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Altenheime in Corona-Zeiten

Pflegeheime: Jetzt ansprechbar bleiben

Bildquelle: gettyimages_solstockTelefonierende SeniorinAlle, die seelsorglichen Beistand wünschen, können diesen auch bekommen. Allerdings muss der zuständige Seelsorger einer Alten- und Pflegeeinrichtung auch davon erfahren. Zudem können Angehörige die Kontakte zu den Bewohnerinnen und Bewohnern mit Hilfe von Telefon und App pflegen. (Symbolbild)

Einsamkeit und die Sorge vor einer Corona-Infektion betrifft viele Bewohnerinnen und Bewohner in Alten- und Pflegeheimen. „Es ist sehr wichtig, ihre Wünsche und Ängste ernst zu nehmen“, erklärt Seelsorger Lutz Krüger. Er weist darauf hin, dass der Wunsch nach einem Gespräch dem Seelsorger vor Ort mitgeteilt werden solle. Aber was können Angehörige tun, um ihren Lieben im Pflegeheim nahe zu bleiben - nicht nur in der Advents- und Weihnachtszeit?

Wie geht es den Seniorinnen und Senioren in den Pflegeheimen? „Die Angst vor Isolation und Einsamkeit beschäftigt viele Bewohnerinnen und Bewohner“, erfährt Jürgen Schäfer täglich. Er leitet den zentralen Krisenstab des Gesundheitskonzerns „Agaplesion“, dessen Wurzeln in die Diakonie reichen. Wohn- und Pflegeeinrichtungen sowie Krankenhäuser gehören dem Unternehmen an. Tatsächlich ist die Anzahl der Corona-Infektionen in Pflegeeinrichtungen deutlich gestiegen. Ende November hatte laut Tagesschau jedes vierte Heim in Hessen und jedes fünfte in Rheinland-Pfalz Covid-Infektionen gemeldet.

Kommunikation per Telefon – oder per App

Damit die Bewohnerinnen und Bewohner dennoch den Kontakt zu ihren Angehörigen halten können, bietet Agaplesion die App „myo“ an. Jürgen Schäfer berichtet: „Die App myo wird dankbar angenommen, um mit den Angehörigen zu kommunizieren. Sie hilft im Falle eines Besuchsstopps, den Trennungsschmerz zu lindern. Die Einrichtungen unterstützen die digitale Kommunikation und machen hier sehr viel möglich. Die Krise hat da einiges vorangetrieben.“

Wichtig: Seelsorge-Bedarf aktiv kommunizieren

Allerdings können sich Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen auch an die Altenheimseelsorge wenden. Pfarrer Lutz Krüger, Stellvertretender Leiter des Zentrums Seelsorge und Beratung der EKHN, wendet sich mit einer wichtigen Empfehlung an Betroffene: „Alle, die seelsorglichen Beistand wünschen, können diesen auch bekommen. Allerdings muss der zuständige Seelsorger einer Alten- und Pflegeeinrichtung auch davon erfahren. Bewohnerinnen und Bewohner, Angehörige oder das Personal sollten der Seelsorgerin oder dem Seelsorger das Bedürfnis nach einem Gespräch mitteilen.“

Vertrauensvollen Verhältnis zwischen Einrichtung und Seelsorge

Pfarrer Lutz Krüger hat beobachtet, dass mit dem Fortschreiten der Pandemie das gegenseitige Vertrauen zwischen den Einrichtungen und den Seelsorgenden gewachsen sei. Ihm sei allerdings bewusst, dass mit den gestiegenen Infektionszahlen der Bewegungsspielraum wieder etwas kleiner geworden sei. Seelsorgerinnen und Seelsorger werden von den Verantwortlichen der Einrichtungen wieder verstärkt gebeten, vor allem diejenigen Bewohnerinnen oder Patienten zu besuchen, bei denen ein Bedarf bestehe.

