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Kitas und Corona

Kitas kämpfen mit den Auswirkungen von Omikron

Bildquelle: gettyimages, romrodinkaKind mit MaskeDas Coronavirus verbreitet sich derzeit unter Kindern besonders stark

Omikron trifft auch die Jüngsten: In Regionen mit niedrigen Inzidenzen ist das Infektionsgeschehen in den evangelischen Kindertagesstätten noch auf einzelne Fälle beschränkt. An anderen Orten mussten schon Kitas für einige Tage schließen. Teilweise ist auch der Krankenstand beim Personal hoch. Noch zeigen viele Eltern Verständnis, doch von den Trägern sind auch kritische Anmerkungen zu hören.

[Nils Sandrisser, Indeon, epd] In der vorletzten Januarwoche ging gar nichts mehr in der Kindertagesstätte Dreiklang der Christuskirchengemeinde Bad Vilbel. Corona in vier der fünf Gruppen. Da habe man die ganze Kita für eine Woche dicht gemacht, sagt Pfarrer Klaus Neumeier. In der Woche darauf immerhin konnte der Betrieb wieder weitergehen. Entsprechend der geltenden Corona-Verordnung konnten Kinder wiederkommen, die einen negativen Test mitbrachten. Nur die U3-Gruppe war noch zu. „Im U3-Bereich kann man nicht immer mit Maske herumlaufen“, erklärt Neumeier. Das allerdings hatte zur Folge, dass sich alle Beschäftigten in diesem Bereich infizierten und daher fehlten.

Inzidenzen bei Kindern steigen

Das Coronavirus verbreitet sich derzeit unter Kindern besonders stark. Laut den am 01. Februar 2022 neuesten verfügbaren Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei Fünf-bis Neunjährigen bundesweit in der dritten Januarwoche bei fast 2400. Das ist der höchste Wert aller Altersgruppen. Bei den Null- bis Vierjährigen lag diese Zahl zwar nur bei rund 990, war aber stark steigend. Seit Jahresbeginn haben sie sich mehr als vervierfacht. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass die Omikron-Variante des Virus gerade ungebremst durch die Altersgruppen der Kinder hindurchrauscht.

Hoher Krankenstand beim Personal

Und das stellt Kindertagesstätten zunehmend vor Probleme, ähnlich wie in Bad Vilbel. Noch handele es sich um Einzelfälle, sagt Volker Rahn, Sprecher der Evangelischen Kirche in Hesse und Nassau (EKHN), über Schließungen von einzelnen Gruppen oder ganzen Einrichtungen, „Das wird aber mit Sicherheit nicht so bleiben. Auch die evangelischen Kitas haben keinen himmlischen Schutz vor dem Virus.“

In Wiesbaden, das auf dem Gebiet der EKHN bei der Sieben-Tage-Inzidenz ganz weit vorne lag, mussten zwei der 36 Kitas in Trägerschaft des Dekanats ganz schließen. Bei anderen sind einzelne Gruppen zeitweise dicht. Insgesamt sei „eine einstellige Zahl“ der Kitas betroffen, sagt die Öffentlichkeitsbeauftragte des Dekanats, Andrea Wagenknecht. Neben dem Coronavirus machen auch Erkältungs- und Magen-Darm-Erreger zu schaffen. „Wir haben beim Personal derzeit einen hohen Krankenstand, auch unabhängig von Corona“, sagt Wagenknecht. Das freilich ist zu dieser Jahreszeit oft so.

Obwohl der Odenwaldkreis bei der Inzidenz nicht zur Spitzengruppe zählt, sondern recht nah am Durchschnitt liegt, bekommen die Kitas hier das Problem derzeit sehr zu spüren. „Das ist keine Welle mehr, das ist ein Sturm“, sagt der Geschäftsführer der Gemeindeübergreifenden Trägerschaft des Dekanats Odenwald (GüT), Marco Lautenschläger. Alle neun Kitas der GüT sind und waren zeitweise betroffen, allerdings auch hier meist nur einzelne Gruppen. Nur die Kita in Neckarsteinach war drei Tage lang komplett dicht.

Unmut über unzureichende Vorgaben

Vor allem die relative Untätigkeit der Politik lässt Lautenschläger verzweifeln. Die Vorgaben seien nicht ausreichend, sagt er: „Man kann von einer Durchseuchung der Kitas sprechen.“ Es gebe beispielsweise keine Testpflicht wie in den Schulen, und das Land zahle Tests nur anteilmäßig. Das Resultat sei: „Bei einem Corona-Fall schließen wir ein paar Tage, und anschließend geht alles wieder von vorne los.“ Wobei Lautenschläger zugibt, selbst auch keine gangbare Alternative zu sehen. Längere Schließzeiten würden die Kinder zwar körperlich schützen, wären aber psychologisch nicht gut für sie. Und für die Eltern würden sie noch mehr Belastung bedeuten. Zudem sei die allgemeine Inzidenz so hoch, dass auch bei längeren Schließzeiten das Virus schnell wieder eingeschleppt würde. „Es ist zu spät“, sagt Lautenschläger. „Die Kontrolle ist verloren.“

Die meisten Eltern reagieren kooperativ

Im Dekanat Westerwald ist das Infektionsgeschehen noch auf einzelne Fälle beschränkt. Nur in Selters und in Westerburg gab es eine zweistellige Anzahl von Corona-Infektionen, bis vergangene Woche hatte die Kita in Rehe sogar keinen einzigen Positivtest. Eine mögliche Erklärung: Von allen Landkreisen auf dem Gebiet der EKHN hatte der Westerwaldkreis Anfang dieser Woche mit knapp 820 die niedrigste Sieben-Tage-Inzidenz. Aber auch hier zeigt der Trend nach oben. „Oft traten die Fälle laut Erzieherinnen erst in den vergangenen zwei Monaten oder sogar erst in den vergangenen Tagen auf“, sagt Peter Bongard, Öffentlichkeitsbeauftragter des Dekanats.

Wenn Eltern ihre Kinder nicht in eine Betreuung geben können, dürfen sie zwar pro Elternteil 30 Tage pro Jahr ihrer Arbeit fernbleiben. Unter Umständen ersetzt ihnen ihre Krankenkasse aber nicht den vollen Gehaltsausfall, sondern nur 90 Prozent. Einen Unmut der Eltern hat Bad Vilbels Pfarrer Neumeier immerhin nicht zu spüren bekommen. „Klar sind die nicht begeistert, wenn ihre Kinder nicht betreut werden können“, sagt er. Aber die Reaktionen der Eltern seien dennoch bislang kooperativ und verständnisvoll, sagt Neumeier.

Für das Gesundheitsamt ist er hingegen nicht so voll des Lobes. „Von dort kommt alles so verzögert, dass man damit nichts anfangen kann“, kritisiert er. Bei der Schließung der Kita Dreiklang habe seine Gemeinde daher nicht erst gewartet, bis die entsprechende Anweisung vom Amt kam. 

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Ich merke, der weite Raum
entsteht nicht in mir und durch mich.
Er entsteht, weil andere da sind,
die mir Räume eröffnen,
gnädig umgehen mit meinen Schwächen,
sich einsetzen für einen menschenwürdigen Umgang
mit allen Menschen.

(Melanie Beiner zu Psalm 31,9)

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