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Geschäftsführung in der Jugendwerkstatt wechselt

Wolfgang Balser geht in den Ruhestand

M. HartmannWolfgang Balser in der Jugendwerkstatt GießenWolfgang Balser in der Jugendwerkstatt Gießen

„Jeder Jugendliche soll die gleiche Chance für eine gute Ausbildung haben!“ So lautet das Credo von Wolfgang Balser. Seit vielen Jahren hat er unermüdlich die Geschäfte der kirchlichen Jugendwerkstatt Gießen geführt. Jetzt ist er in den Ruhestand gegangen.

Als Wolfgang Balser vor 14 Jahren in die Geschäftsführung einstieg, kannte er die Jugendwerkstatt in der Gießener Weststadt schon gut. Seit den Gründungstagen in den Achtziger Jahren arbeitete er im Trägerverein ehrenamtlich mit. Der gebürtige Albacher hatte selbst einen guten Start ins Berufsleben. Nach der Ausbildung zum Industriekaufmann bei Schunk studierte er Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in Gießen und Marburg. Geprägt von der Gewerkschaftsarbeit wollte er sich aber für sozial benachteiligte Jugendliche stark machen.

Schön früh unterstützte die EKHN die Jugendwerkstatt

Angesichts alarmierender Arbeitslosenzahlen begann Hessens Landesregierung Anfang der Achtziger Jahre außerbetriebliche Lehrplätze zu fördern. Auch engagierte Leute aus der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) unterstützten das mit Kirchensteuermitteln. Seit den frühen Achtzigern qualifiziert die Jugendwerkstatt Gießen Jugendliche ohne Schulabschluss.

Wolfgang Balser gab im Jahr 2002 seine sichere Anstellung beim damaligen Hessischen Landesinstitut für Pädagogik auf und stieß hauptamtlich zur Jugendwerkstatt. Aus der ursprünglichen Fahrradwerkstatt war eine große Förder- und Qualifizierungseinrichtung mit mehreren Standorten in und um Gießen geworden. Seit 2004 sind alle Werkstätten auf dem Gelände am Alten Krofdorfer Weg untergebracht.

Immer wieder neue sozialpädagogische Konzepte

Balser wollte mehr als die staatlichen und kirchlichen Mittel verwalten und deren ordnungsgemäße Verwendung garantieren. Immer wieder hat er seinen "Methodenkoffer geöffnet" und gemeinsam mit dem Job-Center, der Stadt oder dem Landkreis Gießen neue sozialpädagogische Konzepte entwickelt. Balser ist ein bescheidener Mann, aber man hört in den Nebensätzen, dass er sich über das freut, was er gemeinsam mit vielen anderen in der Jugendwerkstatt entwickelt hat.

"Jugendliche brauchen psychologische Betreuung"

Etwa das Projekt für Schulverweigerer. Seit 2013 läuft in Gießen das Modellprojekt "Jugend im Risiko". Initiiert hat es die Jugendwerkstatt gemeinsam mit Prof. Burkhard Brosig von der Familienpsychosomatik am Zentrum für Kinderheilkunde des Uniklinikums. „Wir haben beobachtet, dass pädagogische Angebote an Grenzen stießen, weil die jungen Leute psychologische Betreuung gebraucht haben“, so Balser. Jugendliche werden nicht nur fachlich angeleitet. An der Werkbank kommen sie auch mit Psychologen ins Gespräch und können psychologische Beratung nutzen. Viele müssen zunächst lernen, Ordnung und Struktur in ihren Tag zu bringen. "Welcher Betrieb nimmt denn Jugendliche, die bisher nicht gelernt haben, früh aufzustehen und pünktlich am Arbeitsplatz zu erscheinen", fragt Wolfgang Balser.

Sorgenvolle Zukunft der Jugendwerkstatt

„Wir sehen, dass wir mit unseren Konzepten und der Praxis etwas erreichen können.“ Balser weiß von vielen Menschen zu berichten, die nach ihrer Zeit in der Jugendwerkstatt eine reguläre Ausbildung oder eine feste Anstellung gefunden haben. Die Erfolge von Jugendlichen haben ihn motiviert, auch an den Tagen an denen er bis spät abends im Büro Förder- und Projektanträge ausgearbeitet oder sich in zähen Verhandlungen mit Entscheidern aus Politik, Verwaltung und Kirche auseinandergesetzt hat. Ihn besorgt, dass die derzeitige Arbeitsmarktpolitik der Bundesregierung zu einem drastischen Rückgang von Fördermaßnahmen wie denjenigen in der Jugendwerkstatt führt. Fördermittel werden gedrosselt. Schon in den vergangenen Jahren wäre die Arbeit der Jugendwerkstatt ohne beträchtliche Zuschüsse der Evangelischen Kirche undenkbar gewesen. 

Seit mehr als 30 Jahren trägt ein Verein die Jugendwerkstatt. Das wird jetzt anders. Balsers letzte große Aufgabe war es, den Trägerverein Jugendwerkstatt in eine GmbH zu überführen. Für die ehrenamtlich tätigen Vorstandsmitglieder stellten in den zurückliegenden Jahren Entscheidungen über Investitionen, den Einsatz von Fördergeldern oder über die Schicksale des Personals eine hohe persönliche Verantwortung dar. Balser selbst war formal immer nur geschäftsführender Vereinsvorstand. Im Aufsichtsrat sitzen künftig Vertreter der Evangelischen Kirche aus ganz Oberhessen. Ein Zeichen dafür, dass die Jugendwerkstatt für die Kirche eine Zukunft hat.

Der Gott der Hoffnung
aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben,
dass ihr immer reicher werdet
an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes.

(Röm 15,13)

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