Wie sieht es mit Besuchen aus? Weihnachten in Altenpflegeeinrichtungen

Wenn es für Angehörige nicht möglich ist, ihr Familienmitglied im Altenheim zu besuchen, ermutigt Pfarrer Lutz Krüger: „Was geht dann anstelle eines Besuchs? Vielleicht geht kein Videochat, dafür lässt sich aber noch telefonieren. Vielleicht können Enkel ein Bild malen?“ Pfarrer Krüger wünscht sich von Herzen, dass Besuche in Alten- und Pflegeheimen während der Advents- und Weihnachtszeit möglich wären. Er verbreitet Zuversicht: „Weihnachten wird in den Altenpflegeeinrichtungen nicht ausfallen.“ Aber er weiß auch: „Die Besuchsmöglichkeiten zur Advents- und Weihnachtszeit werden im Wesentlich davon abhängen, wie sich die Infektionslage in den einzelnen Einrichtungen entwickelt.“  Pfarrer Krüger geht davon aus, dass z.B. Gottesdienste an Weihnachten in den jeweiligen Wohnbereichen möglich seien – allerdings nicht mit Teilnehmenden von außen. Falls Besuche in den Einrichtungen stattfinden dürfen, empfiehlt er: „Auf einen Besuch kann man sich vorbereiten, indem man etwa eine Woche davor seine Alltagskontakte stark reduziert und sich sozusagen selbst isoliert.“ Das Bundesministerium für Gesundheit bleibt vorsichtig: „Mit jedem Besuch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich Viren wie das Coronavirus auch hier in dieser Einrichtung verbreiten.

Interview

Die Situation in den Wohn- und Pflegeeinrichtungen von Agaplesion

Betreiber von Wohn- und Pflegeeinrichtungen engagieren sich dafür, den anvertrauten Menschen zu Seite zu stehen. Wie das in den Agaplesion-Einrichtungen umgesetzt wird, erklärt der Leiter des zentralen Krisenstabs, Jürgen Schäfer, im Interview:

Wie nehmen Sie die psychische und körperlich-gesundheitliche Situation der Bewohnerinnen und Bewohner in den AGAPLESION-Wohn- und Pflegeeinrichtungen wahr? 

Jürgen Schäfer: Das Alleinsein, das aufgrund der Kontaktbeschränkungen im Frühjahr viele erlebt haben, hat Spuren hinterlassen. Die Angst vor Isolation und Einsamkeit beschäftigt viele Bewohnerinnen und Bewohner. Wir setzen deshalb alles daran, dass die uns anvertrauten Menschen – trotz aller Schutzmaßnahmen – seelischen Beistand und großmöglichste Fürsorge erfahren.

Auch Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen in Hessen sind mit SARS-CoV-2 infiziert. Vor allem im Vergleich mit anderen Bevölkerungsgruppen fällt die hohe Zahl auf. Was löst diese Gesamtentwicklung bei Ihnen aus?

Jürgen Schäfer: Das aktuelle Infektionsgeschehen durch das Corona-Virus erfordert auf vielen Ebenen besondere Maßnahmen. Neben SARS-CoV2-positiv getesteten Bewohnern, gibt es auch mehr und mehr Fälle unter unseren Mitarbeitenden, was zur Folge hat, dass wir verstärkt mit Personalengpässen zu kämpfen haben. Um diesem Trend bestmöglich entgegenzuwirken, haben wir in unseren Einrichtungen umfangreiche Hygienekonzepte umgesetzt, zahlreiche Schutzmaßnahmen getroffen und Schulungen durchgeführt. Die Umsetzung der nationalen Teststrategie mit Antigen-Schnelltests ist darüber hinaus für jede Einrichtung logistisch und personell eine Herausforderung, lässt aber hoffen, die Verbreitung durch frühes Erkennen zu verhindern.

Gibt es auch Corona-Fälle in den Krankenhäusern sowie in den Wohn- und Pflegeeinrichtungen von AGAPLESION?

