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Militärseelsorge

Militärpfarrer leisten einen Dienst in der Arbeitswelt

TöpelmannMilitärbischof Dr. Sigurd Rink bei einem Flug in AfghanistanMilitärbischof Dr. Sigurd Rink bei einem Flug in Afghanistan

Wenn Militärbischof Sigurd Rink einen der 17 Einsatzorte der Bundeswehr zwischen Afghanistan und Zypern besucht, trägt er neben Helm und Schutzbrille eine 15 Kilo-Splitterschutzweste und ist von sechs Mann Sicherheitsbegleitung umgeben. Rink ist in Hessen kein Unbekannter. Schließlich war er zwölf Jahre Propst für Süd-Nassau.

„Zwischen Afghanistan und Zypern“ war Bischof Rinks Thema beim Jahresempfang des Arbeitskreises Evangelischer Unternehmer in Frankfurt am Main. Tatsächlich sei die Bundeswehr aktuell in  17 Auslandseinsätzen weltweit unterwegs. „Durch die Bundeswehreinsätze hat die Bedeutung der Seelsorge enorm zugenommen.“ In den letzten vier Jahren hat der Militärbischof alle Einsatzorte mindestens einmal besucht. Außerdem hält er den Kontakt zu den Militärpfarrern an den deutschen Standorten und trifft bei seinen Besuchen viele Soldatinnen und Soldaten. „Militärpfarrer leisten einen Dienst in der Arbeitswelt,“ so Rink

Militärseelsorge bei den Soldaten im höchsten Maße anerkannt

Die Soldaten im Auslandseinsatz, meist junge Männer zwischen 20 und 30, von denen viele kleine Kinder zu Hause hätten, seien in diesen komplexen und oft gefährlichen Einsätzen stark belastet, berichtete Rink. Auf einen kämpfenden Soldaten rechne die Bundeswehr zehn Männer oder Frauen im Hintergrund. Diese kämen in den vier Monaten ihres Einsatzes nie aus dem ‚Käfig“ heraus. Und die rauskämen wüssten nicht, ob sie wieder wohlbehalten zurückkommen. Auch Soldaten aus den neuen Bundesländern, von denen viele keine Beziehung zur Kirche hätten, nähmen die Angebote der Militärpfarrer an. Rink berichtete von provisorischen Kapellen, die Soldaten gebaut hätten. Insbesondere die Marine man größten Wert auf die Anwesenheit eines Militärpfarrers. In der besonderen Enge eines Schiffes teile der Seelsorger das ganze Leben der Soldaten. 

Militärseelsorge begleitet Soldaten und ihre Familien

Rink berichtete von posttraumatischen Belastungsstörungen, die bei manchen Soldatinnen und Soldaten nach extremen Erlebnissen des Einsatzes ans Licht kämen. Um ein normales Lebens wieder zu ermöglichen, brächten die Betroffenen intensive Hilfe, die sie auch von der Bundeswehr bekämen. Da aber nur die Soldaten behandelt würden, begleite die Militärseelsorge auch deren Familien, jedes Jahr mehr als 1000 Personen. Solche posttraumatischen Belastungsstörungen erlitten zum Glück nur wenige Prozent der Soldaten. Der größere Teil der Soldaten gehe relativ unbeeindruckt durch Zeit des Einsatzes. Diese könnten das Erlebte verarbeiten. Andere zeigten sogar eine Resilienz, „Menschen, die sogar an und in den Einsatzbelastungen wachsen, sich verändern und an Persönlichkeit zunehmen“. Wenn diese dann nach Deutschland zurückkehrten, sähen unsere deutschen Probleme plötzlich ganz anders aus.  

Auslandseinsätze unterschiedlich bewerten

„Die Auslandseinsätze darf man nicht alle in einen Topf werfen“ sagte Rink. Bei der Diskussion um den Sinn dieser Einsätze, sei es wichtig, Auftrag und Umfang der Einsätze unterscheiden. Über Schleuserbekämpfung im Mittelmeer werde kaum diskutiert, kaum bekannt seien klassische Friedensmissionen wie im Grenzkonflikt zwischen Israel und dem Libanon, wo es um Gasfelder auf dem Meeresgrund gehe.  Mit dem Blauhelmeinsatz in Mali zeige Deutschland Solidarität mit Frankreich. „Ich weiß nicht, wo vor dem Hintergrund einer evangelischen Friedensethik ein Problem sein soll?“ Mali sei gefährlich, aber kein Kampfeinsatz.

Schwieriger sei das Mandat beim Kampf gegen die Terrororganisation IS, wie im Nordirak. Der Einsatz werde von Alliierten gestaltet, aber ohne UN-Mandat wegen solcher Vetomächte wie Russland oder China. Deutschland fliege keine Kampfeinsätze, leiste aber Luftaufklärung. „Das Verhältnis zu Streitkräften ist in Deutschland seit dem 2. Weltkrieg sehr gespannt.“ In Afghanistan sei die Sicherheitslage auch nach 17 Jahren absolut prekär. Die zivile Entwicklungsarbeit sei in dem gefährlichen Umfeld „absolut schwierig“. 

Militärseelsorge mit eigenem Standing

Nach den Erfahrungen der beiden Weltkriege und der Rolle, die Militärpfarrer damals gespielt haben, wurde 1957 die Militärseelsorge unabhängig von den militärischen Strukturen, und auch getrennt von den Kirchen, eingerichtet. So haben die Militärseelsorger keine militärischen Ränge und werden nicht von der Bundeswehr bezahlt. Die Mittel kommen aus den Kirchensteuern der Soldatinnen und Soldaten, sodass auch keine Gelder der Landeskirchen in Anspruch genommen werden müssen. Im Unterschied zu früheren deutschen Armeen ist der Soldat in der Bundeswehr nicht nur Befehlsempfänger, sondern ist immer auch seinem Gewissen verantwortlich. Deshalb nennt Bischof Rink die Militärseelsorge auch die „Zwillingsschwester der Inneren Führung“.


[Pfarrer Hans Genthe]

Gott erweist seine Liebe zu uns darin,
dass Christus für uns gestorben ist,
als wir noch Sünder waren.

Römer 5, 8

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von gettyimages_saemilee

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