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Bibel lesen

Mit dem Abenteuer Bibellesen beginnen

aldomurillo/istockphoto.comJunge Frau liest BibelJunge Frau liest Bibel

„In der Bibel steht vieles, das uns auch heute weiterhelfen könnte“, da ist sich Pfarrer Dr. Klaus Douglass sicher. Für manche liege es lange zurück, dass sie einen Blick in die Bibel geworfen haben, möglicherweise sei der Text fremd geblieben. Deshalb gibt Klaus Douglass Tipps, um die vielschichtigen Geschichten neu zu entdecken.

EKHNDr. Klaus DouglassDr. Klaus Douglass im Gespräch mit Redakteur Sebastian Jakobi

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland ist hervorragend. Und doch lassen Umfragen darauf schließen, dass viele Bürgerinnen und Bürger nicht ganz glücklich sind. Etwas scheint zu fehlen. Was macht das Leben wirklich reich? Um der Antwort näher zu kommen, macht Pfarrer Dr. Klaus Douglass einen erstaunlichen Vorschlag: „Schlagen Sie mal wieder die Bibel auf!“ Denn in den jahrtausendealten Geschichten stehe vieles, das uns auch heute weiterhelfen könne. Doch die weit über tausend Seiten können Respekt einflößend wirken. Deshalb gibt Pfarrer Douglass im Interview Tipps, wie sich ein unkomplizierter Zugang zur Bibel finden lässt. Dr. Klaus Douglass ist Referent für missionarisches Handeln und geistliche Gemeindeentwicklung im Zentrum Verkündigung der EKHN.

Warum ist es eine gute Idee, mit dem Bibellesen anzufangen?

Klaus Douglass: Platt gesagt: Weil Sie in diesem Buch Gott kennen lernen. Andernfalls müssen Sie sich Ihre Vorstellungen über Gott aus dem hohlen Bauch ziehen oder aus irgendwelchen Gehirnwindungen, die nicht einmal in der Lage sind, auch nur einfache zwischenmenschliche Zusammenhänge zu begreifen. Und ausgerechnet auf dieser Basis wollen wir irgendwelche Aussagen über Gott machen? Wenn wir irgendetwas Gültiges über Gott aussagen wollen, sind wir auf Quellen angewiesen, die größer sind als wir. Klassischer Weise nennt man so etwas „Offenbarung“. Die Bibel erhebt den Anspruch, eine solche Offenbarung zu sein. Ob sie das tatsächlich ist, ist damit natürlich noch nicht gesagt. Aber dieser bloße Anspruch – zusammen mit der Tatsache, dass sich Menschen seit über 2000 Jahren auf dieses Buch beziehen – macht die Bibel auf jeden Fall schon mal interessant.  

Wobei könnte uns die Bibel weiterhelfen?

Klaus Douglass: Vor allem natürlich in den entscheidenden Lebensfragen: Wo kommen wir her? Wozu leben wir? Und: Wo gehen wir hin? Außerdem finden wir in der Bibel jede Menge Orientierung für unseren Alltag. Etwa die drei zentralen Sätze aus der Impulspost der EKHN `Die Bibel auf einem Bierdeckel´: `Liebe Gott. Liebe Dich selbst. Liebe die Anderen.´ Dass in der Bibel steht, dass wir die anderen lieben sollen, wissen die meisten. Dass wir darüber hinaus auch noch aufgefordert werden, uns selbst zu lieben, ist für manche sicherlich verwunderlich. Besonders spannend aber ist der Aspekt: `Liebe Gott.´ Hier fragen sich viele: Wie soll man ein Wesen lieben, dass man nicht sehen, ertasten und riechen kann? 

Sagen Sie es: Was hat es mit der Gottesliebe auf sich?

Klaus Douglass: Ich glaube, dass die Liebe zu Gott die Erfüllung des Lebens überhaupt ist. Heute gilt es mehr denn je, diesen Aspekt wieder zu entdecken, weil das eine spirituelle Grundhaltung im Leben ist, die alles verändert. Diese Grundhaltung verändert auch die Nächstenliebe, denn ohne Gottesliebe ist Nächstenliebe einfach nur sture Moral. Man kann sich mit Nächstenliebe außerdem derart verausgaben, dass man darüber sich selbst verliert. Das ist nicht im Sinne Gottes. Und die Selbstliebe ist ohne Gottesliebe oft einfach nur Narzissmus. Es ist eine ganzheitliche Liebe, von der in der Bibel die Rede ist. Die Balance von Selbst- und Nächstenliebe ist der Königsweg, den man erst einmal finden muss. Deshalb müssen wir die Gottesliebe wieder entdecken. Sie ist es, die beides in einem guten Miteinander allererst möglich macht. 

Was kann ich konkret tun, um Gott zu lieben?

