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Rückblick Reformationsjubiläum

Resumee: Luther in Worms war trotz Corona toll

EKHN/Rudolf UhrigMultimedia-Inszenierung zu 500 Jahren Wormser Reichstag: Der "Luther-Moment".Multimedia-Inszenierung zu 500 Jahren Wormser Reichstag: Der "Luther-Moment".

Für viele wird das Jahr 2021 als Pandemiejahr in Erinnerung bleiben. Doch es gab auch anderes: 2021 jährte sich zum 500. Mal die Widerrufsverweigerung Martin Luthers vor dem Wormser Reichstag. Die evangelische Kirche und die Stadt Worms begingen das Jubiläum gemeinsam mit vielen Akteuren und einem umfangreichen Jahresprogramm. Dabei profitierte nicht nur der Tourismus.

Stadt Worms / BertramDie Partner der Landesausstellung "Hier stehe ich." bei der Eröffnung am 2. Juli 2021 im Museum der Stadt Worms im Andreasstift (von links nach rechts): Frank Belzer (Vorstand Stiftung „Gut für die Region“ der Sparkasse Worms-Alzey-Ried), Präses Dr. Oelschläger für die EKHN, die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer, Staatssekretär Jürgen Hardeck, Katharina Binz (Ministerin für Familie, Frauen, Kultur und Integration des Landes Rheinland-Pfalz und Oberbürgermeister der Stadt Worms Adolf Kessel.Die Partner der Landesausstellung "Hier stehe ich." bei der Eröffnung im Museum der Stadt Worms im Andreasstift (von links nach rechts): Frank Belzer (Vorstand Stiftung „Gut für die Region“ der Sparkasse Worms-Alzey-Ried), Präses Dr. Oelschläger für die EKHN, die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer, Staatssekretär Jürgen Hardeck, Katharina Binz (Ministerin für Familie, Frauen, Kultur und Integration des Landes Rheinland-Pfalz und Oberbürgermeister der Stadt Worms Adolf Kessel.

2021 jährte sich die Widerrufsverweigerung Martin Luthers vor dem Wormser Reichstag zum 500. Mal. Das Ereignis gilt als Meilenstein der Reformations- und Weltgeschichte. Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) und die Stadt Worms begingen gemeinsam mit einer großen Anzahl an haupt- und ehrenamtlichen Akteuren dieses Jubiläum mit einem umfangreichen Jahresprogramm. Zu den Highlights im Jubiläumsjahr gehörten neben der großen Multimedia-Show „Der Luther-Moment“ die Landesausstellung im Museum der Stadt Worms im Andreasstift, die Nibelungen-Festspiele mit dem Stück „Luther“ sowie die Verleihung des Luther-Preises „Das unerschrockene Wort“. Und obwohl die Corona-Pandemie die Planungen mehr als einmal kräftig durcheinander würfelte, ziehen die Akteure zum Abschluss ein positives Fazit.

Oelschläger: Das Ereignis des Jahres 2021 

Ulrich Oelschläger, Präses der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) und „Luther“-Beauftragter der Stadt Worms: „Für die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau war das Luther-Jubiläum in Worms neben dem Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt das Ereignis des Jahres. Ich bin noch immer überwältigt von dem Engagement so vieler in der Stadt, dem Dekanat und der Gesamtkirche. Trotz Pandemie und Kontakteinschränkungen ist es uns gelungen, viele Menschen mit den Ideen der Reformation in Kontakt zu bringen. Mehr als eine halbe Million Menschen haben den ZDF-Fernsehgottesdienst aus Worms am Jubiläumswochenende verfolgt. Etwa 100.000 Menschen haben unsere spektakuläre Licht-Inszenierung „Der Luther-Moment“ live im SWR gesehen. Die Landesausstellung, die Vorstellungen der Nibelungen-Festspiele und die Veranstaltungen unseres Wormser evangelischen Dekanats zum Thema Luther waren kulturelle Höhepunkte. Sie haben weit über die Region hinausgestrahlt. Wir haben nachgezählt: Insgesamt sind zu dem Luther-Jubiläum 2021 nicht weniger als 1.500 Berichte in Zeitungen und im Internet erschienen – von der „Welt“ über die „Süddeutsche“ bis zum „Focus“. Rechnet man die Reichweiten der einzelnen Verlage und Medienkonzerne zusammen, hätten theoretisch fast fünf Milliarden Menschen – und das ist kein Druckfehler – die Gelegenheit gehabt, etwas von unserem Jubiläum zu erfahren. Das ist gewaltig. Das zeigt mir auch die bleibende Erfahrung jener Ereignisse von 1521 auf. Luthers Berufung auf sein Gewissen und auf die Vernunft, verbunden mit Mut, Courage und vor allem Gottvertrauen, bleibt für mich ein Meilenstein der europäischen Geistesgeschichte. Uns ist es trotz aller Herausforderungen durch die Corona-Krise damit gelungen, 500 Jahre nach Luthers epochalem Auftritt in Worms Impulse für die Gegenwart und die Zukunft zu setzen.“

