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Sprache

Muttersprache in Vaterstadt

Esther Stosch21. Februar ist weltweiter Tag der Muttersprache

Mehrsprachig aufwachsen – was für heutige Eltern Wunschdenken für ihre Kinder ist, kennt der 64-jährige Pfarrer Horst Pohl von Kindesbeinen an. Er spricht drei Sprachen und alle kommen aus Hessen.

Esther StoschPfarrer Horst Pohl in der Multimediaredaktion

Fast die Hälfte der rund 6.000 existierenden Sprachen ist vom Aussterben bedroht. Daher hat die Unesco im Jahr 2000 den Tag der Muttersprache ins Leben gerufen. Ziel ist unter anderem, die Sprachenvielfalt als Merkmal kultureller Pluralität zu erhalten. Für Social-Media-Pfarrer Horst Pohl ist seine Muttersprache eine Vatersprache. „Meine Mutter kam aus einem Dorf, gute 100 Kilometer von meiner Heimatstadt entfernt und da wurde eine ganz andere Sprache gesprochen als in Darmstadt, meiner Vaterstadt“, schreibt Pohl zum Tag der Muttersprache am 22. Februar in seinem Blog.

Es gibt kein einheitliches Hessisch in Hessen

Beide Orte liegen zwar in Hessen, aber die 100 Kilometer zwischen Darmstadt in Südhessen und dem Dorf an der Lahn führen über eine Sprachgrenze. An der Lahn wird ein Platt gesprochen, das „Mittelhessisch“, welches mit dem in Südhessen gesprochenen „Rheinfränkischen“ nur wenig gemein hat. Pohl sagt mit einem Lächeln er sei dreisprachig aufgewachsen: mittelhessisch, rheinfränkisch und hochdeutsch. Hochdeutsch kannte er als Junge jedoch nur „aus Büchern“.

Der Pfarrer erklärt: „Darmstädter Heiner“, so werden gebürtige Darmstädter genannt, „reden nicht, sie ‚hoinern‘ unn schwäzze von Geburd aa drei Sprache: dumm, schlääschd unn gebroche Deitsch.“ Mit diesen „Vatersprachen“ ist der Pfarrer aufgewachsen und beherrscht sie bis heute. Das zeigt er regelmäßig in Predigten in Mundart, zum Beispiel hieß es am Fastnachtssonntag „Mit Engelzunge schwätze, awwer die Liebe net vergesse“.

Muttersprache verstehen, aber nicht sprechen

„Die Sprache meiner Mutter, die sie allerdings bei uns zu Hause nie sprach, konnte ich zwar gut verstehen, aber nie sprechen“, erinnert sich Pohl. Er beschreibt die verschiedenen Dialekte so: „Wo es in Darmstadt hieß ‚Isch hobb mer zwaa Ebbel genumme‘, hieß es dort ‚Aich hunn mir zwie Äppel genemmt‘. Mädchen waren Madschers, immer mit ‚’s‘ apostrophiert, Jungen trugen keine Hosen, sondern Buxe und darunter Innerbuxe, die Tante war die Goth und der Onkel der Petter. Also eine fremde Welt.“

Obwohl Pohls Vater auch „Darmschdädderisch babbelte“, korrigierte er seinen Sohn regelmäßig mit den hochdeutschen Vokabeln. Pohls Tochter „kann es nicht leiden, wenn ich Mundart rede. ‚Das klingt so ordinär bei dir‘, meint sie.“ Aber er liebt es trotzdem, mit Freunden zu „heinern“ und fände es einen kulturellen Verlust, wenn der Dialekt verloren ginge.

Ich merke, der weite Raum
entsteht nicht in mir und durch mich.
Er entsteht, weil andere da sind,
die mir Räume eröffnen,
gnädig umgehen mit meinen Schwächen,
sich einsetzen für einen menschenwürdigen Umgang
mit allen Menschen.

(Melanie Beiner zu Psalm 31,9)

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