Klaus Douglass: Fragen Sie sich:  Wie ist es, wenn Sie einen Menschen lieben? Wir verbringen viel Zeit mit diesem Menschen, wir reden miteinander, sagen uns Gutes – Worte der Anerkennung, hören aufeinander, wir gehen miteinander ein Stück des Weges, wir übernehmen gemeinsame Aufgaben etc. Das können sie im Grunde alles 1:1 auf Gott übertragen. Zeit mit Gott zu verbringen, ist dabei ein ganz wesentlicher Faktor. 

Aber wie machen Sie das? Sitzen Sie einfach da und stellen ihn sich vor? Meditieren Sie? 

Klaus Douglass: Ja, auch. Aber ohne Bibel geht es nicht. Ohne das Reden Gottes durch die Bibel verkommt das eigene Gebet sehr schnell zum bloßen Monolog und wird früher oder später verebben – oder zu einem leeren Geplapper.

Wie haben Sie selbst Zugang zur Bibel gefunden? 

Klaus Douglass: Ich habe die Bibel zum ersten Mal mit acht Jahren durchgelesen. Ich war nicht getauft und nicht christlich erzogen worden. Aber ich hatte eine Religionslehrerin, die uns diese Stories aus der Bibel vorgelesen hat. Das hat mich so fasziniert, dass ich diese Geschichten wieder entdecken wollte. Als wir dann für ein Jahr in die USA gezogen sind, hat mich meine Mutter gefragt, ob ich etwas für den langen Flug zu lesen mitnehmen wolle. Ich wollte eine  Bibel! Aber wir hatten keine. Deshalb fragte meine Mutter in einer Buchhandlung danach und erhielt eine in Frakturschrift gedruckte Übersetzung von 1956. Und die gab sie mir. Tatsächlich habe ich als achtjähriger Bengel das Teil mit seinen alten, deutschen Buchstaben nach und nach durchgelesen. Und wieder war ich fasziniert. Das war der Beginn einer langen Liebe. Bis heute lese ich jeden Tag in der Bibel. Das ist ein total cooles Buch und man hat es nie wirklich ausgelesen. Ich bin froh, dass es heute zeitgemäßere Übersetzungen gibt. Dadurch sind wir heute auch für Anfängerinnen und Anfänger richtig gut aufgestellt. 

Was würden Sie heuten anderen empfehlen, die nach einem Zugang zur Bibel suchen?

Klaus Douglass: Ich würde niemandem empfehlen, die Bibel von vorne bis hinten durchzulesen, sondern würde einzelne Geschichten oder Bücher auswählen. Am besten Sie fangen mit einem Evangelium an. Wer nicht allzu viel lesen möchte, kann sich für das kürzeste und älteste Evangelium entscheiden, das Markus-Evangelium. Mein Lieblings-Evangelium ist allerdings das Johannes-Evangelium. Die ersten Verse sind zwar kniffelig, aber dann lernen Sie die Zentralfigur des Neuen Testaments, Jesus, kennen. 

Warum gibt es vier verschiedene Bücher über Jesus in der Bibel, die aber alle von den gleichen Ereignissen erzählen und sich doch unterscheiden? Das ist doch irritierend! 

Klaus Douglass: Die Geschichten über Jesus in den vier verschiedenen Evangelien unterscheiden sich, weil sie von verschiedenen Verfassern aufgeschrieben wurden. Menschen nehmen ein und dasselbe Ereignisse unterschiedlich wahr, es löst unterschiedliche Gefühle aus, deshalb gibt es unterschiedliche Perspektiven. Entsprechend unterschiedlich haben die Menschen Jesus damals erlebt und verstanden. Es ist gut, dass wir nicht nur eine Quelle haben. Wir haben das Privileg, dass wir vier Evangelien lesen können. Dadurch bekommen wir ein ziemlich gutes Bild, was damals geschehen ist. Wer intensiver einsteigen will, kann sich eine Einführung bzw. einen Kommentar dazulegen. Zudem ist es ideal, wenn man eine Gruppe hat, mit der man zusammen in der Bibel liest, in der man sich gegenseitig hilft, die Bibel zu lesen, sie auf das eigene Leben zu beziehen und die Erkenntnisse umzusetzen.

Welche Jesus-Geschichten eignen sich besonders für den Anfang? 

Klaus Douglass: Prinzipiell alle. Für Menschen, die einsteigen, sind die Gleichnisse Jesu vielleicht ganz besonders geeignet. Zu ihnen finden Leserinnen und Leser relativ schnell Zugang, das habe ich selbst als Pfarrer erlebt. Ich habe jedes Jahr einen Glaubenskurs für Menschen angeboten, die bis dahin wenig Kontakt mit dem christlichen Glauben hatten. Wir haben immer mit Gleichnissen angefangen, damit konnte jede und jeder etwas verbinden. Selbst wenn Hirte und Schaf nicht mehr zu unserer Alltagswelt gehören, berühren uns diese Geschichten. Diese Fremdheit hat auch etwas Faszinierendes, es sind sehr elementare Bilder. Jesus redet von Gott in weltlichen Bildern. Das ist das Geheimnis der Gleichnisse. 

Welche Geschichten aus dem Alten Testament empfehlen Sie außerdem für den Anfang?

