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Behinderte

Inklusionslotsen verhelfen Menschen mit Behinderung zum Job

Peter Bongard/Dekanat SeltersJörg leidet an Tetraspastik, hat aber Perspektiven im Leben - auch dank des Projektes Inklusionslotse: Dort erlebt er nicht nur gemeinsame Aktivitäten mit anderen Teilnehmern - zum Beispiel das gemeinsame Kochen - sondern wird allmählich fit für den Wiedereinstieg in die Arbeitswelt gemacht.

Für manche Menschen ist es schwer im Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Im Westerwald helfen jetzt „Kümmerer“ Menschen mit Behinderung bei ihrem Weg zur Arbeit und darüber hinaus.

Am Abend fühlt es sich an wie Pudding. Kein Wunder, schließlich sind die Muskeln in Jörgs Beinen ständig angespannt. Er leidet an einer Tetraspastik, die ihn seit fast neun Jahren an den Rollstuhl fesselt. Und die ihm seinen Job als Technischer Zeichner und Anlagenbauer genommen hat. „Mit einem Rollstuhl kann ich eben keine Baustellen mehr besuchen “, sagt er. Doch Jörg wirkt nicht verbittert. Im Gegenteil: Er ist ein sympathischer Typ und lacht viel. Denn er hat eine neue Perspektive. Seit März nimmt Jörg an der Maßnahme „Inklusionslotse – Hand in Hand zum Job“ teil, die Menschen mit Behinderung den Weg ins Berufsleben ebnet.

Der Inklusionslotse ist ein gemeinsames Projekt der Barmherzigen Brüder Saffig, der Caritas, des Heinrich-Hauses, der Stiftung Bethesda und des Diakonischen Werks im Westerwaldkreis. Martin Willuweit erlebt als Diakoniemitarbeiter fast täglich, wie schwer es für Menschen mit Beeinträchtigung ist, im Job  Fuß zu fassen. Gemeinsam mit Susan Meike, Ruben Rhensius, Jörg Hadzik und Rüdiger Merz bildet er das fünfköpfige Lotsen-Team für die Standorte Montabaur und Lahnstein, das sich um Menschen mit „multiplen Vermittlungshemmnissen“ kümmert; also um solche, die an psychischen und körperlichen Beeinträchtigungen leiden. „Diese Leute haben einen beruflichen Werdegang hinter sich, können die Arbeit wegen der Behinderung aber nicht mehr ausüben“, erklärt Willuweit. „Andere haben sich regelrecht kaputtgeackert oder sind durch die lange Arbeitslosigkeit depressiv geworden.“

Lotsen sind Ansprechpartner und „Kümmerer“

Für solche Menschen sind die Lotsen da. Sie sind Ansprechpartner, Koordinator, „Kümmerer“ und helfen ihnen, in vier Stufen zurück in den Job zu finden. „Während der ersten Stufe lernen wir unsere Klienten erst einmal kennen“, erzählt Ruben Rhensius. „Danach beginnt die zweite Phase – eine Zeit, in der wir unter anderem Herausforderungen und Chancen entdecken, berufliche Ziele formulieren, Fähigkeiten herausarbeiten.“ Während der dritten Phase begleiten die Lotsen die Klienten nach wie vor mit Gruppenangeboten und Einzelgesprächen. Zudem können die Betroffenen nun wieder in die Arbeitswelt hineinschnuppern, sich Betriebe ansehen und sich in Praktika ausprobieren. Das Programm endet mit der vierten Phase, der Stabilisierungsphase. Wobei das Ende kein abruptes, sondern ein langsam ausklingendes ist. Die Lotsen begleiten die Teilnehmer auch nach dem Ende der Maßnahme und sind bei Fragen und Konflikten zur Stelle. Auch für die Firmen sind sie da, um ihnen den Umgang mit den neu eingestellten Arbeitnehmern zu erleichtern.

Keine Arbeit nach „Schema F“

Das alles kann bis zu einem Jahr dauern. Eine Zeit, die notwendig ist, meinen die Lotsen. „Es dauert eben, bis die Klienten Vertrauen zu uns fassen“, sagt Susan Meike. „Schließlich ist es keine Arbeit, die nach Schema F abläuft. Wir haben mit Menschen zu tun, die ihre eigene, schwierige Geschichte mitbringen. Wir Mitarbeiter müssen diesen Menschen mit Herzblut begegnen, Beziehungen zu ihnen aufbauen und ihnen helfen, negative Selbsteinschätzungen zu überwinden.“

Es geht eben nicht darum, sie auf Biegen und Brechen in Lohn und Brot zu stellen, unterstreicht Martin Willuweit abschließend. Manchmal hilft es mehr, wenn die Betroffenen erst einmal an einer Therapie teilnehmen. „Auch das kann das Ergebnis der Arbeit der Inklusionslotsen sein. Wichtig ist eben, das Beste für den Menschen zu finden.“ 

Gemeinsam erleben, dass es weiter geht

Für Menschen wie Jörg, der weiß, dass seine Entscheidung für die Inklusionsmaßnahme eine gute war. „Wegen meiner Behinderung habe ich alleine wohl kaum eine Chance, einen vernünftigen Job zu bekommen“, sagt er. „Aber nun stehen mir die Lotsen zur Seite und machen sich für mich stark. Und ich lerne in der Maßnahme viele Leute kennen, denen es genauso geht wie mir. Gemeinsam lachen wir viel – und erleben, dass es weitergeht.“ 

Hintergrund
Das Projekt Inklusionslotse läuft in Kooperation der Agenturen für Arbeit Montabaur, Koblenz-Mayen und Neuwied sowie der dazu gehörigen Jobcenter. Die Mittel zur Finanzierung fließen aus dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Es hat insgesamt 80 Millionen Euro bereitgestellt, um Schwerbehinderte in Arbeit zu bringen, und es hat die „Deutsche Luft und Raumfahrt“ in Bonn mit der zentralen Projektleitung beauftragt. 
Auch die praktische Umsetzung läuft partnerschaftlich; fünf Bildungsträger haben sich zusammengeschlossen: die Barmherzigen Brüder Saffig, der Caritas, des Heinrich-Hauses, der Stiftung Bethesda und des Diakonischen Werks im Westerwaldkreis.

Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi.

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