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Ortsvorsteher in der Wetterau

NPD-Mann soll als Ortsvorsteher wieder abgewählt werden

Anton Chalakov/istockphotos.comDemo gegen rechtsDemo gegen rechts (Archivbild)

Die Wahl eines NPD-Politikers zum Ortsvorsteher in Altenstadt-Waldsiedlung mit Stimmen von CDU, SPD und FDP hat bundesweit für Empörung gesorgt. Politik und evangelische Kirche äußerten „Entsetzen“ über den Vorgang in der Wetterau. Nun stellten sieben von neun Ortsbeiräten einen Antrag auf Abwahl des NPD-Mannes.

Der zum Ortsvorsteher von Altenstadt-Waldsiedlung in der Wetterau bestimmte NPD-Mann Stefan Jagsch soll wieder abgewählt werden. Einen entsprechenden Antrag hätten sieben von neun Ortsbeiratsmitgliedern unterschrieben, sagte die hessische Europaministerin Lucia Puttrich (CDU) am Montag in Wiesbaden. Die Politikerin, die auch CDU-Kreisvorsitzende in der Wetterau ist, nannte die einstimmig erfolgte Wahl des Rechtsextremisten am vergangenen Donnerstag „inakzeptabel“. Umso mehr sei sie erfreut über die schnelle Reaktion vor Ort mit dem Abwahlantrag.

Sieben von neun haben für Abwahl unterschrieben

Auf Initiative der beiden Ortsbeiratsmitglieder von SPD und CDU, die bei der letzten Sitzung des Ortsbeirates Altenstadt-Waldsiedlung am Donnerstag entschuldigt abwesend waren, haben sieben Ortsbeiratsmitglieder von SPD, CDU und FDP einen Antrag auf Abwahl des Ortsvorstehers Stefan Jagsch, einem NPD-Funktionär, formuliert und unterschrieben. Ein weiteres Ortsbeiratsmitglied hat signalisiert, noch unterschreiben zu wollen. Sie fordern mit gesondertem Antrag zur Einberufung einer Ortsbeiratssitzung innerhalb der Ladungsfrist auf.

Wann genau die Abwahl erfolgen soll, konnte Puttrich noch nicht sagen. Dabei müsse alles rechtssicher zugehen und geklärt werden, ob Fristen zu wahren sind. Dass die Abwahl nach der Hessischen Gemeindeordnung zulässig sei, hätten Juristen aber bereits geprüft. Dafür sei eine Zwei-Drittel-Mehrheit erforderlich, die sich schon abzeichne. Jagsch, der auch stellvertretender Landesvorsitzender der NPD in Hessen ist, hatte bereits angekündigt, rechtlich gegen eine mögliche Abwahl vorzugehen.

Noch kein neuer Ortsvorsteher in Sicht

„Der Fehler wird korrigiert“, betonte Puttrich und kritisierte, dass sich alle Parteien in dem Ortsbeirat mit der einstimmigen Wahl „allzu sorglos“ in diese Situation begeben hätten. Mit den an Jagschs Wahl beteiligten CDU-Vertretern sei die Partei in intensiven Gesprächen. Ob Konsequenzen notwendig seien, werde sich noch herausstellen.

Wer anstelle Jagschs nun das Amt des Ortsvorstehers übernehmen soll, darüber liefen ebenfalls Gespräche. Puttrich dementierte, dass eine angeblich an dieser Position interessierte CDU-Ortsbeirätin bei der Wahl des NPD-Funktionärs unentschuldigt gefehlt habe. Sie sei entschuldigt gewesen, und es habe auch keine andere Kandidaten für das Amt des Ortsvorstehers als Jagsch gegeben. Das entschuldige aber nicht das Votum für den Rechtsextremisten.

SPD, CDU und Kirchenvertreter sind „erschrocken“ oder entsetzt

Nach dem Bekanntwerden des Falls hatten unter anderen die Parteichefin und der Generalsekretär der CDU, Annegret Kramp-Karrenbauer und Paul Ziemiak, sowie der SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil ihr „Entsetzen“ über den Vorgang in der Wetterau geäußert und gefordert, die Wahl Jagschs rückgängig zu machen. Auch viele Landes- und Kreispolitiker hieben in die gleiche Kerbe.

Der hessische Landesvorsitzende der Grünen, Philip Krämer, nannte die Wahl einen „demokratieschädlichen Vorgang“. Der Name des NPD-Mannes sei regelmäßig in Berichten des Hessischen Landesamtes für Verfassungsschutz aufgetaucht. „Schon ein Blick auf das Facebook-Profil des Mannes hätte genügt, um herauszufinden, dass er ein völkischer und ausländerfeindlicher Rechtsextremist ist, dem es um die Abschaffung der bürgerlichen Demokratie geht. Nur weil der Mann sich nach außen freundlich gibt, ändert das nichts an seiner Gesinnung“, sagte Krämer.

Die Wahl von Jagsch zum Ortsvorsteher sorgte auch in der evangelischen Kirche für Entsetzen. Sie sei „erschrocken“ über den Vorgang, sagte die Dekanin des Evangelischen Dekanats Büdinger Land, Sabine Bertram-Schäfer, dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Nidda. Auch der zuständige Pfarrer Helmut Korth habe im Gottesdienst am Sonntag deutliche Worte gefunden.

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Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi.

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