Kessel: Außergewöhnliches Engagment im Pandemiejahr 

Oberbürgermeister Adolf Kessel: „Alle Beteiligten haben lange und intensiv dafür gearbeitet, das Jubiläumsjahr für Besucher der Stadt sowie die Wormser Bürger attraktiv zu gestalten. Haupt- und ehrenamtliche Akteure dürfen stolz auf das Geleistete sein, gerade und ganz besonders aufgrund der erschwerten Rahmenbedingungen. Natürlich hätten wir uns gewünscht, dass jedes einzelne der sorgfältig geplanten Highlights weitaus mehr Besucher in die Stadt zieht, als es durch die Entwicklung der Pandemie möglich war. Dass trotz aller Einschränkungen trotzdem so viel umgesetzt und von den Besuchern nicht nur digital, sondern auch live vor Ort verfolgt werden konnte, ist der engen Zusammenarbeit aller zu verdanken und der kontinuierlichen Prüfung, was unter welchen Bedingungen für welche Anzahl Menschen zulässig ist. Zahlreiche Städte haben sehr viel abgesagt; wir haben unsere Highlights durch umfangreiche, kontinuierlich angepasste Hygiene- sowie hybride und digitale Alternativkonzepte umsetzen können. Für dieses außergewöhnliche Engagement danke ich allen Beteiligten von ganzem Herzen. Wir konnten so dieses besondere Jubiläum mit Menschen in ganz Deutschland feiern. Die Berichterstattung darüber in Deutschland und dem angrenzen Ausland hat uns ergänzend geholfen, das touristische Luther-Profil der Stadt nachhaltig zu schärfen.“

Nibelungen Festspiele mit Luther 

Ein zentraler Höhepunkt im Wormser Luther-Jubiläumsjahr waren die Nibelungen-Festspiele, die sich ausnahmsweise dem großen Reformator widmeten: Mit einer hervorragenden künstlerischen wie auch organisatorischen Bilanz wurde vom 16. bis 31. Juli 2021 das Stück „Luther“ von Autor Lukas Bärfuss unter der Regie von Ildikó Gáspár aufgeführt. Die kurzfristig vor der Premiere mögliche Aufstockung der Gästeanzahl von 500 auf 700 pro Abend wurde konzentriert umgesetzt und vom Publikum erfreut aufgenommen. An 16 Abenden besuchten insgesamt über 10.500 Besucher die Aufführung vor der Nordseite des Wormser Kaiserdoms. Das wortgewaltige und von Ildikó Gáspár poetisch mit Gesang und Tanz umgesetzte Stück war erstmals international besetzt. Zum hochkarätigen Ensemble zählten Sunnyi Melles, Jürgen Tarrach, Barbara Colceriu und viele mehr. Auch unter den strengen Corona-Auflagen führten Intendant Nico Hofmann, der Geschäftsführer Sascha Kaiser, der Künstlerische Leiter Thomas Laue sowie die Künstlerische und Technische Betriebsdirektorin Petra Simon die Nibelungen-Festspiele zu einem großen Erfolg. Dafür sprechen die positiven Pressestimmen und Reaktionen der Gäste sowie die beinahe ausverkauften Vorstellungen.

Landesausstellung „Hier stehe ich..."  

