequent, da nachgewiesen sei, „dass Konversionstherapien nachhaltigen seelischen Schaden bei Menschen anrichten können.“ Zudem begreife die EKHN „Homosexualität und auch weitere sexuelle Orientierungen als Teil der guten und gewollten Schöpfung Gottes.“

„Es gibt nichts, was dagegen wirkt“

Dr. Raimar Kremer sah sich schon häufig mit Konversionstherapien konfrontiert. Der Pfarrer vom „Zentrum Seelsorge und Beratung der EKHN“ bietet eine Online-Beratung bei „Pfarrer im Netz“ an. Zu seinem Schwerpunktthema Homosexualität erhält er dort bundesweit Anfragen – auch von Menschen, welche über eine Konversionstherapie nachdenken. In solchen Fällen „rate ich den Leuten von diesen Therapien ab“, sagt der Diplom-Psychogerontologe, „sie setzen voraus, dass Homosexualität eine Krankheit ist. Dabei gibt es nichts, was dagegen wirkt.“ Die Initiative der Landesregierung könne er daher nur begrüßen.

Von Therapierbarkeit überzeugt

Auf rechtlicher Ebene ist Homosexualität seit dem Jahr 1994 in Deutschland nicht mehr strafbar. Damals wurde der Paragraph 175, welcher Homosexualität zuvor verboten hatte, endgültig aus dem Strafgesetzbuch gestrichen. Für uneingeschränkte Akzeptanz hat das nicht gesorgt. Nach wie vor gibt es Vereine und Initiativen, die in der Homosexualität eine Krankheit oder psychische Störung sehen. Einige Ärzte sind von der Therapierbarkeit homosexueller Neigungen überzeugt. In vielen Fällen haben die Anbieter und Befürworter laut Kremer einen christlichen Hintergrund – so auch der BKÄ und der Bibelbund. Ein weiteres Beispiel für „Homoheiler“ benennt die „Mission Aufklärung“, ein vom Lesben- und Schwulenverband Deutschland initiiertes Netzwerk: Das Deutsche Institut für Jugend und Gesellschaft (DIJG). Das DIJG ist das Studienzentrum „Offensive Junger Christen“ (OJC), einer ökumenischen Kommunität in der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD). Auf dem Internetauftritt der DIJG heißt es u.a.: „Das Recht, eine Therapie aufzusuchen, auch mit dem Ziel der Abnahme homosexueller Empfindungen, sollte selbstverständliches und unveräußerliches Recht sein.“ Bereits im Jahr 2001 hatte sich das DIJG kritisch gegenüber damaliger Überlegungen der Synode der EKHN, eine Segnung homosexueller Partnerschaften anzubieten, geäußert.

„Dann müsste Ehebruch mit Steinigung bestraft werden“

EKHN-Pressesprecher Rahn sieht die meisten Verfechter der Therapien fundamentalistischen Kreisen zugehörig. Diese verstünden die Inhalte der Bibel als zeitlos entstandene Schriften, die bis heute ohne jeglichen Bezug zum ursprünglichen Kontext wortwörtlich zu nehmen seien. Würde man dies jedoch tun, „müsste etwa Ehebruch mit Steinigung bestraft werden“, so Rahn.

Gebete und Dämonenaustreibung

Die praktizierten Therapieansätze beschreibt Raimar Kremer als weit gefächert. Die Methode des „gesund Betens“ würden sie ebenso umfassen wie Gesprächs- und Verhaltenstherapien. In der NDR-Dokumentation „Die Schwulenheiler“ aus dem Jahr 2014 wird zudem von einer „Dämonenaustreibung“ berichtet. Wie hoch die Zahl solcher Anbieter in Hessen ist, lässt sich laut Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) nicht genau sagen. Das läge daran, dass der Begriff der Konversionstherapie von den entsprechenden Stellen verharmlost werde und stattdessen beispielsweise von einer „Hilfe zur Selbstfindung“ die Rede sei. Die Anzahl derer in Hessen, welche solche Therapieangebote wahrnehmen, schätzt er im Gespräch mit hr-iNFO auf einen zweistelligen Bereich.

Depressionen und Suizidgedanken als Folge

Dabei gilt die Behandlung von Homosexualität in Fachkreisen nicht nur als vollständig unwirksam, sondern vor allem auch als gesundheitsgefährdend. „Die wissenschaftliche Forschung hat gezeigt, dass es sich bei Homosexualität weder um eine pathologische Entwicklung noch um eine Krankheit handelt, sondern um eine Variante der unterschiedlichen sexuellen Orientierung“, sagt Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Kremer verweist auf den sozialen Druck, welchen Konversionstherapien mit sich bringen. Betroffene müssten ihrem Umfeld alsbald einen Erfolg kommunizieren, um in deren Augen als geheilt und nicht mehr homosexuell zu gelten. Da dieser aber freilich ausbleibt, sei das ein Problem, welches häufig Krankheiten wie Depressionen auslöse. Diese wiederum können im schlimmsten Fall bis hin zum Selbstmord führen.

Auch die Bibel kennt gleichgeschlechtliche Zuneigung

Befürwortern von Konversionstherapien, die trotz der Gefahren auf ihrem Verständnis christlicher Werte beharren, hält Volker Rahn ein zusätzliches Argument entgegen: Auch die Bibel kenne „starke Zuneigung zwischen Menschen des gleichen Geschlechts. Etwa bei Rut und Noomi oder David und seinem Freund Jonathan.“

 

 

Dies Gebot haben wir von ihm,
daß, wer Gott liebt, daß der auch seinen Bruder liebe.

1. Johannes 4, 21

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von gettyimages/issalina

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