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Jubiläumstag in Friedberg

Bunter Ritt durch 75 Jahre Hessen-Nassau

© Rolf Oeser, EKHNMusik, starke Worten und wegweisende Erinnerungen prägten das 75-jährige Jubiläum der EKHNMusik, starke Worten und wegweisende Erinnerungen prägten das 75-jährige Jubiläum der EKHN

Gereifte Damen, junge Kirchen, farbenfrohe Blumen und zwei Klappstühle: Am Jubiläumstag zum 75-jährigen Bestehen der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau ging es in Friedberg ziemlich bunt zu. Aber ehrlich: Hatte irgendjemand etwas anderes erwartet?

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Birgit Pfeiffer und Volker Jung Drehorgel Konfifreizeiten Festnachmittag in der Friedberger Stadthalle Ausstellung Friedberger Stadtkirche Jubliäumsgottesdienst Die Besucherinnen und Besucher des Jubiläumsgottesdienstes Birgit Pfeiffer Lied "Meine Kirche" im Jubilläumsgottesdienst Bischof des Bistums Mainz, Peter Kohlgraf Kirchenpräsident Jung Beate Hofmann und Volker Jung

Mit Posaunenfanfaren und lila Entree in der Friedberger Stadtkirche - so hatte das Jubiläum am Morgen des 1. Oktober zum 75. Geburtstag der hessen-nassauischen Kirche begonnen. Am späten Nachmittag schallte es dann „O-Happy Day“ durch die Friedberger Stadthalle, die sich ebenfalls in der klassischen Hessen-Nassau-Farbe violett herausgeputzt hatte. Dort präsentierten sich die fünf Propsteien zwischen Biedenkopf und Neckasrsteinach mit einem bunten Jubiläumsprogramm. Was dazu wohl die 120 Delegierten gesagt hätten, die sich In den Nachkriegswirren am 30. September 1947 aus den Regionen Hessen-Darmstadt, Nassau und Frankfurt zu einem „Kirchentag“ nach Friedberg aufgemacht hatten? Damals entstand der Wetterau-Stadt die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Freilich nicht in der Stadthalle, sondern in der Burgkirche inmitten von Friedbergs Altstadt. Dort wurde der NS-Widerstandskämpfer Martin Niemöller vor einem dreiviertel Jahrhundert zum ersten Kirchenpräsidenten der EKHN gewählt.

Theologisch tastend

75 Jahre später zeichnet sein Amtsnachfolger Volker Jung bei seiner Predigt im Festgottesdienst diesen Gründungsmoment minutiös nach. Wie unterschiedlichste Strömungen der Nachkriegskirche gemeinsam einen Neuanfang suchen. Theologisch tappend auf unsicherem Terrain. Aber vereint im Willen, danach zu fragen, was Gott und das Evangelium eigentlich von der Kirche verlangen. Und heute? Kirchenpräsident Jung betont in seiner Predigt, wie wichtig es sei, „immer wieder danach zu fragen, was unsere Aufgaben in dieser Welt sind und wie wir für andere und diese Welt da sein können.“ Kirche müsse sich dafür einsetzen, „dass Menschen weiter auf dieser Erde leben können – friedlich und gerecht“. Als Beispiele nennt er das Eintreten für Frieden oder gegen den Klimawandel.

Gereifte Damen

Und wie sehen die Nachbarn eigentlich die hessen-nassauische Kirche? Die Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW), Beate Hofmann, gratuliert mit viel Humor „ihrer jüngeren Schwesterkirche“ herzlich zum 75. Geburtstag. Sie malt das Bild der beiden Kirchen als gereifte Damen, die auf einer Parkbank sitzen und über die Vergangenheit und die Zukunft reden. Als Geschenk und Symbol für die Kommunikation, die für die gelungene Kooperation so wichtig sei, habe sie zuerst eine Parkbank übergeben wolle, so Hofmann. „Ich habe aber stattdessen Klappstühle mitgebracht. Sie sind mobiler und lassen sich an vielen Orten bei Bedarf aufstellen, um miteinander zu sprechen.“ Viel Gelächter in dem Gotteshaus: Denn Kirchenpräsident Jung und Bischöfin Hofmann probieren die Sitzgelegenheiten vor dem Altar gleich mal gemeinsam aus.  

