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ZDF-Chefredakteur Peter Frey

Digitale Netzwerke: Mehr Nutzen als Gefahren

EKiRPortrait am MikrofonDie Parallelen zwischen Gutenbergs Medienrevolution und der heutigen seien deutlich, sagte Dr. Peter Frey.

Die neuen digitalen Netzwerke seien für den Journalismus keine Gefahr, sagte der ZDF-Chefredaktuer Peter Frey bei den Ebernburger Tischreden am Dienstag. „Wir müssen weiterhin wahrhaftig informieren, bilden, einordnen und kritisieren“, forderte Frey.

Zu einer „Herberge der Gerechtigkeit“ machte Franz von Sickingen die Ebernburg bei Bad Kreuznach um 1520, indem er Denker der Reformation aufnahm. An diese Historie erinnerte der rheinische Präses Manfred Rekowski zu Beginn seiner Begrüßung der Gäste bei der zweiten Ebernburger Tischrede am 15. September. Die evangelischen Kirchen in Rheinland-Pfalz, darunter auch die EKHN, und die Landesregierung Rheinland-Pfalz hatten unter Schirmherrschaft der Ministerpräsidentin Malu Dreyer Vertreter aus Kirche, Politik und Medien eingeladen, um vor dem Reformationsjubiläum 2017 aktuelle Themen zu besprechen und zu bedenken.

Die zweite Ausgabe der Tischrede stand im Zeichen des digitalen Wandels

Martin Luther, sagte Rekowski, habe die technische Neuerung seiner Zeit, den Buchdruck, ganz bewusst genutzt, auch unter theologischen Aspekten: „Jeder Mensch sollte ungehinderten Zugang zu Gott haben – deshalb hat Luther Gottesdienste in deutscher Sprache gefeiert und die Bibel ins Deutsche übersetzt.“ Der aktuelle Epochenwandel stelle erneut die Frage nach dem Zugang zu wesentlichen Informationen und nach den Kompetenzen: Verstehen wir überhaupt, was da geschieht?

Die eigentliche Tischrede hielt Dr. Peter Frey, Chefredakteur des Zweiten Deutschen Fernsehens, zum Thema „Medien – allmächtig – allwissend – allüberall“. Die Parallelen zwischen Gutenbergs Medienrevolution und der heutigen seien deutlich, sagte Frey, er wolle sich jedoch auf die Frage nach der Deutungshoheit konzentrieren. Nicht zufällig wählte Frey göttliche Attribute für den Titel seiner Rede: Die Theologin Johanna Haberer von der Uni Erlangen-Tübingen habe Google, Facebook und Co. als „Götter einer neuen Zeitachse“ bezeichnet.

In den Netzwerken fehle eine „Straßenverkehrsordnung“

Journalisten, so Freys Thesen, haben zwar ihre Deutungshoheit eingebüßt, aber Medienmarken und Journalisten können weiterhin wirken, wenn sie sich wandeln und auf neues Nutzerverhalten einstellen.  „Wir müssen weiterhin wahrhaftig informieren, bilden, einordnen und kritisieren“, forderte Frey. „Ohne Kompromisse. Um mit unseren Inhalten unsere Nutzer weiter zu erreichen, sind wir aber mit neuen mächtigen Playern konfrontiert. Die einerseits Partner, andererseits Konkurrenten sind.“ Denn die Netzwerke, so Frey weiter, seien nicht neutral, sondern beeinflussten den öffentlichen Diskurs – durch Algorithmen beispielsweise, die dem Nutzer nur das zeigen, was ihm ohnehin gefällt. Er selbst nutze digitale Neuerungen, sagte Frey, und sei sicher, dass der digitale Wandel für Journalisten mehr Nutzen als Gefahren biete, doch es fehle an Spielregeln: „Es geht hier nicht darum, aus Angst vor gefährlichen Automobilen die Pferdekutschen wieder einzuführen, sondern – wenn wir in diesem Bild bleiben – eine Straßenverkehrsordnung für die digitale Welt zu etablieren.“

Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig.

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