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Rotes Sofa auf dem Kirchentag

"Es gibt Werte, die muss man nicht diskutieren"

Jonas SchrammDer nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) im Gespräch mit ESZ-Redakteurin Andrea SeegerDer nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) im Gespräch mit ESZ-Redakteurin Andrea Seeger

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat angesichts rechtsextremistischer Gefahren an die Verbindlichkeit des Grundgesetzes erinnert. Weitere Themen auf dem Kirchentag waren Digitalisierung, Antisemitismus, Klimaschutz und Fake News.

Aktuell gebe es in Deutschland allerdings Menschen, die grundlegende Werte des Zusammenlebens wie die Menschenwürde wieder infrage stellten. Sie wollten Grenzen schließen und riefen zu Nationalismus auf.

Mord an Kasseler Regierungspräsident von Netzwerk begangen?

Gegen solche Tendenzen müsse man standhaft bleiben, selbst für den Fall, dass es die Mehrheitsgesellschaft nicht tue, sagte Laschet. Die aktuelle Zeit bezeichnete er unter anderem mit Blick auf den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke als besonders fragil.

Er schloss die Möglichkeit, dass ein Netzwerk hinter der Tat steht - ähnlich wie bei der NSU-Mordserie -, nicht aus, mahnte aber, auf den Staat und das Grundgesetz zu vertrauen.

Bundespräsident warnt vor Verrohung von Sprache und Debatten

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat eine „Demokratisierung des Digitalen“ gefordert. Beim evangelischen Kirchentag in Dortmund sagt der Bundespräsident am Donnerstag, es gehe um die „Rückgewinnung des politischen Raumes“ gegen Verrohung und Verkürzung von Sprache und Debatten. Steinmeier beklagte zudem digitale Fremdbestimmung durch Konzerne und forderte gesetzliche Regelungen sowie internationale Vereinbarungen, um „das Spiel zu unterbrechen und die Spielregeln zu überprüfen“.

Käßmann: "Das Bild von Trump wird nie mit Würde erinnert werden"

Weitere aktuelle Themen beim Protestantentreffen waren der Kampf gegen Antisemitismus, mehr Einsatz für Klimaschutz und Desinformationen durch Fake News. Auch über die Fälle sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche wurde gesprochen.

Die evangelische Theologin Margot Käßmann übte harsche Kritik an US-Präsident Donald Trump. In einer Bibelarbeit geißelte sie Machtstreben und schlug sich auf die Seite der Schwachen. „Nichts stellt die Macht der Mächtigen so sehr in Frage wie die aufrechte Haltung der Opfer“, sagte sie.

Die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) erinnerte an das Foto des jungen Mannes, der sich vor 30 Jahren bei den Protesten auf dem Platz des himmlischen Friedens in Peking den anrollenden Panzern entgegengestellt hat. Sein Bild werde als Mut, als Freiheitssehnsucht, als Würde des Menschen in die Geschichte eingehen. „Ich denke, das von Donald Trump wird nie mit Würde erinnert werden“, sagte Käßmann.

Muslimischem Judenhass stärker entgegentreten

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, forderte, beim Kampf gegen Antisemitismus auch den muslimischen Judenhass stärker in den Blick zu nehmen. Antisemitismus von Muslimen in Deutschland habe seinen Ursprung vielfach im Nahost-Konflikt und in „dem Hass auf Israel und die israelische Politik gegenüber den Palästinensern“, sagte Klein: „Wir müssen den Israel-bezogenen Antisemitismus stärker bekämpfen“, betonte er. Dazu sei es wichtig, auch an den Schulen den Nahost-Konflikt und seine Geschichte zu thematisieren.

Israelkritische BDS-Veranstaltung wurde abgesagt

Unterdessen sagte die Rosa-Luxemburg-Stiftung kurzfristig eine für den Nachmittag geplante Veranstaltung auf dem Kirchentag ab, bei der Vertreter der umstrittenen israelkritischen BDS-Bewegung auftreten sollten. „Wir haben hier eine klare Haltung als Kirchentag und haben die Rosa-Luxemburg-Stiftung aufgefordert, die Referenten auszuladen oder die Veranstaltung abzusagen“, sagte die Generalsekretärin des Kirchentags, Julia Helmke. Die Linken-nahe Stiftung habe sich daraufhin entschieden, auf den Workshop mit dem Titel „Imperien des Mammons oder Wege der Gerechtigkeit“ zu verzichten.

Für Klimaschutz und gegen Fakenews

Die Präsidentin von „Brot für die Welt“, Cornelia Füllkrug-Weitzel, forderte die Bundesregierung auf einem Podium zum Thema Klimagerechtigkeit auf, das geplante Klimaschutzgesetz zügig voranzubringen. „Wir brauchen eine mutige Regierung“, sagte Füllkrug-Weitzel. Das international vereinbarte Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, müsse in dem nationalen Klimaschutzgesetz festgehalten werden.

Bibel als Gegenstrategie zu Fake News

Gegen Fake News kann die Bibel nach Worten der westfälischen Präses Annette Kurschus eine Gegenstrategie bieten. Bei gezielter Desinformation und Hass brauche es Widerspruch und alternative Erzählungen. Die Bibel ist sei voll von Impulsen, die auf Vertrauen setzten. Entscheidender Orientierungspunkt sei die Gegenwart Gottes.

Die Linken-Politikerin Petra Pau warnte, gezielte Desinformation könne ambitionierte politische Vorhaben verhindern. Ein Beispiel dafür sei die Debatte um den UN-Migrationspakt, sagte die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages. Staatliche Verbote seien keine Lösung im Kampf gegen Desinformation.

Wichtiger sei es, demokratische Prozesse öffentlich zu machen und Menschen besser zu beteiligen.Die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs räumte schwerwiegende Fehler im Umgang mit Sexismus und sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche ein. Die Kirche habe beim Schutz von Betroffenen „eklatant versagt“, sagte sie auf einem Podium zum Thema Geschlechterverhältnisse.

  

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Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man um so mehr fordern.

Lukas 12, 48

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von gettyimages/ekely

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