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Stern fürs neue Jahr

Was bringt uns heute die Geschichte von den Weisen aus dem Morgenland?

Liliboas/istockphoto.comDrei Weise folgen einem Stern

Horoskope haben im Januar Hochkonjunktur. Auch im Kirchenjahr gibt es Zeit für Sternendeuter am 6. Januar. Die Weisen aus dem Morgenland folgen einem Stern und gehen erst einmal in die Irre. Doch am Ende finden sie mehr, als sie erwartet haben.

Von Martin Vorländer (Evangelische Sonntags-Zeitung)

Die Tradition hat aus ihnen drei Könige gemacht. Die Bibel verrät nicht, wie viele sie waren. Der Evangelist Matthäus nennt sie „Magier“, Weise aus dem Morgenland. Menschen, die die Geheimnisse des Universums erforschen und die Konstellation der Sterne deuten. Jeder Mensch hat seinen Stern, so eine Vorstellung damals. Wenn man geboren wird, erscheint er am Himmel. Er erlischt, wenn dieser Menschen stirbt. Was hat es zu bedeuten, wenn ein Stern auftaucht so hell, wie die Sterndeuter ihn noch nie gesehen haben? Was für ein Mensch ist da geboren? Dieser Stern bewegte die Weisen. 

Die Erzählung von den Weisen aus dem Morgenland in Matthäus 2, 1-12 klingt wie eine Legende. Ein Stern, der wandert und den Weg zeigt. Ein böser König und ein kleines Kind. Weise, denen Gott im Traum erscheint. Historisch lässt sich nicht beweisen, ob es damals bei Jesu Geburt so gewesen ist. Eine Theorie sagt, dass es um das Jahr 7 vor Christus tatsächlich eine besondere Sternenkonstellation gab. Jupiter, der Königsstern, und Saturn, der Stern des Sabbats, der auf das Volk Israel verweist, sollen sich in ihren Laufbahnen so überschnitten haben, dass sie von der Erde aus wie ein großer Stern aussahen. Ob das der Stern von Bethlehem gewesen ist? Wir wissen es nicht. 

Auch Weise aus dem Morgenland können irren

Darum geht es dem Evangelisten Matthäus auch nicht. Er schreibt kein historisches Geschichtsbuch. Er will von Jesus Christus erzählen und zeigen: In diesem Menschen Jesus ist Gott selbst erschienen. Jeder kann das von Anfang an sehen, wenn er Augen dafür hat. Es stand sogar in den Sternen, so dass sich Heiden aus großer Ferne bis nach Bethlehem aufgemacht haben, um den neu geborenen König zu sehen. 

Die Weisen aus dem Morgenland geraten erst einmal an den Falschen. Sie suchen den neugeborenen König in Jerusalem. Wo könnte ein neuer Herrscher zur Welt kommen? Erste Adresse: in der Hauptstadt. Von ihrer Suche hört König Herodes. Auch wenn man wie die Weisen einen Stern vor Augen hat, ist man vor Irrwegen nicht gefeit. Oft sucht man das Richtige am falschen Ort, steuert das vermeintlich Große an. Dabei findet sich Erfüllung ganz woanders, als man denkt. 

Auch die Falschen können richtigen Rat geben

Aber auch falsche Leute können einen richtigen Rat geben. Herodes ist ein doppelt falscher König. Nicht der, den die Weisen suchen. Zudem spielt er ein falsches Spiel. Er gibt ihnen den Hinweis auf Bethlehem und macht sie zu unfreiwilligen Informanten. Sie sollen ihm berichten, wo er den neugeborenen König finden kann. Sein Plan: das Kind ermorden, ehe es seinem Thron gefährlich wird. Die Bibel beschreibt die Wirklichkeit so grausam, wie sie sein kann. 

