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Vorderer Odenwald

Dekan Joachim Meyer wiedergewählt

sru/DekanatApplaus für den wiedergewählten Dekan Joachim Meyer

Die Wiederwahl von Dekan Joachim Meyer und der Prioritätenprozess „ekhn2030“ waren die zentralen Punkte bei der Sommersynode des Evangelischen Dekanats Vorderer Odenwald. Es war die erste Präsenz-Synode nach 1 ¾ Jahren und die erste Tagung, die größtenteils im Freien stattfand.

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„Tradition ist nicht das Verwalten der Asche, sondern die Weitergabe der Flamme.“ Unter diesen Leitsatz hatte Dekan Joachim Meyer die Bewerbungsrede zu seiner Wiederwahl als Dekan am Freitagabend auf der Synode in Schaafheim gestellt. Für ihn sei dieser Satz ein „Kompass-Satz“, der ihm helfe zu unterscheiden, was Asche sei und was Flamme, was also hilfreich sei und was weg könne. Die Flamme weitergeben – das gilt für die Arbeit nach innen, also zwischen Dekanat, Diensten und Kirchengemeinden. „Beziehungen fördern, Kontakt herstellen, Hilfe anbieten“ sind Meyer wichtige Anliegen. Sei es durch den Aufbau einer gemeindeübergreifenden Trägerschaft für Kindertagesstätten, als Sprachrohr für die Anliegen der Gemeinden oder durch Ermutigung und das Angebot von Erfahrungsaustausch vor allem auch in Zeiten der Pandemie. Die Flamme weitergeben – das gilt auch für die Arbeit nach außen, das Wirken in die Gesellschaft hinein, etwa beim Klimawandel, dem Eintreten für Benachteiligte, in der Flüchtlingshilfe und im interreligiösen Dialog.

Blick nach vorne

Und die dritte Flamme schließlich ist der Blick nach vorne: „Die Zukunft hat mehr Gewicht als die Vergangenheit, denn sie ist der Zeitraum, in dem wir den Rest unseres Lebens verbringen möchten. Wir – und unsere Kinder erst recht“, sagte Joachim Meyer. Ein Weiter-so mit allen bisherigen Formen des Gemeindelebens könne es nicht geben. In der Pandemie sei viel Neues entwickelt worden. Die hohe Wahlbeteiligung bei der Kirchenvorstandswahl wertete der Dekan als „Vertrauensbeweis der Gemeindeglieder“. Und weiter: „Aus der Zukunft, von vorne kommt das Reich Gottes auf uns zu, nicht aus der Vergangenheit. Mit aller Anstrengung, die das bedeutet.“ Schließlich habe der liebe Gott uns auch die Augen vorne auf den Kopf gesetzt und nicht auf den Hinterkopf.

Kontinuität und Vorausblick

„Er vermittelt Kontinuität, aber auch Mut und Zuversicht für die Zukunft mit all den anstehenden Gestaltungsaufgaben und Herausforderungen“, sagte Pröpstin Karin Held. Sie erlebe ihn als guten Moderator, als Mann des Wortes, der strategisch denke und arbeite, mit einem zuverlässigen und präsenten Führungsstil, in wertschätzender Art und Weise.

Als Präses Dr. Michael Vollmer nach Abgabe der Stimmzettel das Ergebnis verkündete, erklang lang anhaltender Applaus. Von den 54 anwesenden Synodalen gaben 50 ihre Ja-Stimme, vier enthielten sich. „Du bist kein Einzelkämpfer, Du nimmst Ehrenamtliche, Du nimmst uns mit unseren Meinungen, unserer Haltung, unserer Kraft und unserer Schwäche ernst – es ist ein wirkliches Zusammenarbeiten als Team mit Dir“, sagte Dr. Michael Vollmer. „Es ist wunderbar, dass Du unser Dekan bist und bleibst auch nach 24 Jahren.“

Joachim Meyer (61) ist seit der Fusion der Dekanate Reinheim und Groß-Umstadt im Jahr 2010 Dekan des Dekanats Vorderer Odenwald. Zuvor war er von 1998 bis 2010 Dekan des Dekanats Reinheim. Der gebürtige Westerwälder hat in Bethel, Heidelberg und München Theologie studiert. Er ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt in Reichelsheim. Die neue Amtszeit von Joachim Meyer beginnt am 1. Juli 2022 und geht bis zu seiner Ruhestandsversetzung im Mai 2026.

„Die Kirche ist eine ewige Baustelle“

Nach einer Pause mit Verköstigung bei Sonnenschein im Schaafheimer Kirchgarten ging es mit dem Reformprozess „ekhn2030“ weiter. Pröpstin Karin Held hob hervor, dass die Kirche aus dem Evangelium heraus lebe und die Kommunikation des Evangeliums der Orientierungspunkt in allen Veränderungen bleibe. Veränderungen seien unabdingbar – sie sollten nah am Menschen geschehen, an den Mitgliedern und dem Gemeinwesen orientiert, doch werde die EKHN eine offene und öffentliche Kirche bleiben. Die Gesamtkirche sei zu großflächig, die Kirchengemeinden zu kleinteilig. „Wir werden also viel stärker regional denken und handeln müssen“, sagte die Pröpstin.