Junge Kirche

Auch der Bischof des Bistums Mainz, Peter Kohlgraf, überbringt die Grüße der katholischen Kirche und bezeichnet die EKHN als „junge Kirche“, der er wünsche, weiter jung zu bleiben. Klar, der Mainzer Bischof denkt da in ganz anderen Zeitdimensionen. Aber ein bisschen neidisch ist er auch. So ein kirchlicher Teenager nimmt sich ja manchmal auch Frechheiten heraus, die sich eine gestandene Institution nur schwer leisten kann.

Frauen und Kirche 

Dass sich in der EKHN einiges seit ihrem Beginn geändert hat, zeigt der Gottesdienst. Bei der Gründungs-Tagung waren sage und schreibe zwei Frauen unter der 120 Delegierten in Friedberg. 75 Jahre später gestalten den Gottesdienst mehrheitlich Frauen. Friedbergs Pfarrerin Claudia Ginkel führt durch die Eingangsliturgie. Fürbitten leitet die Vize-Kirchenpräsidentin der EKHN, Ulrike Scherf, mit weiteren Frauen an: Der Pfarrerin der Indonesischen Gemeinde Rhein Main, Junita Lasut, der Studentin Aleena Vincent aus Indien und der Lehrerin Oksana Vaniv aus der Ukraine.

Reichlich Musik

Reichlich Musik gibt es auch im Gottesdienst. Der christliche Liedermacher und Pfarrer Eugen Eckert lässt das Publikum bei seinem Lied „Meine Kirche“ tanzen. Ansonsten sorgen die Dekanatskantorei Friedberg und Kantorinnen aus Oberhessen unter der Leitung von Kantor Ulrich Seeger für stimmgewaltige Unterstützung. Blech in bestem Takt bietet der Posaunenchor Butzbach unter der Leitung von Dekanatskantor Uwe Krause. Kantor Frank Scheffler aus Bad Nahheim greift behende in die Orgel. Und Rainer Hahn entlockt seinem  Saxophon ungewöhnliche Klänge in dem ehrenwerten Kirchenschiff.

Aufeinander zugehen 

 „Happy Birthday Kirche, ich wünsch dir was!“. So leitet dann später der Wetterauer Dekan Volkhard Guth den Festnachmittag in der Friedberger Stadthalle ein, bei dem sich Hessen-Nassaus Kirchenregionen präsentieren. Er teilt sehr  persönliche Erinnerungen an „seine Kirche“ und die ersten Begegnungen mit ihr. Liedermacher Clemens Bittlinger und Propst Stephan Arras stimmen passend dazu „Wir wollen aufstehen, aufeinander zugehen“ an und animieren die Gäste gleich zum ersten Mitsing-Moment des Nachmittags.

Gesellschaftspolitische Themen

Den Anfang macht die Propstei Starkenburg um Propst Arras. Als Gesprächspartner zum Thema Glaube und Gesellschaft ist „Umweltpfarrer“ Hubert Meisinger auf die Bühne gekommen. Ihm liege es am Herzen, erzähle er im Interview, Kirche in gesellschaftspolitischen Themen sprachfähig zu machen und den sozial-ökologischen Wandel mit zu gestalten. Dazu seien bereits viele Initiativen gestartet.

Flucht und Asyl

Die beiden ukrainischen Musikerinnen Nina Barashkova und Marina Sagorski leiten am Cello und am Klavier zum Thema Flucht und Asyl der Propstei Oberhessen über. Die beiden Frauen waren einst selbst aus der Ukraine nach Deutschland geflohen und haben in Oberhessen eine neue Heimat gefunden. Ebenso wie Zahra Famarini, die 2017 aus dem Iran nach Deutschland kam. Mit Tränen in den Augen berichtet sie von dem Schmerz und der Trauer, die sie empfindet, wenn sie sieht, was in ihrem Land aktuell passiert. „Als ich nach Deutschland gekommen bin, war ich ganz alleine. Ich habe ein Zuhause gesucht. Jetzt ist die Kirchengemeinde mein Zuhause.“ In Homberg an der Ohm ließ sie sich taufen. „Ich bin so froh, dass ich die Freiheit habe, diese Entscheidung selbstständig für mich zu treffen.“ Günter Ludwig erzählt, wie er aus der DDR nach Prag geflohen war und miterlebte wie Hans-Dietrich Genscher 1989 die Ausreisegenehmigung für Tausende DDR-Flüchtlinge verkündete. Die Kirche habe ihm bereits vor der Flucht Halt gegeben, in Friedberg ließ er sich schließlich taufen.

