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Ausbildungspaten finanzieren Qualifikation

Jugendwerkstatt Gießen bildet Flüchtlinge aus

Alexandra Böckel, JuWeGießenIn der Jugendwerkstatt Gießen erhalten junge Menschen eine zweite ChanceIn der Jugendwerkstatt Gießen erhalten junge Menschen eine zweite Chance

„Menschen brauchen Menschen“, lautet die Devise der Jugendwerkstatt in Gießen. Die kirchliche Einrichtung fördert Menschen, die auf dem regulären Arbeitsmarkt keine Chancen haben. Auch junge Flüchtlinge. Dafür gibt es aber keine öffentlichen Mittel. Doch Ausbildungspaten engagieren sich finanziell für die jungen Leute aus dem Nahen Osten und Afrika.

„Menschen brauchen Menschen“, sagen Pfarrer i.R Christoph Geist und Wolfgang Balser von der Jugendwerkstatt in der Gießener Weststadt. Die kirchliche Einrichtung  fördert Menschen, die auf dem regulären Arbeitsmarkt keine Chancen haben. Junge Menschen oder Langzeitarbeitslose, die von der Leistungsgesellschaft abgehängt wurden, erhalten hier eine Chance. Speziell im Holz-, Bau- und Metallbereich qualifiziert oder bildet die Jugendwerkstatt Jugendliche aus. Finanziert wird das unter anderem aus der kommunalen Jugendförderung oder aus Mitteln der Agentur für Arbeit.

Ausbildung von Flüchtlingen sieht der Gesetzgeber nicht vor

Manche Jugendliche fallen aber durch das Gesetzes- und Förderungsraster, etwa weil sie zu alt sind oder als Asylbewerber keinen Anspruch auf berufliche Qualifizierung haben. Mit Hilfe von Paten und Spendern gelingt es Balser und Geist auch ihnen einen Weg in das Berufsleben zu bahnen.

Der Gewalt in Afghanistan entkommen

Zum Beispiel Reza*. Er ist mit seinen 22 Jahren ein auffallend ausgeglichener junger Mann. Wenn er spricht, strahlt er Ruhe und Zufriedenheit aus. Das ist bemerkenswert, kennt man erst seine Geschichte. Reza kam 2010 als Flüchtling aus Afghanistan nach Deutschland. Der junge Mann sah keine Zukunft in einem Land, in dem religiöse Zwänge und Gewalt vorherrschen. „Es gibt dort keine Familie ohne Gewalt.“ Er wollte frei leben und riskierte dafür viel: Mit der Unterstützung eines Cousins gelang ihm die Flucht. In der Fremde trägt ihn „die Sehnsucht nach Frieden und Freiheit.“ Seine Mutter fehlt ihm, aber sonst vermisst er in Gießen nichts.

„Am liebsten mal bei VW in Wolfsburg arbeiten!“

Reza macht eine Ausbildung im Metallbereich der Jugendwerkstatt. „Ich komme gut mit allen aus, die Menschen sind freundlich mit mir, ich lerne viel.“ In der praktischen Zwischenprüfung hat er mit „gut“ abgeschnitten. Die Theorie fällt ihm etwas schwerer, aber auch das wird er lernen. Schließlich ist es ihm gelungen, sich ganz alleine quer durch zwei Kontinente in eine neue Zukunft aufzumachen. Dabei hat er Dinge erlebt, die wir uns in unserer geregelten Gesellschaft gar nicht vorstellen können. Sein größer Wunsch: „Ich möchte mal in einer großen Firma arbeiten, Schunk oder Buderus und am liebsten irgendwann in Wolfsburg bei VW!“

Rezas Zukunft hat begonnen

Weil er verständnis- und rücksichtsvoll mit seinen Mitmenschen umgeht, fleißig, pünktlich und zuverlässig ist, sind sich Geist und Balser sicher, dass Rezas Zukunft endlich begonnen hat. Rezas Geschichte ist beispielhaft für viele junge Menschen, die derzeit aus dem nahen Osten oder Afrika zu uns nach Gießen kommen. Hinter ihnen liegt eine dramatische Flucht. Nun suchen sie einen Platz in unserer Gesellschaft. Und dazu gehört nicht zuletzt eine berufliche Perspektive. Die Jugendwerkstatt Gießen will künftig auch Flüchtlinge qualifizieren, um ihnen berufliche Integration ermöglichen.

„Ausbildungspaten“ haben Rezas Ausbildung finanziert

Kirchengemeinden, Vereine und Privatpersonen unterstützen die Jugendwerkstatt als „Ausbildungspaten“ dabei monatlich mit einem finanziellen Zuschuss. Auch Rezas Ausbildung wurde so möglich. Gerade in Zeiten von Fachkräftemangel setzt die Jugendwerkstatt auf eine solide Ausbildung von Jugendlichen, deren Biografie nicht so gradlinig verlief, wie man es sich für seine eigenen Kinder wünschen würde.  In der Jugendwerkstatt engagieren sich auch ehrenamtliche Helferinnen und Helfer mit Nachhilfeunterricht, durch die Mitarbeit in den Werkstätten, bei der Abholung von Möbel-Spenden oder im Gebrauchtwaren-Kaufhaus.

Mehr Informationen zu den Angeboten und Unterstützungsmöglichkeiten der Jugendwerkstatt Gießen im Internet

Alexandra Böckel

 * Name geändert

Glück ist Verbundenheit,
also eben nicht die unverbundene Selbststeigerung,
die alles andere benutzt zur eigenen Optimierung.

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