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Wolfgang Huber

Menschen zuwenden, die von Angst geprägt sind

(c) Dekanat / C. WeiseProf. Dr. Wolfgang HuberProf. Dr. Wolfgang Huber

"Was hält die Gesellschaft zusammen?" wurde der ehemalige Ratsvorsitzende der EKD, Prof. Dr. Wolfgang Huber auf dem Jahresempfang des Evangelischen Dekanats Rheingau-Taunus gefragt. Er warb für mehr Dankbarkeit und warnte vor der Angst.

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Prof. Dr. Wolfgang Huber Prof. Dr. Wolfgang Huber Monika Merkert, Klaus Schmid und Oliver Albrecht im Interview Harald Eggert (Flügel) und Philipp Völger (Klarinette) Gespräche beim Jahresempfang

"Kirche muss sich den Menschen zuwenden, die von Angst geprägt sind", sagte Wolfgang Huber in Taunusstein. Bei der Frage, was die Gesellschaft zusammenhalte und was Kirche und Diakonie dazu beitragen können, ermutigte er die Christen in Deutschland zunächst einmal zu dankbar sein. Dazu helfe der Blick über den Tellerrand. Etliche Krisen, wie z.B. die Finanzkrise habe man in Deutschland gut bewältigt, auch zu sozialen Unruhen, wie etwa in Frankreich sei es noch nicht gekommen, stellte der ehemalige Landesbischof fest. Diese Dankbarkeit gelte es aufrecht zu halten und könne gleichzeitig Antrieb sein, die kommenden Anforderungen anzugehen.

Die Situation in Deutschland verglich er mit einer Fahrt im „Pater Noster“ Aufzug. „Es geht eigentlich bergauf und dennoch haben wir ständig Angst, dass es runter gehen könnte.“ Statt sich zu sorgen, sollten die Menschen lieber fragen, was sie konkret tun könnten. „Die Fragen werden anders, wenn die Hoffnung mobilisiert wird und die Sorgen das letzte Wort haben“, wandte sich Huber an die über 160 Gäste im Bürgerhaus „Taunus“ in Taunusstein.

Angst sei die gefährlichste Emotion, weil es die egoistischste Emotion sei, erklärte der Professor für Systematische Theologie. Deshalb solle man „nicht den Menschen das letzte Wort überlassen, die mit Angst arbeiten“, forderte er.

Bildung ist Schlüssel zum Zusammenhalt

Hoffnung zu haben, bedeute auch „Ja“ zur Zukunft zu sagen und das „Ja“ zur Zukunft wiederum, schließe das „Ja“ zu Kindern ein“, machte der ehemalige Bischof deutlich.

Wolfgang Huber zeigte sich erschüttert, dass Deutschland in Sachen Bildungsgerechtigkeit „die rote Laterne“ trage. Ähnlich wie die Kreisbeigeordnete Monika Merkert vorab im Interview mit Dekan Schmid sagte, ergänzte Huber, dass Bildung der Schlüssel zum Zusammenhalt in der Gesellschaft sei. Das müsse eine Schwerpunktaufgabe von Kirche und Diakonie aber auch der Politik sein. „Kein Mensch ist ein bloßer Versorgungsfall! Beteiligungsgerechtigkeit ist der Auftrag den wir eigentlich haben“, so der 76-jährige. Jeder und jede, die sich um den Zusammenhalt der Gesellschaft sorge, müsse sich vor allem fragen, mit welcher Haltung er oder sie sich selbst daran beteilige.

Pluralität als Herausforderung

Die Pluralität, auch der Haltungen, sei die Herausforderung in der Gesellschaft. Die Kirchen müssten viel stärker in den Austausch treten, auch mit Menschen, die das nicht mehr gewöhnt sind. „Kirche, die nur mit denen kommuniziert, die das gewohnt sind, bleibt hinter dem gebotenen Auftrag zurück“, mahnte Huber.

Zur Herausforderung der Pluralität gehöre auch die veränderte politische Landschaft, etwa im Bundestag an. Er nahm das Votum vom Taunussteiner Bürgermister Sandro Zehner auf, der sich besorgt über die gegenwärtige Form des politischen Diskurses geäußert hatte. Zehner hatte gefordert, dass „Christen sollen achtsam den Diskurs vorleben und die Grundwerte des menschlichen Lebens hochhalten und denen entgegentreten, die das mit den Füßen treten.“ Auch Wolfgang Huber sprach sich dafür aus, dort wo der Nationalismus den Vorrang vor dem Respekt vor der Würde des Menschen bekomme, dieser Haltung entschieden entgegen zu treten. „Da gibt es keine Kompromisse“. Ebenso sprach sich Propst Oliver Albrecht dafür aus, dass die Kirche sich auf ihren Auftrag besinnt und die „Finger in die wunden Punkte der Gesellschaft“ lege.

„Es gibt keine Menschen erster und zweiter Klasse“

Man müsse jedoch immer zwischen der Person und ihren Taten beziehungsweise ihrer Auffassung unterscheiden, stellte Wolfgang Huber klar. Wo Menschen diesen Unterschied nicht machten, da gäbe es auch keinen Frieden. Huber sagte, dass man dabei „friedlich, nachdrücklich, liebevoll, ja manchmal in liebevollem Zorn“ dafür eintreten solle, dass es keine Menschen erster oder zweiter Klasse gäbe

„Kirche muss sich den Menschen zuwenden, die von Angst geprägt sind“, forderte er die Zuhörer auf. „Es gibt keinen Grund irgendeinen Menschen auszuschließen“, betonte Huber.

Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück,
der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

Lukas 9, 62

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von gettyimages_stellalevi

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