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Digitalisierung und Künstliche Intelligenz

"Leben bleibt etwas Göttliches"

(c) Dekanat / C. WeiseKirchenpräsident Dr. Volker JungKirchenpräsident Dr. Volker Jung

Kirchenpräsident Dr. Volker Jung, hat vor Pfarrerinnen und Pfarrern des Evangelischen Dekanats Rheingau-Taunus die Bedeutung der Digitalisierung für die Gesellschaft und die Kirche skizziert. Sowohl bei der Digitalisierung, als auch in der Politik stünde die Frage: „Wie geht es weiter mit der Welt?“

Auslöser für Jung, der auch Medienbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist, sich mit dem Thema Digitalisierung intensiv zu beschäftigen, war eine Begegnung 2016 mit Thomas Schulz, einem Journalisten in Silicon Valley.

Google und andere große „Player“ hätten eine regelrechte „religiöse Erlösungsfantasie“, so der Journalist. Etwa weil sie die Idee hätten, alle Probleme der Welt mit moderner Technik lösen zu können. Deshalb sei es notwendig, dass sich die Kirchen mit der Digitalisierung und den großen Unternehmen intensiv auseinandersetzen. Die Macher von Google und Facebook selbst sehen durchaus Nähe zwischen Kirche und ihren eigenen Organisationen. Beide „würden Menschlichkeit voranbringen und Menschen verbinden“ und seien sowas wie eine unterstützende Gemeinschaft, eine „support community“, so die Kirchenexpertin von Facebook. Als Jung letztes Jahr die Mediengiganten mit einer Delegation im Silicon Valley besuchte, lieferte die Kirchenexpertin auch noch die passenden Bibelstellen für ihre Thesen.

Kommunikationsraum hat sich verändert

Musste man als Kirchenmann Mitte der 90erJahre noch einen Berater aus der Kirchenverwaltung kommen lassen und begründen, warum man einen Computer anschaffen wollte, so sei heute ein Kommunikationsraum entstanden, „den wir so nicht kannten und der sich noch mehr verändern werde“, so Jung. Der Mensch erlebe eine Erweiterung der Wirklichkeit.

Durch das „Internet der Dinge“, also die Vernetzung von Mensch und Maschine werde die Wirklichkeit immer mehr erweitert. „Und die wird ganz und gar real, auch wenn sie eigentlich virtuell ist“, erklärt der Medienbischof.

Volker Jung warnte deshalb die Kolleginnen und Kollegen davor, die ganze Entwicklung abzutun oder es bloß als eine Art Spiel zu verstehen. Die Verbindung von Mensch zu Maschine bestünde ja schon länger, etwa in der Medizin mit Herzschrittmachern oder Cochlea-Implantaten, aber die Entwicklung nehme rasant zu und so entstünden immer mehr Fragen zum Menschenbild und Ethik.

Kopie des menschlichen Gehirns bis Ende 2020 geplant

So habe der Unternehmer Elon Musk angekündigt, bis Ende 2020 ein menschliches Gehirn an einen Computer zu übertragen und somit eine Art Kopie erstellen zu wollen. Die Vision sei ein humanoider Roboter, der dann als ein „Ich“ weiterlebt und – so eine weitere Idee- den Tod damit irgendwann besiegt.

Dass aber eines Tages ein Roboter in den Gottesdienst kommt und sich taufen lassen möchte, das hält Jung für unwahrscheinlich.

Digitalisierung und die Künstliche Intelligenz stellen damit den Menschen konkret in Frage. So könnten Pflegeroboter durchaus hilfreich sein, etwa in der Demenzarbeit, aber „wir kommen an einen kritischen Punkt, wenn sie Menschen ersetzen“, so Volker Jung. Auch hier sei Kirche gefragt, Stellung zu nehmen.

Nicht wenige sehen in der Entwicklung bei der künstlichen Intelligenz den Beginn einer neuen Evolutionsstufe, mit unabsehbaren Folgen. Unweigerlich müsse man sich deshalb fragen, was einen Menschen auszeichne. „Das könnten Merkmale wie Bewusstsein, Lebendigkeit oder die Seele sein. Das Beleben von Materie ist und bleibt etwas Göttliches“, ist sich der der Kirchenpräsident sicher. „Es gibt ein unverfügbares Geheimnis des Lebens.“

Menschen seien begabte Wesen, die aber auch verführbar und fehlbar seien. Im Zuge der Digitalisierung könne es daher auch passieren, dass sich Menschen immer mehr abgrenzen und isolieren oder – genau das Gegenteil tun – sich völlig entgrenzen. Auch hier müsse Kirche sich engagieren, Menschen begleiten, Kommunikation und Beziehungen definieren und beschreiben. Aufgaben der Kirche, wie Seelsorge, Gottesdienst und Beratung, also geistliche Bezüge, könne man nicht einfach digital ersetzen.

Kirche solle die Digitalisierung nutzen, gerade unter dem Gedanken der Nachhaltigkeit, so Jung. Bildung sei deshalb eine der zentralen Aufgaben. Zudem sollte das Thema Digitalisierung und künstliche Intelligenz Bestandteil in der Ausbildung der Pfarrerinnen und Pfarrer werden.

Christus spricht: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.

Matthäus 25, 40

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von gettyimages/ekely

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