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Trauer

Hunderte Menschen bei Trauerandacht für getöteten Achtjährigen

Bild: Rita HaeringAndacht am Frankfurter HauptbahnhofDie Geistlichen aus der evangelischen und katholischen Kirche in Frankfurt gedachten mit der Trauergemeinde am Bahnhofsvorplatz des getöteten Jungen

Geistliche aus der evangelischen und der katholischen Kirche hatten die Trauerandacht für den achtjährigen Jungen gehalten, der am Montagvormittag auf die Bahngleise gestoßen wurde und daraufhin starb. Pfarrerin Jekel betonte, dass Gott uns Menschen geschaffen habe "für das Miteinander, nicht für das Gegeneinander.“

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Frage nach dem Warum Ursula Schoen Peter Feldmann

Mit einem gemeinsamen Gebet auf dem Bahnhofsvorplatz in Frankfurt am Main haben am Dienstagabend mehrere hundert Menschen dem getöteten achtjährigen Jungen gedacht. „Wir dürfen nicht zulassen, dass Gedanken von Hass um uns greifen“, sagte Jutta Jekel, Pfarrerin der unweit des Bahnhofs gelegenen Evangelischen Hoffnungsgemeinde. „Gott hat uns geschaffen für das Miteinander, nicht für das Gegeneinander“, ergänzte die Theologin. Der mutmaßliche Täter, ein 40-jähriger Mann mit eritreischer Staatsangehörigkeit aus dem Kanton Zürich, hatte das Kind am Montagvormittag auf das Gleis gestoßen. Der Junge war von einem einrollenden ICE überrollt worden. 

Eine sinnlose Katastrophe

Carsten Baumann, Leiter der ökumenisch geführten Bahnhofsmission, hatte die Frage nach dem "Warum?" aufgegriffen, die auch Trauernde zu den Blumen und Kerzen an Gleis 7 gelegt hatten. Der Pfarrer antwortete: "Wir wissen es nicht. Das müssen wir aushalten. Aber der mitleidende Gott fängt uns in unserem Nichtverstehen auf.“ Pfarrer Baumann kritisierte, dass  die Tat von einigen Menschen in den sozialen Medien genutzt werde, um die Spaltung der Gesellschaft weiter voranzutreiben. Der Junge sei tot. Ob der Täter Zuwanderer sei oder nicht, spiele keine Rolle, betonte Baumann. Es bleibe eine „sinnlose Katastrophe“. Die Fürbitten des Abends richteten sich an die Angehörigen des Kindes, aber auch an alle Mitarbeitende der Bahn, sowie „für alle, die diese brutale Tat mit ansehen mussten“, sagte die katholische Pastoralreferentin Beatrix Henrich von der Dompfarrei St. Bartholomäus.
"Erschüttert und traurig" so die Reaktion von Abba Dawit Zeramariam, der Pfarrer der katholischen eritreischen Gemeinde. Er betete: "Gott hilf uns, dass wir den Frieden in unserer Stadt mit allen Menschen bewahren können." 

Oberbürgermeister Feldmann warnte davor, das Verbrechen für politische Interessen zu missbrauchen

Auch Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) verurteilte die Tat aufs Schärfste. „Wir wollen, dass dieses Verbrechen aufgeklärt wird“, forderte der Politiker. Der Täter müsse seine gerechte Strafe erhalten. Gleichzeitig warnte auch Feldmann davor, das Verbrechen für politische Interessen zu missbrauchen. 

Menschen legen Blumen, Kerzen und Kuscheltiere nieder

Neben dem improvisierten Altar mit einem Blumenstrauß und einer Kerze, lag ein Kondolenzbuch aus. Viele Besucher schrieben dort ihre Gedanken nieder. Gegen Ende der Andacht beteten alle Besucher gemeinsam das Vaterunser und fassten sich an den Händen. Den ganzen Abend lang legten Bahnreisende weiterhin Blumen und Kuscheltiere für den toten Jungen am Gleis 7 nieder. 

Aufgeheizte Stimmung und Polizeipräsenz

Vor dem offiziellen Beginn der Andacht war die Stimmung auf dem Bahnhofsvorplatz aufgeheizt. Bündnisse wie „Aufstehen gegen Rassismus“ waren mit Transparenten und Fahnen zum Bahnhof gekommen. Darauf stand unter anderem „Flüchtlinge willkommen“. Einige Passanten lieferten sich mit ihnen lautstarke Diskussionen über Zuwanderung. Die Polizei war mit einem Großaufgebot angerückt. Während der Andacht waren im Hintergrund immer wieder Sirenen zu hören.

(Carina Dobra)

Die wirklichen Beziehungen zwischen Menschen
sind immer ein Angewiesensein,
ein Einander-Brauchen.

(Dorothee Sölle)

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