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Holocaust-Gedenktag

Erinnerungskultur nicht auf Gedenktage beschränken

Getty Images/Freedom MasterKerzen zum Gedenken an die Opfer des Holocaust.

Am 27. Januar wird der mehr als sechs Millionen Juden gedacht, die während des Nationalsozialismus ermordet wurde. Andrea Thiemann vom Evangelischen Arbeitskreis für das christlich-jüdische Gespräch erklärt, warum der Holocaust-Gedenktag wichtig.

Andrea Thiemann ist Vorsitzende des evangelischen Arbeitskreises für das christlich-jüdische Gespräch in Hessen und Nassau.

Andreas Thiemann lässt keinen Zweifel: Der Holocaust-Gedenktag am 27. Januar ist ein wichtiger Tag für unser Land: „Der Nationalsozialismus, der zur Entmenschlichung von Tätern und Opfern im Holocaust führte, ist Teil unserer gemeinsamen deutsch-jüdischen Geschichte. Nur im Bewusstsein dieser Abgründe der Menschheit ist eine verantwortungsvolle Gestaltung einer gemeinsamen Zukunft möglich“, sagt Andrea Thiemann, Vorsitzende von „ImDialog“, dem Evangelischen Arbeitskreis für das christlich-jüdische Gespräch in Hessen und Nassau.  Die konstruktive Auseinandersetzung und Aufdeckung von Vorurteilen, Stereotypen und Verschwörungserzählungen sei die Voraussetzung für einen wertschätzenden Umgang zwischen nicht-jüdischen und jüdischen Menschen. Deshalb seien Gedenktage wie der 27. Januar von großer Bedeutung.

Gedenktage dürfen nicht einfach ritualisiert werden

Die Gefahr, dass der Gedenktag jedoch zu einem bedeutungslosen alljährlich stattfindenden Ritual werden könnte, sieht Thiemann durchaus. Nämlich dann, wenn der Tag als eine Art Pflichtübung nur noch ritualisiert mit immer gleichen Worten und Akten „abgespult“ werden. „Meiner Erfahrung nach passiert das an vielen Orten beim jährlichen Gedenken am Volkstrauertag. Bedauerlicherweise gelingt es meistens nicht, die Veranstaltung so zu aktualisieren, dass auch jüngere Menschen den Eindruck haben, das ginge sie etwas an.“ Wie das zu ändern sei, so Thiemann, darauf müsste sich die Öffentlichkeit gemeinsam konzentrieren.

Erinnerungskultur ist ein integraler Bestandteil von Erziehung

Eine gute Erinnerungskultur, das macht die Pfarrerin deutlich, sei nicht beschränkt auf jährliche Gedenktage, sondern integraler Bestandteil von Erziehung und Bildung von Kindesbeinen an. Dafür seien nicht nur  gesellschaftliche Institutionen zuständig, „auch Familien und  jede und jeder Einzelne!“, so die Pfarrerin und fügt an: „Es muss deutlich werden, dass die Erinnerung mit meinem Leben heute wesentlich zu tun hat“.

Zeitzeugengespräche virtuell erlebbar machen

 Eine große Bedeutung kämen beim Erinnern Zeitzeugen zu, da mit ihnen Geschichte sozusagen wieder lebendig werde. „Das persönliche Erleben ist unmittelbar sichtbar und kann von vielen Menschen auch emotional gut nachvollzogen werden“, sagt Thiemann. Doch die Jahre, in denen Zeitzeugen noch Schule besuchen und zu Vorträgen oder persönlichen Treffen kommen können sind begrenzt. Immer mehr Menschen, die den Nationalsozialismus erlebt haben, sind alt und sterben. „Es gibt darum interessante Projekte, Zeitzeugengespräche von Holocaust Überlebenden mit Jugendlichen als Avatare aufzuzeichnen und virtuell weiterhin erlebbar zu machen. Das halte ich für eine gute Idee“, so die Vorsitzende des Arbeitskreises.

Jugendlichen Zugang über Literatur, Film und  Kunst ermöglichen

Und wie können Eltern Jugendlichen den Zugang zur Geschichte erleichtern? „Dabei ist Kultur und Kunst sehr hilfreich, sei es Literatur, Poesie, ein Film“, sagt Thiemann. Eine gute Möglichkeit seien auch der Besuch einer KZ-Gedenkstätte, eines Holocaust-Museums oder eine Reise nach Israel mit dem Besuch der Gedenkstätte Yad Vashem. „Meine Favoriten sind Jugendaustauschprogramme und Freiwilligendienste, wie Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF)“, sagt Andreas Thiemann.

Der „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ am 27. Januar gehört seit 2019 zu den offiziellen Gedenktagen der Evangelischen Kirchen in Deutschland.  An diesem Tag wird der über sechs Millionen Juden und der vielen anderen Opfer gedacht, die während der nationalsozialistischen Herrschaft ermordet wurden.

Für alle, die sich über den Holocaust informieren möchte, hat die Pfarrerin noch einen besonderen Tipp.  Die Internetplattform Centropa des "Zentrum zur Erforschung und Dokumentation jüdischen Lebens in Ost- und Mitteleuropa“. Dort haben Historiker, Filmemacher, Journalisten und Pädagogen Filme und Zeitzeugengespräche gesammelt.         Besonders empfiehlt sie diesen Film: https://youtu.be/kVzfQr9spUQ .

Der Zentralrat der Juden macht mit bei der #WeRemember-Kampagne des World Jewish Congress anlässlich des internationalen Holocaust-Gedenktags und hat dazu aufgerufen, Porträts mit einem Zettel und dem #WeRemember in den Sozialen Netzwerken zu posten. Die EKHN beteiligt sich an der Aktion am Holocaust-Gedenktag auf Facebook und Instagram.

In der Konzentration auf das, was ist,
kann sich so etwas wie ein Raum öffnen,
ein Gewahrsam schärfen für die Gegenwart Gottes.

(Carsten Tag)

Carsten Tag

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von gettyimages / rusm

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