Herodes denkt. Doch Gott lenkt die Geschichte. Sobald die Magier Jerusalem verlassen haben, leuchtet der Stern wieder auf und geht ihnen voran nach Bethlehem. Sie finden keinen Palast und keinen Prinzen. Sie sehen ein Kind in einem Futtertrog. Die weit gereisten Anatolier (so heißt Morgenland auf Griechisch) könnten sich vom Himmel hoch genommen fühlen: Das soll der neu geborene König sein? So viel Aufwand im Universum für diese bescheidene Szene? 

Doch kein Gedanke davon bei den Weisen, vielmehr umwerfende Freude über das, was sie gefunden haben. Die finsteren Mächte auf ihrem Weg konnten ihnen nichts anhaben. Im Kind in der Krippe entdecken sie, wer wirklich mächtig ist: die Liebe Gottes, die allen Herodessen dieser Erde zum Trotz zur Welt gekommen ist. Sie fallen nieder und bringen dem Kind kostbare Geschenke: Gold, Weihrauch, Myrrhe. 

Drei Gaben aus unterschiedlicher Sicht

Der Kirchenvater Thomas von Aquin hat die Geschenke praktisch gefunden: Gold für die Armut der Eltern, Myrrhe für die Gesundheit des Kindes und Weihrauch, um den tierischen Gestank im Stall zu vertreiben. Martin Luther deutete die Gaben als Glaube, Hoffnung, Liebe. Bei diesen Dreien kommt es nicht darauf an, wie reich oder arm jemand ist. Die Gaben der Weisen symbolisieren, was der erwachsene Jesus lehren wird: Einen Menschen selbst unter den Hüllen von Staub und Erbärmlichkeit goldig zu finden, ihn oder sie als wahres Goldstück zu entdecken. 

Die Weisen kehren zurück ins Morgenland. Sie tauchen im Evangelium nicht mehr auf. Das hat Raum gelassen für Legenden. Aus den Magiern wurden Könige wegen ihrer teuren Geschenke. Aus der Zahl der Gaben hat man geschlossen, dass es drei Personen waren. Um sie entwickelte sich ein Kult. Im Jahr 1164 sollen ihre vermeintlichen Reliquien von Mailand nach Köln entführt worden sein. Seitdem spielen die drei Könige in Deutschland eine besondere Rolle. 

C – M – B. Eine Kurznachricht älter als jede SMS

Die Sternsinger sind rund um den 6. Januar unterwegs. C – M – B. Die drei Buchstaben werden mit Kreide auf Wohnungstüren und auf die Querbalken über Eingänge geschrieben. Dahinter könnten die Anfangsbuchstaben für die Namen der Weisen vermutet werden. Ab dem 6. Jahrhundert werden sie Caspar, Melchior und Balthasar genannt. Ursprünglich ist die Abkürzung jedoch ein lateinischer Segenswunsch: „Christus mansionem benedicat – Christus segne dieses Haus.“

Die Weisen wurden mit den Erdteilen Asien, Europa und Afrika in Verbindung gebracht. Die ganze damals bekannte Welt ist zur Krippe gekommen. Caspar, dessen Name Schatzmeister bedeutet, als ein Jüngling mit dunkler Hautfarbe. Melchior, der „König des Lichts“, ist nach einer Tradition ein Mann in der Mitte des Lebens. Balthasar bedeutet: Gott schütze den König. Er wird meist als Greis dargestellt. Drei Menschen verschiedener Herkunft, unterschiedlich alt, folgen gemeinsam Gottes Stern. Das machte sie zu Patronen der Reisenden und gab Gasthäusern wie „Dreikönig“ oder „Zum Stern“ ihren Namen. 

Das Evangelium von den Weisen aus dem Morgenland erzählt, welche Schatten auf der Welt liegen: die Brutalität eines Königs Herodes, die Armseligkeit einer Krippe. In dieses Dunkel hinein leuchtet Gottes Licht. Auch durch die schwärzeste Nacht leitet Gottes Stern. Die Weisen stehen für die Sehnsucht, irgendwann wie sie anzukommen bei dem Wunder, das Gott schenkt. 

So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge,
sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.

Epheser 2,19

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von gettyimages /nottomanv1

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