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Jugendarbeit in Corona-Zeiten

Kreativ bleiben und der mühsame Versuch, den Kontakt zu Jugendlichen zu halten

(c) DekanatDigitale Vollversammlung und Spielabend OnlineDigitale Vollversammlung und Spielabend Online

Sechs Monate Corona-Pandemie hinterlassen Spuren in der Kinder- und Jugendarbeit. Vieles muss neu bedacht werden. Gemeinschaftserlebnisse lassen sich nur bedingt digital herstellen. Dekanatsjugendreferentin Britta Nicolay und Gemeindediakonin Ulrike Schaffert vom Evangelischen Dekanat Rheingau-Taunus berichten über den „kreativen Prozess“, den sie gehen, über neue Ideen und Hindernisse sowie darüber, was die Zeit mit Jugendlichen macht

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Montagsmaler Online Online Spieleabend Religionspädagogin Britta Nicolay Gemeindediakonin Ulrike Schaffert (Portraitfoto)
(c) Dekanat / C. WeiseSelbstgestalteter Adventskalender der Gemeindepädagogen (Deckblatt)Selbstgestalteter Adventskalender der Gemeindepädagogen

Britta Nicolay und Ulrike Schaffert haben am Wochenende im Rheingau einen Präsenz-Gottesdienst für Konfirmanden und Konfirmandinnen gefeiert. In diesen Zeiten eher die Ausnahme. Die Vorbereitungen dafür begannen im Sommer unter Beachtung der Corona-Hygieneregeln. Und dennoch musste das Konzept immer und immer wieder verändert werden.

Fürbitten per Messenger und Solo-Gesang

„Der Wunsch für einen Gottesdienst extra für Konfirmanden“ bestand schon länger in der Region, erklärt Britta Nicolay. 40 Besucherinnen und Besucher kamen nach Geisenheim. „Wir mussten so vieles immer wieder ändern“, so Schaffert. Eigentlich hätten Jugendliche den Gottesdienst mit vorbereiten sollen. „Von Jugendlichen für Jugendliche“, lautet ein Motto der Evangelischen Jugendarbeit in der Region. Das geht derzeit aber dann kaum. Ein Ziel des Gottesdienstes war, dass sich die Konfirmanden aus der Region besser kennenlernen und auch zu einer Gemeinschaft werden. Ziemlich schwierig mit Abstand, Masken und Hygieneregeln.

Da nicht gemeinsam gesungen werden konnte, sang Tassilo Schlenther zum Orgelspiel von der Empore aus. „Beeindruckend“, wie viele Konfis sagten. Trotz Abstand fanden die beiden Ideen für Mitmachaktionen. Etwa in dem die Konfirmanden nacheinander Kerzen in eine Herzform stellen oder sich per Messengerdienst an den Fürbitten beteiligen konnten. „Das wurde gut angenommen“, freut sich Ulrike Schaffert, die seit dem 1. September das Kinder- und Jugendarbeitsteam im Dekanat für die Region Taunusstein verstärkt.

Videoaktionen statt persönliches Kennenlernen

Für Schaffert ist das ein schwieriger Einstieg, vereinzelt nur kann sie die Konfirmanden, ihre Hauptzielgruppe, persönlich kennenlernen. „Sonst fast nur über Video“, sagt sie nachdenklich. Mitarbeiterschulungen, Freizeiten, Ausflüge - alles gängige und gemeinschaftsverbindende Aktionen - können ja nicht stattfinden. Diese seien aber für die Persönlichkeitsentwicklung oder als Erholungsprojekt sehr wichtig. „Im Prinzip fällt das, was Evangelische Jugend bislang ausgemacht hat, weg“, konstatiert Schaffert.

