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Kirche und Politik

Mehrheit deutscher Regierungsmitglieder gehört einer christlichen Kirche an

Esther StoschReichstagDas Reichstagsgebäude ist Sitz der Bundesregierung

Die meisten deutschen Regierungsmitglieder sind Christen. Protestanten sind am stärksten in den Kabinetten vertreten, gefolgt von Katholiken. Muslime hingegen sind in der deutschen Politik die Ausnahme.

Die Mehrheit deutscher Regierungsmitglieder bekennt sich zum christlichen Glauben. Wie eine Erhebung des Evangelischen Pressedienstes (epd) ergab, gehören 118 der insgesamt 177 Mitglieder (zwei Drittel) der Bundes- und Landeskabinette einer christlichen Kirche an. 40 Regierungsmitglieder (23 Prozent) sind konfessionslos, 20 machten keine Angaben zu ihrer Religionszugehörigkeit. Kein Mitglied einer Regierung bekannte sich zum muslimischen Glauben. Das überrascht den Religionssoziologen Detlef Pollack: „Es wundert mich, dass man nicht auf diesen Vorbildeffekt setzt“, sagte er dem epd.

Protestanten in den Entscheidungspositionen der Politik in der Mehrheit

Unter den Christen sind die Protestanten in den Entscheidungspositionen der Politik in der Mehrheit: 62 Kabinettsmitglieder (35 Prozent) sind evangelisch, 55 katholisch (31 Prozent). Eine Ministerin gehört der Neuapostolischen Kirche an. Unter den 16 Ministerpräsidenten sind sieben evangelisch, sechs katholisch und drei konfessionslos. Gemeinsam mit der evangelischen Pfarrerstochter Angela Merkel (CDU) sind damit acht Regierungschefs in Deutschland Protestanten. Im Bundeskabinett gehören alle Mitglieder einer christlichen Konfession an: Zehn sind evangelisch, sechs katholisch. Die Differenz zwischen den Konfessionen verliere aber immer mehr an Bedeutung, sagt Religionssoziologe Pollack.

„Im Westen gehört es nach wie vor eher zum guten Ton, kirchlich gebunden zu sein“

Auch wenn sich bei der Kirchenbindung in Ost und West nach wie vor ein Unterschied zeigt, fällt er geringer aus als vielfach erwartet. In den westdeutschen Bundesländern sind knapp 24 Prozent der Kabinettsmitglieder konfessionslos, in den ostdeutschen Bundesländern mit Berlin 27, ohne Berlin 30 Prozent.

Dennoch vermutet Pollack, dass es im Ansehen noch immer Unterschiede gibt. „Im Westen gehört es nach wie vor eher zum guten Ton, kirchlich gebunden zu sein“, sagte er. 80 Prozent der Menschen seien dort irgendwie religiös gebunden. Diese Mehrheitsverhältnisse hätten Auswirkung auf die Bereitschaft, sich zu seiner Konfession zu bekennen, erklärte der Professor aus Münster: „Im Westen ist man eher vorsichtig anzugeben, dass man konfessionslos ist, im Osten könnte es genau andersherum sein.“

Konfessionsangehörige in der Politik überrepräsentiert

Verglichen mit dem Durchschnitt der Bevölkerung seien Konfessionsangehörige in der Politik überrepräsentiert, resümiert Pollack, der dieses Verhältnis seit Jahren auch im Bundestag beobachtet. „Es gibt prozentual gesehen viel mehr Katholische und Evangelische im Parlament als in der Bevölkerung insgesamt“, sagte er.

Der evangelische Theologe und Soziologe erklärt das zum Einen mit dem erwiesenen Zusammenhang zwischen Bildungsniveau und Beteiligung am kirchlichen Leben. Es glaubten zwar weniger formal hoch Gebildete an Gott, aber es gingen auch formal mehr hoch Gebildete zum Gottesdienst. Zudem engagierten sich Ehrenamtliche der Kirche auch stärker außerhalb. „Es gibt offensichtlich einen bestimmten Typ, der sich sowohl in Parteien, sozialen Bewegungen, Vereinen als auch in Kirchen stärker einbringt“, sagte Pollack.

Muslime fehlen in den Regierungen

Überrascht äußerte sich der Forscher vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Universität Münster über das Fehlen von Muslimen in den Regierungen: „Ich hätte gedacht, dass man gerade in der Politik großen Wert darauf legt, Muslime in das politische Geschäft zu integrieren.“ Entweder sei es schwer, geeignete Kandidaten zu finden. „Es könnte aber auch sein, dass man die politische Hebelkraft einer solchen integrativen Maßnahme noch nicht erkannt hat“, sagte Pollack.

Mit Aygül Özkan (CDU) in Niedersachsen und Bilkay Öney (SPD) waren bereits zwei Musliminnen Mitglieder früherer Landesregierungen. Prominente Musliminnen in der Politik sind heute die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), die im Kabinett kein Stimmrecht hat, sowie die neue baden-württembergische Landtagspräsidentin Muhterem Aras (Grüne).

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Die wirklichen Beziehungen zwischen Menschen
sind immer ein Angewiesensein,
ein Einander-Brauchen.

(Dorothee Sölle)

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