Hoffnungsblumen im Gepäck

Pröpstin Henriette Crüwell und ihre Dekaninnen und Dekane aus der Propstei Rheinhessen-Nassauer Land erregtn Aufsehen, indem sie „Hoffnungsblumen“ mit auf die Bühne brachten. Die großen Papierblumen in leuchtenden Farben hatte eine ukrainische Künstlerin gefertigt. „Wir haben uns gefragt, was schenkt man einer 75-Jährigen zum Geburtstag?“, so Crüwell. Wir haben uns für Blumen entschieden.“ Die Dekaninnen Kerstin Janott und Susanne Schmuck-Schätzel, Dekan Andreas Klodt und Dekan Olliver Zobel berichten von Weihnachtsgottesdiensten im Schlosshof, Konfi-Adventure in einer Burgruine, Pfingstgottesdiensten im Autokino und Tauffesten in der Lahn. Eine Andacht auf einer Fähre wünsche sich Crüwell noch als ungewöhnlichen Gottesdienstort. „Ich würde gerne einmal auf der Fahrt von einem zum anderen Ufer einen knackigen Impuls setzen.“

Begegnungszentrum im Bau 

Ihre Pläne für den Bau eines Begegnungszentrums in der Andreasgemeinde Niederhöchstadt stellen die Propstei Rhein-Main um Propst Oliver Albrecht, Karsten Böhm, Cornalia Köstlin-Göbel und Bjorn Bätz beispielhaft vor. Auf der Suche nach einem neuen Gebäude, das ihren aktuellen Anforderungen an Platz und Charakter entspricht, hat sich die Kirchengemeinde mit lokalen Partnern vernetzt. So entsteht nun ein Begegnungszentrum, das künftig vier Bereiche und Partner unter einem Dach vereint: Es sollen Räume für kirchliche und sozial-caritative Arbeit entstehen, eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung und zehn kleine Wohneinheiten.

Mitbringsel aus dem Rucksack

Zum Abschluss blicken Pröpstin Sabine Bertram-Schäfer und Dr. Uwe Seibert stellvertretend für die Propstei Nord-Nassau auf das Thema Ökumene und Partnerschaft. Anhand von Mitbringseln aus seinem Rucksack gibt Seibert einen Einblick in die verschiedenen Facetten der Partnerschaftsarbeit. Der Rucksack stehe für das „Auf den Weg machen“ durch gegenseitige Besuche, ein Apfel für das gemeinsame Wachsen, das sich auch in Baumpflanz-Projekten ausdrückt und das Handy für die gegenseitige Anteilnahme, etwa per digitalem Friedensgebet. Bertram-Schäfer hat zusätzlich eine Bibel mitgebracht. „Denn die Bibel, Gottes Wort, das ist es doch, was uns Christen weltweit verbindet.“

Mit „Oh Happy Day“ in den Abend

Zu „Oh Happy Day“ von Katharina und Dirk Seidel singen und klatschen die Gäste am Ende noch einmal mit und werden so fröhlich in den Abend entlassen. Denn in Frieeberg geht es noch weiter. Der Liedermacher Siegried Fietz wartet auf die Gäste in der Burgkirche, dem Gründungsort der EKHN. Dort präsentiert er ein musikalisches Portrait des ersten Kirchenpräsidenten Martin Niemöller. Und das Gotteshaus Kirche ist, wie am Vormittag der Eingang der Stadtkirche in klassisches EKHN-violett getaucht. Die Kirche leuchtet bunt. 

mehr über das 75-jährige Jubiläum der EKHN mit Infos zur Gründung

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[Anna-Luisa Hortien]

Tu, was zu tun kannst.
Und dann ist gut, denn mehr geht nicht.
Alles weitere kann ich in die Hände Gottes legen
und darauf vertrauen, dass er es wohl gut mit mir meint.
(Carsten Tag zu Prediger 9,10)

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