Britta Nicolay, die seit 2015 im Dekanatsteam ist und vor allem für den Untertaunus und Rheingau zuständig, berichtet, dass ihr der direkte Kontakt zu den Jugendlichen wegbreche. Zwar versuche sie den Kontakt per Handy, Social Media, Telefon und per Flyer aufrecht zu erhalten, das sei aber sehr schwierig. „Etwa 75 Prozent meiner Beziehungsarbeit zu Jugendlichen entsteht durch Projekte“, so Nicolay, „die können aber nicht wie gewohnt stattfinden.“ Lediglich der Kontakt zum Vorstand der Evangelischen Jugend und zu einem Jugendtreff laufe weiterhin gut.

Pädagoginnen entwickeln ständig neue Formate

Dabei sind Britta Nicolay und ihre Kollegin permanent dabei sich neue Formate auszudenken und neue Angebote zu entwickeln. „Das kostet aber auch viel Zeit zum Einarbeiten“, gibt Britta Nicolay zu. Neu sind etwa ein regelmäßiger Online-Spielabend und der „Kindergottesdienst bei Dir zu Hause“, wo sie schon viele Anmeldungen haben. „Bei Kindern funktioniert die Kommunikation einfach besser, weil die Eltern da die Entscheidung treffen“, erklärt Ulrike Schaffert. Und so versuche man jetzt die Kontakte „verstärkt von unten aufzubauen“ und mehr Angebote für Kinder zu planen, „die ja die Jugendlichen von morgen sind.“

Auffällig sei auch, dass viele Konfirmanden und Jugendliche bei Videokonferenzen die Kamera scheuen. Im Zeitalter von Selfies und selbstgedrehten Videos auf unterschiedlichsten Plattformen erscheint das erstaunlich. Noch ein weiteres Problem beobachten die Hauptamtlichen in dieser digitalen Zeit: Nicht überall in der Region ist das Internet stabil. Was die Teilnahme an gemeinsamen digitalen Aktionen erschwere.

„Wir müssen uns noch mehr Gedanken machen, wo und wie wir die Zielgruppen erreichen“, sagt Nicolay selbstkritisch. Vielleicht hätte man im Sommer schon mehr auf digitale Angebote setzen sollen, anstatt die für das Gemeinschaftsgefühl so wichtigen analogen Gruppenfahrten anzubieten und dann wieder absagen zu müssen, so die Dekanatsjugendreferentin.

Konfi-Andacht, Krimi-Diner und Adventskalender

„Man kann aber auch digital Spaß haben“, sagt Nicolay freudestrahlend. Sei es bei der ersten digitalen Vollversammlung der Evangelischen Jugend, den regelmäßigen Spieleabenden oder auch bei den Angeboten und Filmchen auf Youtube, so ihre Erfahrung.
Weitere Ideen sind ein Online-Krimi Diner oder eine Zoom-Konfiandacht. Darüber hinaus hat das Dekanatsteam der Gemeindepädagoginnen und Gemeindepädagogen einen (analogen) Adventskalender für Kinder erstellt, der druckfrisch im Dekanat eingetroffen ist.

Auch der für den 7. November geplante gemeinsame Konfitag in Taunusstein, mit einem umfangreichen Hygienekonzept und viel Abstand im Freien, musste nun Virusbedingt abgesagt werden. Gemeindediakonin Schaffert verspricht motiviert: .Aber irgendwas machen wir.“ So werden die Bleidenstädter Konfis am 5. Dezember einen kleinen Konfitag durchführen. Mit einem virtuellen Gottesdienst, den die Gruppe gemeinsam anschauen und miterleben kann. Denn den gibt es schon, Vorbereitet und Aufgenommen von der Evangelischen Jugendvertretung.

Mehr Infos auch auf dem Instagram Kanal der Jugend: ev.jugend_rheingau_taunus.

 

Jetzt in diesen Zeiten.
Wo Ungewissheit uns umtreibt.
Vor dem Virus, das sich ausbreitet.
Oh Gott,
wir wollen daran denken,
dass du von Urzeiten her –
deine Hand über uns hältst.

(nach Doris Joachim)

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