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Wirtschaft

Kaum gekauft, schon kaputt? Geplante Obsoleszenz unter der Lupe

bombuscreative/istockphoto.comElektro- und Haushaltsgeräte haben eine kürzere Lebenserwartung. Das Bundesumweltamt bringt deswegen ein Mindesthaltbarkeitsdatum ins Spiel.

Was ist dran am Mythos der geplanten Obsoleszenz? Bauen Firmen Produkte, die planmäßig kaputt gehen? Eine aktuelle Studie vom Umweltbundesamt sagt: Elektro-Geräte werden immer kürzer genutzt, aber das liegt nicht an einer eingebauten kürzeren Lebenserwartung. Der Umweltpfarrer der EKHN vertritt eine andere Meinung.

UmweltbundesamtZufriedenheit mit der Lebensdauer von Elektrogeräten laut einer Internet-Verbraucherbefragung

Ob Waschmaschine, Smartphone oder Fernseher: Elektro-Geräte werden laut einer aktuellen Studie immer kürzer genutzt. Im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) haben das Öko-Institut und die Universität Bonn versucht herauszufinden: Was ist dran an der sogenannten geplanten Obsoleszenz? 

Die Ergebnisse besagen zwar, dass Elektro-Geräte wie Laptops oder auch Waschmaschinen weniger lange genutzt werden, aber das liege nicht immer daran, dass sie defekt sind. Im Bereich der Unterhaltungselektronik und Informationstechnik seien vor allem neue Technologien und der Wunsch nach einem neuen Gerät der Auslöser für einen Neukauf. Das betreffe auch große Geräte, wie Kühlschränke.

Mindesthaltbarkeit für Elektro-Geräte

Dennoch seien rund ein Drittel der Befragten unzufrieden mit der Lebensdauer der Produkte. UBA-Präsidentin Maria Krautzberger sagte zu den Ergebnissen: „Viele Geräte haben eine zu kurze Lebensdauer. Aus ökologischer Sicht ist das nicht akzeptabel.“ Daher fordere das UBA eine Mindesthaltbarkeit für Elektrogeräte. Umweltreferent Hubert Meisinger vom Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der EKHN unterstützt diesen Vorschlag. Um die Kriterien dafür festzulegen, müsse sich jedoch nicht nur die Wirtschaft dazu verpflichten, ein Datum festzulegen, sondern gemeinsam mit Verbrauchen, der Politik und den Herstellern ein transparentes System entwickeln.

Wunsch nach neuen und modernen Produkten

Er hält die geplante Obsoleszenz für keinen Mythos. Als Beispiel nennt er die Lebensdauer von Smartphones. In vielen Fällen sei diese an die Laufzeit der Akkus gebunden, die häufig fest eingebaut seien. „Jede Akku-Leistung geht irgendwann zur Neige, aber meist ist es leider günstiger, ein neues Smartphone zu kaufen, als das Gerät aufwendig zu reparieren.“ Der ständige technologische Fortschritt in Verbindung mit Werbekampagnen wecke bei vielen Menschen den Wunsch nach neuen Geräten. Daher spricht er von psychischer Obsoleszenz. Das bedeute, dass Produkte, obwohl sie noch uneingeschränkt nutzbar wären, ersetzt werden. Diese These unterstützt die Studie des UBA. Krautzberger sieht daher auch die Konsumenten in der Verantwortung: „Es ist genauso wichtig, dass Verbraucherinnen und Verbraucher Produkte länger nutzen.“

Werte überdenken

Der Umweltpfarrer rät dazu, sich selbst die Frage zu stellen: „Brauche ich das wirklich?“ Er spricht von einem „Werte-Mobile“, das sich bei den Menschen nur verändere, wenn über das eigene Verhalten reflektiert werde. „In Zeiten von Klimawandel und Umweltschutz liegt es bei uns Verbraucherinnen und Verbrauchern, unser Konsumverhalten zu überdenken.“ 

Problemabfall Elektroschrott

Eine Folge des schnellen Neukaufs sei die Umweltbelastung durch die alten Geräte. Was in westlichen Ländern ausgedient habe, lande oft auf Müllhalden in Entwicklungsländern. Aus den entsorgten Geräten gewinnen die Menschen Rohstoffe, oft unter erheblichen gesundheitsschädlichen Bedingungen. Was nicht weiter verwendet werden kann, lande dann auf wilden Halden, wo Wasser, Boden und Luft vergiftet werden. Die Umweltamtschefin betont, dass auch die Herstellung der Produkte wertvolle Ressourcen verbrauche. „Schadstoffe und Treibhausgase belasten Umwelt und Klima.“ 

Fehlende Transparenz für Verbraucher

Problematisch sei außerdem die mangelnde Transparenz für die Verbraucher. Oft bleibe es unklar, für welche Lebensdauer ein Produkt konzipiert wurde. „Billig bedeutet nicht, dass ein Gerät auch günstig ist“, so der Umweltpfarrer. Der Preis sei allerdings kein zuverlässiger Indikator für langlebige und nachhaltige Produkte. Da bleibe den Konsumenten nur die Recherche zum gewünschten neuen Produkt. Portale wie zukunft-einkaufen.de könnten dabei helfen.

Reparaturen können Lebenszeit von Geräten verlängern

Dazu gehöre auch darauf zu achten, ob Geräte „reparaturfreundlich“ sind, um die Lebenszeit zu verlängern, so das UBA und Hubert Meisinger. Hierzu zähle zum Beispiel ein reparaturfreundliches Design und die Verfügbarkeit von Ersatzteilen, welche auch für unabhängige Werkstätten und Konsumenten zugänglich sein sollten. 

Hintergrund
Die Studie zur Entwicklung von Strategien gegen Obsoleszenz untersucht erstmals detailliert das Konsumverhalten, die Austauschgewohnheiten sowie die Ursachen für Defekte bei Elektro- und Elektronikgeräten in den vier Produktkategorien Haushaltsgroßgeräte, Haushaltskleingeräte, Informations- und Kommunikationstechnik und Unterhaltungselektronik.

Dies Gebot haben wir von ihm,
daß, wer Gott liebt, daß der auch seinen Bruder liebe.

1. Johannes 4, 21

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von gettyimages/issalina

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