„Die Kirche ist eine ewige Baustelle“, sagte Oberkirchenrat Wolfgang Heine, Leiter des Dezernats für Organisation, Bau und Liegenschaften der EKHN. Das Dekanat Vorderer Odenwald zeichne sich dadurch aus, dass Entwicklungen frühzeitig erkannt wurden, so Heine mit Blick auf die frühe Fusion des Dekanats 2010, die bereits existierenden Gesamtkirchengemeinden Hergershausen-Sickenhofen und Klingen und das Gebäudeentwicklungskonzept in Reinheim. „Vertrautes aufgeben und mutig neue Wege gehen, ist nicht einfach.“

Alle Arbeitsbereiche betroffen

Die Zahlen sprechen für sich: Bis 2030 habe die EKHN 140 Millionen Euro weniger, 20 Prozent weniger Mitglieder, nur noch 1000 Pfarrstellen (heute sind es 450 mehr) und eine zu hohe Baulast. In verschiedenen Arbeitspaketen, so zum Beispiel Pfarrdienst, Kindertagesstätten und Gebäude, werden derzeit im Prioritätenprozess „ekhn2030“ Änderungsvorschläge erarbeitet. „Der Wandel betrifft alle Arbeitsbereiche der EKHN“, so Heine. Eine Idee sei, Verkündigungsteams in Nachbarschaftsräumen zu bilden. Bei den Gebäuden solle „ein qualitativer Konzentrationsprozess“ erfolgen. Der Zeitplan sehe vor, einen Teil der Beschlüsse schon jetzt zu treffen, um nicht die neue Synode, die sich im Frühjahr 2022 konstituiert, alles vorzulegen, sagte Heine.

Genau das aber war verschiedenen Kirchengemeinden im Dekanat Vorderer Odenwald zu schnell. Sie forderten, dass die  Beschlussfassung erst frühestens 2023 erfolgen soll. „Wichtig ist, in dem Prozess eine Pause zu machen, innezuhalten“, sagte Pfarrer Johannes Opfermann (Eppertshausen). „Wir beschäftigen uns schon lange mit dem Thema“, sagte Tobias Neidig (Jugendvertretung). Das Problem selbst  ließe sich nicht verschieben. Der Antrag, die Beschlussfassung auf 2023 in die neue Synode zu verschieben, wurde mehrheitlich angenommen, bei zehn Nein-Stimmen und vier Enthaltungen.

Abschied von Pröpstin Karin Held

Mit lange anhaltenden stehenden Ovationen wurde zum Ende der Tagung Pröpstin Karin Held verabschiedet. Seit 1998 steht sie der Propstei Starkenburg mit ihren aktuell 440.000 evangelischen Christinnen und Christen vor, zum Jahresende geht sie in den Ruhestand. Karin Held sei die Geburtshelferin des Evangelischen Dekanats Vorderer Odenwald gewesen, sagte Präses Dr. Michael Vollmer. Sie habe so viele festlichen Gottesdienste mitgefeiert, die Menschen kennen sie und umgekehrt. Sie nehme die Menschen ernst, höre zu, man spüre, „dass Sie die Menschen mögen und ihre Geschichten“. 

Zu Beginn der Synode waren die stellvertretende Dekanin Evelyn Bachler und Dekanatskantor Matthias Ernst geehrt worden. Evelyn Bachler wurde vor 25 Jahren als Pfarrerin ordiniert, Matthias Ernst hat vor 20 Jahren seinen Dienst als Dekanatskantor aufgenommen. In seinem Grußwort hatte Bürgermeister Daniel Rauschenberger seine Freude darüber, dass die Synode in Schaafheim tage und dass er eingeladen worden sei. Dies sei ein gutes Zeichen für eine gute Zusammenarbeit. In einer sehr persönlichen Andacht hatte der Schaafheimer Pfarrer Marcus David hervorgehoben, wie trostreich ihm Jesus Christus als der Retter sogar im Traum erschienen sei.

Mit einem Trompetenspiel von Dekanatskantor Matthias Ernst vom Turm der Schaafheimer Kirche und viel Gänsehaut klang die Synode aus.

Hintergrund
Die Synode ist das regionale Kirchenparlament des Evangelischen Dekanats Vorderer Odenwald. Es besteht aus 75 Personen und vertritt 40 Kirchengemeinden mit rund 53.000 Mitgliedern zwischen Babenhausen und Reichelsheim.

Gott stellt unsere Füße auf weiten Raum
und ich glaube, er tut das auch durch die,
die mit uns leben.

(Melanie Beiner zu Psalm 31,9)

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