Jürgen Schäfer: Ja. Aktuell werden in unseren Krankenhäusern über 170 Covid-19-Patienten behandelt. Auch in Wohn- und Pflegeeinrichtungen gibt es Ausbruchsgeschehen mit insgesamt über 80 positiv getesteten Bewohnerinnen und Bewohnern zu beklagen. Das Infektionsgeschehen ist schwierig nachzuvollziehen und auch die Verläufe sind von unterschiedlicher Schwere.

Was sind die wichtigsten Maßnahmen in Ihren Einrichtungen, um die Seniorinnen und Senioren (vor dem Corona-Virus) zu schützen?

Jürgen Schäfer: Die Gesundheit und das Wohlbefinden unserer Bewohnerinnen und Bewohner steht für uns an erster Stelle. Wir bemühen uns sowohl um ihre körperliche als auch ihre seelische Gesundheit in gleichem Maße. Die Versorgung mit Schutzmaterialien ist ausreichend und wir haben auch für den Fall eines Infektionsgeschehens in unseren Einrichtungen dazu gelernt. Soweit es möglich ist, sind kleinere Einheiten gebildet worden, die von den gleichen Mitarbeitern betreut werden, um im Falle eines Ausbruchs die Verbreitung gering zu halten. Wir wollen stets für bestmöglichen Infektionsschutz sorgen, ohne dabei unsere Bewohnerinnen und Bewohner generell zu bevormunden.

Was bedeutet das für Besucherinnen und Besucher?

Jürgen Schäfer: Wir haben auch Besuchskonzepte entwickelt, die bei einem aktiven Infektionsgeschehen situativ umgesetzt werden können. Z. B. wird jeder Besucher registriert und ist angewiesen, neben einer Händedesinfektion einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, sowie die AHA-Regeln zu beachten.

Unsere Regelungen basieren auf den jeweils ausgesprochenen Empfehlungen des RKI und wir achten äußerst genau auf deren Einhaltung, z. B. bei Desinfektionsanweisungen. Für den Umgang mit dem SARS-CoV-2 / COVID-19 sind Vorgehensregelungen AGAPLESION-weit durch AGAPLESION HYGIENE festgelegt. Alle AGAPLESION Wohn- und Pflegeeinrichtungen wurden über die notwendigen Maßnahmen informiert und Mitarbeitende wurden umfassend geschult. Die Verfahrensanweisungen werden ständig gemäß Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts aktualisiert. Wir stehen kontinuierlich in Abstimmung mit den Behörden und befolgen alle Hygienemaßnahmen.

Was halten Sie von regelmäßigen Tests für Heimbewohnerinnen und –bewohner?

Jürgen Schäfer: Wir setzen alles daran, Ausbruchssituationen zu vermeiden. Eine Möglichkeit ist die Umsetzung, der seit 14.10.2020 in Kraft gesetzten Testverordnung des Bundesgesundheitsministeriums. Die TestV (Testverordnung) sieht u. a. vor, dass auch asymptomatische Bewohner z. B. 1 x / Woche einen Antigentest erhalten können, wenn sie Außenkontakt haben oder bei einer hohen Inzidenz >50. Aktuell müssen wir allerdings aufgrund der noch geringen Lieferkapazitäten von Antigen-Schnelltests priorisieren. Für den Wohn- und Pflegebereich wird vor allem bei Neu- und Wiederaufnahmen getestet. Die vollständige Umsetzung der nationalen Teststrategie des Bundesgesundheitsministeriums ist bereits geplant und in Verfahrensanweisungen gegossen, kann aber erst bei entsprechender Ausstattung mit Testmengen und vollumfänglicher Organisation (geschultes med. Personal) angewendet werden.

zum Themen-Special zur Corona-Krise

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Altenheimseelsorge in der EKHN

Jetzt in diesen Zeiten.
Wo Ungewissheit uns umtreibt.
Vor dem Virus, das sich ausbreitet.
Oh Gott,
wir wollen daran denken,
dass du von Urzeiten her –
deine Hand über uns hältst.

(nach Doris Joachim)

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