Klaus Douglass: Ich liebe im Alten Testament vor allem die Geschichten und die Psalmen. Die Psalmen sind das Gebetsbuch Israels: Gebete sozusagen für alle Lebenslagen. Und dann gibt es diese wundervollen Geschichten: etwa von Abraham, Josef und Mose oder David. Diese Erzählungen habe ich schon als Kind geliebt. Diese Geschichten transportieren und vermitteln Wahrheit und Gotteserfahrung. 

Es gibt ja auch Menschen, die Gott in der Natur entdecken. Was denken Sie dazu?

Klaus Douglass: Nietzsche hat dazu etwas gesagt: `In der Natur fühlen wir uns so wohl, weil sie kein Urteil über uns hat.´ Ich selbst liebe die Natur, ich jogge regelmäßig durch die Weinberge und ich liebe es, am Rhein zu sein, wo ich wohne. Dort spüre ich auch eine Nähe zu Gott, die ich in der Stadt zwischen Asphalt und Häusern nicht so schnell finde. Aber die Natur sagt mir niemals: Da hast du etwas falsch gemacht Klaus, kehr um, tu Buße, hier solltest du etwas ändern. Sie sagt nicht: Liebe deinen Nächsten, oder: Achte mehr auf dich selbst. Wenn ich meinen Glauben nur mit der Natur ausmache, gibt es kein kritisches Element. Außerdem ist Natur höchst ambivalent. Zur Natur gehören nicht nur wunderbare Sonnenuntergänge, sondern auch fressen und gefressen werden oder dass ein Reh im Winter erfriert. Man muss schon sehr einäugig gucken, um Gott in der Natur zu finden. 

Zurück zur Bibel: Vieles, was in der Bibel steht, kommt einem ziemlich altertümlich vor.

Klaus Douglass: Stimmt. Die Bibel redet von zentralen Themen, die für uns Menschen Zeiten übergreifend wichtig sind. Sie drückt dieses Beständige allerdings mit Bildern aus alten Zeiten aus, die nicht mehr unsere sind. Das kann auf den ersten Blick irritierend wirken, daran müssen wir uns erst gewöhnen. Zum Beispiel: Wer von uns hat schon einmal einen waschechten Hirten gesehen? Oder einen König? Aber in diesen alten, zeitbedingten Bildern redet die Bibel von Dingen, die bis heute Gültigkeit haben und die bis heute unser Leben erfüllen können.

Wie halten Sie es mit sperrigen und widersprüchlichen Stellen in der Bibel?

Klaus Douglass: Ich halte es für eine Tugend, dass sich die Bibel in vielen Dingen scheinbar widerspricht. Allerdings würde ich es eher Vielfältigkeit nennen. Auch das Leben ist vielfältig. Es gibt Phasen, da ist mehr Ruhe wichtig, es gibt Phasen, da ist Engagement wichtig. Manchmal tut man mehr für seinen Körper, manchmal mehr für seine Seele. Entsprechend muss man auch bei Bibelstellen fragen: Wem ist es gesagt, in welche Situation hinein, was soll das Wort jeweils bewirken? Die Bibel ist in einem Zeitraum von fast tausend Jahren entstanden, es sind 66 Bücher in einer Vielfalt von Sprachen, Kulturen und Zeiträumen. Ich erlebe es als echten Reichtum, dass darin unterschiedliche Aussagen zu ähnlichen Themen gemacht werden. Die unterschiedlichen Perspektiven empfinde ich als hilfreich. Denn wenn mir einer sagt, dass es nur eine Antwort gibt, die für alle Menschen in allen Lebenssituationen und zu allen Zeiten gilt, dann würde ich skeptisch werden. In dem Moment, in dem ich denke, dass die Bibel ein von Gott diktiertes Buch ist, der darin sagt, was ich zu tun und zu lassen habe, bekomme ich ein Problem, z.B. mit  den Rachepsalmen oder der Verfluchung des Feigenbaumes. Aber Gott hat die Bibel nicht an eine Art menschliches Sprachrohr diktiert. Sondern ich gehe davon aus, dass die Menschen, die die Bibel geschrieben haben, etwas mit Gott erlebt haben. Sie hatten eine persönliche Wahrnehmung. Der gilt es nachzuspüren. Das funktioniert nicht wie beim Rezeptbuch, sondern eher wie bei einer Meditationsanleitung. Ich ermutige, die verbindliche Vielfalt in der Bibel zu entdecken, bei der wir uns nicht nur mit einer Antwort zufrieden geben müssen. Und: In den entscheidenden Dingen verbindet eine Einheit die unterschiedlichsten Texte und Geschichten.    

Was ist das Verbindende?

Klaus Douglass: Liebe Gott. Liebe dich selbst. Liebe die Anderen. Eben die Sätze, die auf dem Bierdeckel stehen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellten Sebastian Jakobi und Rita Deschner

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Bild: Mit freundlicher Genehmigung von gettyimages_saemilee

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