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200 Jahre Seminar Herborn

Hessen-Nassaus „Hogwarts“ hat Geburtstag

Theologisches Seminar HerbornSchloss HerbornSchloss Herborn

Bafög der ganz besonderen Art: Anno 1584 versprach der Fürst seinen Studierenden in Herborn zwei warme Mahlzeiten und drei Liter Bier pro Tag. Heute lernen in der Stadt an der Dill angehende Pfarrerinnen und Pfarrer ihr Handwerk. Und das Schloss wird dabei zum Hogwarts der evangelischen Kirche.

Holger J. becker-von WolffSchloss HerbornSchloss Herborn

Herborn / Darmstadt 12. August 2018.  Das Theologische Seminar in Herborn hat am Sonntag (12. August) sein 200-jähriges Bestehen gefeiert. Die Einrichtung gilt als „Schmiede für das Pfarrhandwerk“ in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Seit 1818 werden in den Räumen des Schlosses hoch über der Stadt an der Dill evangelische Pfarrerinnen und Pfarrer über zwei Jahre hinweg ausgebildet. Derzeit laufen vier Kurse mit 70 angehenden Geistlichen. Die Theologinnen und Theologen leben in Herborn gemeinsam mit drei Professoren unter einem Dach und arbeiten dabei beispielsweise an ihren Fähigkeiten auf der Kanzel, in der Seelsorge oder im Religionsunterricht. Pfarrerinnen und Pfarrer nennen das historische Gebäude mit seinen Giebeln und Türmen auf dem Schlossberg in Anspielung auf die Zauberschule der Romanfigur Harry Potter deshalb auch scherzhaft das „Hogwarts“ der evangelischen Kirche. Das Haus in Herborn dient heute zugleich als modernes Tagungshotel.  

Hoher Anspruch - unabhängiger Geist

Die Stellvertretende hessen-nassauische Kirchenpräsidentin Ulrike Scherf würdigte bei der Jubiläumsfeier die Ausbildungsstätte als Ort „mit hohem Anspruch“. In Herborn würden neueste wissenschaftliche Erkenntnisse der Theologie in die Praxis umgesetzt. Kennzeichnend für das Seminar sei auch der unabhängige Geist der Einrichtung. Theologinnen und Theologen würden nicht „auf Linie“ gebracht, sondern könnten ihre „je eigene pastorale Identität“ entwickeln. Scherf hob auch die relativ neue Möglichkeit in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau hervor, nach einem berufsbegleitenden Zweitstudium in den Pfarrberuf einsteigen zu können. Für Seminardirektor Peter Scherle sind Historie und Gegenwart in Herborn mit Händen zu greifen. „Wenn man durch die Gänge des Schlosses geht und die alten Kämpen in ihren Gemälden an der Wand hängen sieht, ist es ein besonderes Gefühl“, gerät er ins Schwärmen.

Bewegte Geschichte – weltweite Perspektive

Am 25. Juli 1818 ordnete die nassauische Landesregierung in Wiesbaden die Errichtung eines Evangelischen Theologischen Seminars in Herborn an. Niemand sollte fortan mehr ohne profunde Ausbildung auf die Kanzel steigen dürfen. Das ist bis heute in Hessen und Nassau so. Dabei knüpfe das Seminar an eine große Bildungstradition vor Ort an. Schon 1584 gründete Graf Johann VI. von Nassau-Dillenburg die „Academia nassauensis“ als reformierte Hochschule mit den Fakultäten Theologie, Philosophie, Jura und Medizin. Sie besaß eine eigene Druckerei, eine Apotheke, ein anatomisches Institut und sogar eine Geburtsstation. Und: Der Graf garantierte seinen Studenten zwei warme Mahlzeiten und drei Liter Dünnbier pro Tag. Die „Hohe Schule“ machte sich ab dem 17. Jahrhundert auch weltweit einen Namen. Sie gab gewaltige Nachschlagewerke heraus, die das damals gesammelte Wissen in sich vereinten. Herborn unterhielt dabei Kontakte bis nach Übersee. Die Drucke aus Hessen gehörten zum Beispiel an dem 1723 neu gegründeten namhaften US-College Harvard zur Pflichtlektüre. Bis heute zählen deshalb auch wertvolle Folianten zum Bestand der über 70.000 Bände zählenden Bibliothek des Herborner Schlosses.

 

 

Christus spricht: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.

Matthäus 25, 40

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von gettyimages/tolga tezcan

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