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Digitale Kirche

Kirchenpräsident über die Vorteile und Risiken der Digitalisierung

kfPer Videokonferenz diskutierte Kirchenpräsident Volker Jung mit den Teilnehmer*innen des Politischen Nachtgebets über Perspektiven des Themas Digitalisierung.

Aufgrund der Digitalisierung konnten viele Bereiche in der Arbeitswelt, in Kirche und Gesellschaft weiterhin aktiv bleiben. „Im Falle von Corona war die Digitalisierung ein Segen“, so Kirchenpräsident Jung. Kritisch sieht er hingegen die Entgrenzung der Arbeit im digitalen Zeitalter. Das erläuterte er beim "Politischen Nachtgebet" im Dekanat Dreieich-Rodgau.

Die Digitalisierung hat während der Pandemie dazu beigetragen, miteinander in Kontakt zu bleiben und Corona-Impfstoffe zu finden. „Gleichzeitig stellt sie uns als Menschen und unsere gesellschaftlichen Bezüge in Frage“, sagt EKHN-Kirchenpräsident Dr. Volker Jung. Beim jüngsten „Politischen Nachtgebet“ im Rahmen der innovativen Erwachsenenarbeit des Evangelischen Dekanats Dreieich-Rodgau sprach der Aufsichtsratsvorsitzende des „Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik“ (GEP) und umgangssprachliche „Medienbischof“ der EKD über Chancen und Risiken der Digitalisierung. 

Wie lässt sich die Pandemie ohne digitale Möglichkeiten vorstellen?

„Stellen Sie sich diese Pandemie einmal ohne die digitalen Möglichkeiten vor“, sagt Kirchenpräsident Jung im Online-Dialog auf einer Videokonferenzplattform. „Im Falle von Corona war die Digitalisierung ein Segen“ – auch und gerade für die Kirchen, ist der Kirchenpräsident überzeugt. Aber auch für die Wirtschaft, uns als Gesellschaft, die Medizin. „Was wäre in einer Pandemie vor 15 Jahren gewesen?“ stellt der geistliche Repräsentant der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau dann als Frage und Perspektive in den mit 40 Gästen gefüllten digitalen Raum.

Kränkt die Digitalisierung das menschliche Selbstbild?

Dass das gesellschaftliche Phänomen, das die nächsten Jahrzehnte bestimmen wird, auch ein „Fluch“ sein kann, räumt Volker Jung ein. Die Digitalisierung sei auch eine Infragestellung des Menschen und werde deshalb von manchen unter den narzisstischen Kränkungen eingereiht: nach der kosmologischen („Wir sind nicht das Zentrum der Welt.“), der biologischen („Wir sind nicht die Krone der Schöpfung.“) und der psychologischen („Wir sind nicht nur unser Bewusstsein.“) nun die digitale Kränkung: Digital gesteuerte Maschinen können nicht nur mechanische Tätigkeiten ausführen, sondern können auch kreativ sein. 

„Der Kern des Lebens lässt sich nicht kopieren“

Was den Menschen aus christlicher Perspektive ausmache, sei die Beauftragung und Begabung durch Gott, manifestiert etwa in der Fähigkeit, gut und böse zu unterscheiden.  „Menschliches Bewusstsein ist eine Zusammenfügung aus vielem“, sagt Kirchenpräsident Jung, „nicht nur eine Reproduktion gedanklicher Prozesse“: Begegnung, Körperwahrnehmung, Miteinander. „Vieles lässt sich nachahmen und kopieren, aber der Kern des Lebens nicht.“
Im von Gemeindepädagogin Carolin Jendricke moderierten Gespräch ging es unter anderem um den digitalen Gottesdienst, Abendmahlsfeiern und „das Gemeinschaftsgefühl im digitalen Raum“. 

Digitales Abendmahl: „Man muss es probieren“

Kann man also in einem Gottesdienst im Internet in digitaler Gemeinschaft Abendmahl feiern? „Ich glaube, dass man es probieren muss“, meint Volker Jung. „Aber wir sollten auch auf bestimmte Punkte achten: zum Beispiel, wer das Abendmahl leitet, dass wir es mindestens zu zweit feiern, um uns gegenseitig die Gaben zu reichen, und dass sorgsam mit Brot und Wein umgegangen wird.“ 

Grenzen in der digitalen Arbeitswelt ziehen

Kritisch sieht der Kirchenpräsident hingegen die Entgrenzung der Arbeit im digitalen Zeitalter: „Auch als Kirche schwanken wir da zwischen Ermöglichen und Probieren einerseits und der rechtlichen Seite andererseits.“ Der digitale Arbeitsplatz zuhause sei „gut und wichtig, es muss aber eine gesunde Balance zwischen Home-Office und Begegnung geben. Digitalisierung verlangt, dass wir auch selbst Grenzen ziehen“. 

Kirche soll digitale Teilhabe in Kooperation ermöglichen

Dabei hofft Jung auf digitale Teilhabe auch für Ältere oder Menschen ohne eigenen Zugang zum Internet. „Aber da ist es auch nicht damit getan, die Technik hinzustellen“ Da gehe es um Bildung und um Bedienfreundlichkeit – auch mit einem alten oder kranken Körper. „Das werden wir auch als digitale Kirche in unserer Gemeindearbeit nicht alles allein leisten können – sondern eher anstoßen und nach Kooperationspartner*innen suchen.“

Stichwort: Politisches Nachtgebet

Das „Politische Nachtgebet“ geht zurück auf den 82. Deutschen Katholikentag im September 1968 in Essen. Der damalige ökumenische Arbeitskreis, zu dem bekannte Persönlichkeiten wie Dorothee Sölle, Fulbert Steffensky und Heinrich Böll zählten, engagierte sich gegen den Vietnamkrieg und für Einmischung und Engagement. Wegen seines späten Beginns erhielt der von ihnen geplante Gottesdienst den Titel „Politisches Nachtgebet“. Das Format etablierte sich, wurde auf 20:30 Uhr vorverlegt, und wird seither an vielen verschiedenen Orten fortgeführt. Grundelemente sind Information, Meditation und Aktion. So umfasst die Veranstaltungsstruktur politische Information in ihrer Konfrontation mit biblischen Texten, eine kurze Ansprache, Aufrufe zur Aktion und schließlich die Diskussion mit der Gemeinde.

Themen-Special: Glaube in der digitalen Welt

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[kf/red]

Beten mit Worten der Bibel:

Gott,
wir erfassen kaum, was auf Erden ist,
und begreifen nur schwer,
was wir in Händen haben.
Was aber im Himmel ist, wer hat es erforscht?
Und wer hat deinen Ratschluss erkannt?
Es sei denn, du hast Weisheit gegeben und
deinen heiligen Geist aus der Höhe gesandt.
Amen

(Weisheit 9,16 ff)

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