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Training gegen Antisemitismus

Judenhass den Boden entziehen

epd/Thomas RohnkeEin Mann steht vor Schülern die sich melden.Der Pädagoge Manfred Levy bei einem Antisemitismus-Workshop in der Ziehenschule in Frankfurt. Ziel der »Europaschule« ist die Sensibilisierung der Schüler, das Anderssein neugierig zu betrachten und sich respektvoll damit auseinanderzusetzen.

FRANKFURT. Die Attacke auf einen Kippa-Träger in Berlin oder die Verleihung des Echo-Musikpreises an umstrittene Rapper zeigen den Antisemitismus in Deutschland. Was kann man dagegen tun? Ein Pädagoge konfrontiert Schüler mit judenfeindlichen Klischees.

Du Spast«, »du Missgeburt«, »du Jude« – Schimpfwörter, die Angelika Engelhardt täglich an der Schule hört. »Es gibt einen herben Umgangston unter Schülern, einen unreflektierten Alltagsrassismus«, sagt die Lehrerin. Deshalb veranstaltet das Frankfurter Gymnasium Ziehenschule einen Thementag »Vielfalt« für die zehnte Klassenstufe. Ziel der »Europaschule« sei die Sensibilisierung der Schüler, »das Anderssein neugierig zu betrachten und sich respektvoll damit auseinanderzusetzen«. Engelhardt hat den Workshop zum Thema Antisemitismus organisiert.

Diener des Teufels trägt Ring mit Davidstern

Dort wirft Manfred Levy vom Pädagogischen Zentrum des Fritz-Bauer-Instituts und des Jüdischen Museums Frankfurt vor 16 Schülern Bilder des Musikvideos »Apokalypse« des Rappers Kollegah an die Wand. Der Diener des Teufels trägt einen Davidstern-Ring, Kollegah kämpft auf dem Tempelberg in Jerusalem gegen das Böse, dessen Anführer in einem Bankhochhaus in London sitzt – antisemitische Stereotype, klärt Levy auf. Mehrere Schüler sehen den umstrittenen Echo-Preisträger anders: »Rapper wollen provozieren, die meinen es nicht ernst«, sagt eine Schülerin.

Lange Reihe antisemitischer Propaganda

Levy zeigt anhand von Filmbeispielen die Wirkmacht und Beharrlichkeit von antisemitischen Stereotypen auf. Eine Linie zieht sich von der Hetzschrift »Die Protokolle der Weisen von Zion« von 1919 über den Nazi-Propagandafilm »Der ewige Jude« aus dem Jahr 1940, eine NPD-Demonstration der Gegenwart in Wuppertal und die jährliche israel- und judenfeindliche Al-Quds-Demonstration in Berlin: Die Juden hätten eine Verschwörung angezettelt, um mit Hilfe des internationalen Kapitals die Weltbevölkerung zu knechten. Juden mache das Angst, berichtet Levy:

»Kuschen« vor der »Antisemitismuskeule«

Antisemitische Klischees hängen nicht von Unbildung ab, macht Levy klar. Er zitiert aus dem Brief eines Universitätsdirektors im Ruhestand an ihn, der der Bank Rothschild »skrupellosen Kapitalismus« vorwirft, den Israeli, sie würden mit »verlogenen Narrativen« einen »Landraub in Palästina rechtfertigen«, und den Deutschen, sie »kuschten« vor der »Antisemitismuskeule«.

Antisemitismus in Schulbüchern

Die Vorurteile werden sogar von renommierten Schulbuchverlagen weitergetragen, wie Manfred Levy an zwei Lehrwerken aus den vergangenen zwölf Jahren zeigt: In einem stehen für das Judentum »die drei G’s: Geld, Ghetto, Gelber Fleck«, und die »Ursache des Übels« sei das »unendlich viele Geld« gewesen, das Juden verliehen hätten, heißt es dort.

Zahlen Juden keine Steuern?

Fernsehumfragen regen Wortbeiträge der Schüler an. Eine alte Frau sagt, sie könne die Politik Israels nicht verstehen, »wo die Juden so viel erlitten haben«. »Ist das antisemitisch?«, fragt Levy. Ein Schüler kritisiert: »Sie verwechselt Juden mit Israel.« Der Referent ergänzt: »Sie unterstellt, dass Juden nach dem Holocaust bessere Menschen wären.« Ein weiteres Vorurteil nennt Levy aus dem Unterricht: »Stimmt es, dass Juden in Deutschland keine Steuern zahlen müssen?«, habe ihn eine Schülerin gefragt. Eine Schülerin aus dem Workshop hat das auch schon gehört.

Angst vor Mobbing

Die Schimpfwörter »Du Jude« oder »Mach keine Judenaktion« kennen die Schüler, verstehen sie aber anders als der Referent. »Das ist nicht ernst gemeint«, erklären mehrere. Levy gibt zu bedenken, dass jüdische Schüler an anderen Frankfurter Schulen ihn schon gebeten hätten, nichts über ihre Herkunft zu verraten, da sie sonst Angst vor Mobbing hätten.
 Christoph Reuter und Andrej Kyrylov fanden den Vormittag gut, besonders die vielen Filmausschnitte. »Manchmal hat der Referent zu viel reininterpretiert«, kommentieren die Schüler mit Anspielung auf die gängigen Schimpfwörter.
Jens Bayer-Gimm/epd

Du wirst Gottes Kraft in der Schwachheit erfahren,
nicht vorher, nicht daran vorbei.
In der eigenen Schwachheit, in den Dingen,
um die ich einen großen Bogen mache,
meine Tabus, meine wunden Punkte.
Aber es tut nicht nur weh, es tut auch gut,
am wunden Punkt berührt und geheilt zu werden.
Und es führt kein Weg daran vorbei,
wenn es richtig gut werden soll.

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