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Geburtstag am 19. April

Alt-Kirchenpräsident Helmut Spengler wird 90

EKHNHelmut Spengler wird 90.

Er galt als Mann des Ausgleichs und der Aussöhnung. Manche hielten das für Schwäche, doch es war die Stärke des ehemaligen hessen-nassauischen Kirchenpräsidenten Helmut Spengler. Am 19. April wird er 90 Jahre alt.

Archivbild EKHNPortraitHelmut Spengler, vierter Kirchenpräsident der EKHN

Viele Menschen werden im Alter zu Dauergrantlern. Das miese Essen, das fürchterliche Wetter, die bösen Menschen. Nicht so Helmut Spengler.

Spengler: Trotz Corona nicht einsam

Der frühere Präsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) lebt zusammen mit seiner Ehefrau Christiane in einer Seniorenwohnanlage in Darmstadt und wirkt mit sich und der Welt völlig im Reinen. „Trotz Corona fühle ich mich nicht einsam, bis auf einige Wehwehchen geht es mir gut“, sagt der Theologe dem Evangelischen Pressedienst (epd). Seinem 90. Geburtstag am 19. April sieht er mit heiterer Gelassenheit entgegen. „Geplant ist keine Feier, mal schauen, was passiert.“

Leidenschaft für Musik und Politik

Helmut Spengler liebt die Musik. Er spielte 30 Jahre lang die Geige in einem Streichquartett, musste damit aber vor einigen Jahren aus gesundheitlichen Gründen aufhören. Nach wie vor ist er politisch interessiert. Die Lokalzeitung gehöre zu seiner Morgenlektüre, verrät der Vater von vier Kindern und Opa von fünf Enkelinnen. Den ganzen Tag über verfolge er die Nachrichtenlage bis zur Tagesschau um 20 Uhr. Beherrschendes Thema sei die Pandemie. „Ich denke dann häufig an das Ende des Zweiten Weltkriegs, den ich als Kind erlebt habe. Wie damals ist auch heute nicht klar, wie es nach der Katastrophe weitergehen wird.“

Auseinandersetzung mit Missbrauch und Kirchenaustritten

Such kirchlichen Themen widmet er sich regelmäßig. Kürzlich habe er die Autobiografie von Rudolf Bultmann (1884–1976) gelesen und dabei festgestellt, dass man dem Marburger Theologen in vielen Punkten Unrecht getan habe. Auch die Situation der evangelischen und der katholischen Kirche treibe ihn um, etwa der sexuelle Missbrauch von Schutzbefohlenen und die damit verbundenen Kirchenaustritte. Kummer bereitet ihm zudem, dass die Pfarrerinnen und Pfarrer zu viel mit Verwaltungsarbeit beschäftigt sind. „Sie müssten gerade in dieser schwierigen Pandemiezeit näher bei den Menschen sein“, ist er überzeugt.

Geschichte der Landeskirche mitgeprägt

Spengler hat in seiner achtjährigen Amtszeit die Geschichte der EKHN entscheidend mitgeprägt. Den Hinweis auf die „bleibende Erwählung der Juden“ in der Präambel der Kirchenordnung setzte er 1991 auch gegen Widerstände durch. Besonders stark in Erinnerung ist ihm seine Reise in die Sowjetunion in der Zeit von „Perestroika“ und Glasnost“, wie er sagt. Wichtig sei ihm dabei gewesen, den Kontakt zu Kirchen hinter dem Eisernen Vorhang herzustellen und damit an seinen Vorgänger Helmut Hild anzuknüpfen, der die Gespräche und die Aussöhnung mit Polen vorangetrieben hatte. 

Streit um Startbahn-West miterlebt 

Besonders belastet habe ihn der Konflikt um den Bau der Startbahn-West des Frankfurter Flughafens, der 1987 mit den Todesschüssen auf zwei junge Bereitschaftspolizisten eskaliert war. Der ökumenische Trauergottesdienst im Frankfurter Dom sei der „schwerste Gottesdienst“ in seiner Amtszeit gewesen, betont Spengler. Auch der Konflikt um sieben Vikarinnen und Vikare, die der Deutschen Kommunistischen Partei angehörten, „hat mich sehr viel Nerven gekostet“. Letztlich habe sich das Ringen um einen Ausgleich ausgezahlt, aus allen jungen Leuten sei ja schließlich etwas geworden.

Zur Person

Helmut Spengler wurde 1931 in Wetzlar geboren und wuchs im nahen Lollar als Sohn eines Gießereiarbeiters auf. Gern erinnert er sich an die langjährige Freundschaft mit dem atheistischen Sohn des sozialdemokratischen Vermieters der pietistischen Familie Spengler. Nach dem Abitur in Gießen studierte Spengler in Marburg und Bethel, war dann Pfarrer in einer Landgemeinde und in Bad Homburg. 1972 wechselte er in die Darmstädter Kirchenverwaltung, war 13 Jahre lang Stellvertreter von Kirchenpräsident Hild, dessen Nachfolger er 1985 wurde. Für eine zweite Amtszeit stand er 1993 nicht zur Verfügung und ging bald darauf in den Ruhestand.

1991 verlieh ihm die Mainzer Evangelisch-Theologische Fakultät die Würde eines Ehrendoktors. 1993 wurde der Theologe mit dem Kronenkreuz in Gold der Diakonie und 1994 mit der höchsten Auszeichnung des Landes Hessen, der Wilhelm-Leuschner-Medaille, ausgezeichnet. Obwohl er als Schüler „völlig unsportlich war“, wie er sagt, begann er als Familienvater, die Laufschuhe zu schnüren. Danach erwarb er mehr als 20-mal das Goldene Sportabzeichen.

Von Dieter Schneberger

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