Die Landesausstellung „Hier stehe ich. Gewissen und Protest – 1521 bis 2021“ im Museum der Stadt Worms im Andreasstift sahen vom 3. Juli bis 30. Dezember 2021 insgesamt 15.614 Besucher. Diese zeigten sich begeistert von der vielschichtigen Ausstellung mit sechzehn Themeninseln. Über 320 Gruppen wurden durch die Ausstellung geführt. „Wir sind sehr froh, dass das ungewöhnliche Konzept gegriffen hat. Dank toller Leihgeber aus dem In- und Ausland und der Gestaltung durch neo.studio Berlin konnten wir einen Beitrag zum Reformationsjubiläum leisten, der sich nochmal gegenüber all den bisherigen Ansätzen in der Lutherdekade abhob und den Faden der Gewissensfreiheit und des Protests bis in die Gegenwart sponn. Das kam sowohl bei Besuchern als auch in Fachkreisen sehr gut an“, resümiert Kurator Olaf Mückain, Wissenschaftlicher Leiter des Museums. Im Mittelpunkt der Landesausstellung standen zunächst der Auftritt Martin Luthers in Worms und dessen Bedeutung sowie der Mythos, der zeitnah mit dem historischen Ereignis entstand und bis heute eine ungeheure Dynamik entwickelt. In einem zweiten Teil fokussierte die Schau dann das Thema „Gewissensfreiheit und Protest“ selbst, und zwar sowohl mit als auch ohne Bezug zu Luthers Wirken in historischen Kontexten der letzten 500 Jahre.

Luther-Preis „Das unerschrockene Wort“ 

Die Kulturkoordination der Stadt Worms lud das Jahr über zu weiteren spannenden Veranstaltungen ein. Dazu gehörten unter anderem Konzerte und Vorträge, die ganz im Zeichen des großen Reformators standen. Besonders erwähnenswert ist der mit 10.000 Euro dotierte Luther-Preis „Das unerschrockene Wort“ 2021, der an die drei belarussischen Bürgerrechtlerinnen Weronika Zepkalo, Swetlana Tichanowskaja und Maria Kolesnikowa vergeben wurde. Anlässlich des Reichstagsjubiläums fand die Preisverleihung in der Wormser Dreifaltigkeitskirche statt, in Anwesenheit der stellvertretenden rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Anne Spiegel und dem ehemaligen Bundestagspräsidenten Prof. Dr. Norbert Lammert.  Die drei Frauen aus Belarus stehen stellvertretend für tausende von friedlich demonstrierenden Menschen, die derzeit für politische Veränderungen in Weißrussland kämpfen. Sie stehen für eine friedliche Revolution, für Neuwahlen und für eine demokratische Zukunft ihres Landes. Mit dem Preis „Das unerschrockene Wort“ honoriert der Bund der 16 Lutherstädte in Deutschland alle zwei Jahre die Entschlossenheit, das mutige Auftreten und den friedlichen Widerstand gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung.

Tourismus in Worms profitierte  

Auch der Tourismus profitierte vom Luther-Jubiläum: das ganze Jahr über nutzten Gäste und Einheimische die Outdoor-Angebote in der Innenstadt wie den Bildungs- und Erlebnisparcours und den Lutherrundgang. Gut nachgefragt waren Aktivitäten wie Wandern auf dem rheinhessischen Teil des Lutherwegs 1521, der in drei gemütlichen Tagesetappen von Oppenheim bis zur Wormser Magnuskirche führt. Zahlreiche Themenführungen vermittelten den Besuchern anschaulich, wie sich Luthers Aufenthalt in Worms zutrug. Familien und Kleingruppen entdeckten Luther interaktiv und individuell mit der Tour-App „Luther in Worms“, die in Form einer Graphic Novel den Aufenthalt Luthers im April 1521 mit augmented reality („erweiterte Realität“) Elementen in historischen Szenen umsetzt. Äußerst positiv entwickelte sich die Marketing-Kampagne zum Wormser Lutherjahr, deren on- und offline Maßnahmen einen Teil der Kommunikationsstrategie der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH sowie der Rheinhessen Touristik als ganzjähriges Schaufensterthema darstellten.

Jeder Mensch braucht einen Hoffnungsschrank,
in dem wir die Erfahrungen
von Befreiung sammeln.

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