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Kunst und Religion

Kunst im Kontext: Ein Werk aus zwei Perspektiven betrachten

Staedel

Kunst und Religion sind eng miteinander verbunden. Von den Anfängen der Kirche über das Mittelalter bis hin zu Künstlern wie Gaudí gab es viele Künstler, die für die Kirche gearbeitet haben. Und auch heute findet sich in fast jeder Kirche mindestens ein Kunstwerk. Was genau diese Beziehung für die Werke bedeutet, erfahren die Besucher bei speziellen Führungen im Frankfurter Städel mit zweifacher Sichtweise.

Erika von Bassewitz"Abrahams Opfer" wird Cornelis de Vos zugeschrieben und misst 222 cm x 178 cm

Er will zustechen und holt aus. Vor ihm liegt das Opfer, das sich nicht wehrt. Trotzdem hält er es am Kopf, vielleicht, um den richtigen Winkel für seinen schnellen Tod zu finden. Schließlich soll sein Sohn das Opfer sein. In diesem Augenblick spricht ein Engel zu ihm: 

Lege deine Hand nicht an den Knaben und tue ihm nichts; denn nun weiß ich, dass du Gott fürchtest und hast deines einzigen Sohnes nicht verschont um meinetwillen. (1. Mose, 22,12).

Abrahams Opfer im Städel

Diese Szene aus dem Alten Testament verbildlichte Cornelis de Vos vermutlich um 1631 in seinem raumfüllenden Gemälde „Abrahams Opfer“. David Schnell, Pfarrer für Stadtkirchenarbeit am Museumsufer, steht vor dem Bild und erzählt die biblische Geschichte. Er ist selbst Protestant, trotzdem kann er sich auch für katholische Altargemälde begeistern. „Auch Kunstwerke können die religiöse Botschaft unterstützen“, erklärt er und verweist auf Luther. „Allerdings sollten sie nicht angebetet werden.“ Gemeinsam mit der Kunsthistorikerin Maria Reith-Deigert führt er regelmäßig Besucher durch das Städel und das Liebieghaus. Anders als bei anderen Führungen fokussiert sich das Team dabei stets auf ein Werk, das gut eine Stunde lang erläutert wird.

Kunstgeschichte und Theologie ergänzen sich

Sie beschreibt ausführlich besondere Details des Werkes, die einem ungeübten Betrachter schnell entgehen. Welche Bedeutung hat das Weihrauchfass am unteren Bildrand? Wieso ist Isaak so seltsam gefesselt? Und wieso wird das Bild jetzt de Vos zugeschrieben, während es doch lange Zeit als echter Rubens galt? Reith-Deigert gibt Antworten auf Fragen, die einem selbst nicht bewusst werden. Pfarrer Schnell hingegen ordnet das Bild theologisch ein und verknüpft dabei seine lebhafte Erzählung mit persönlichen Erlebnissen.

Ein Altargemälde als Zeitzeuge

„Das Gemälde beeindruckt durch seine Größe, aber es ist eigentlich nicht von überragender Qualität“, stellt die Kunsthistorikerin fest. Trotzdem hängt es im renommierten Städel, in der Dauerausstellung der Alten Meister. Denn das Bild ist in Antwerpen an der katholisch-protestantischen Grenze entstanden, mehr noch, auf dem Gebiet der katholischen Gegenreformation in unmittelbarer Nähe der calvinistischen Niederlande. „Dieses Bild sollte die Menschen berühren und emotional ansprechen, “ ergänzt Schnell. „Damit stand es im Gegensatz zum verkopften Protestantismus.“

„Kunst und Religion“ ist ein Dauerbrenner

Der evangelische Pfarrer wechselt sich bei den Führungen mit seinem katholischen Kollegen ab, zu Sonderausstellungen oder kirchlichen Feiertagen bieten sie weitere Vorträge an. Seit bald zehn Jahren erklären die Geistlichen Gemälde im Städel. „Das Publikum ist sehr gemischt, “ erzählt Schnell. „Es gibt viel Laufkundschaft, aber auch eine Kerngemeinde von 10 bis 15 Personen, deren Gesichter ich immer wieder sehe.“ Er selbst freut sich auf die Führungen, denn er lerne durch die kunsthistorische Betrachtung auch immer wieder neue Aspekte kennen. Ähnlich ergeht es der Kunsthistorikerin Reith-Deigert: „Ich mache auch neue Entdeckung durch die theologische Herangehensweise meiner Kollegen.“ 

Kunst und Religion erfahren 

Kunst und Religion bei Vincent van Gogh
In Bad Vilbel bieten das Dekanat Wetterau und die evangelische Kirchengemeinde Dortelweil von März bis November 2014 eine Seminarreihe zum Maler Vincent van Gogh an. Dieser wollte eigentlich Pfarrer werden, wie auch sein Vater. Unter dem Titel „Vincent van Gogh – Ein Leben zwischen Religion und Kunst“ folgen die Referenten den Stationen seines Lebens. Höhepunkt soll im Oktober eine gemeinsame Studienreise nach Amsterdam ins Van-Gogh-Museum werden.

Kunst und Religion im Museum Wiesbaden
An jedem ersten Dienstag im Monat um 18:30 Uhr treten die Kunsthistorikerin Dr. Simone Husemann und der Theologe Dr. Stefan Scholz in den Dialog über ein Kunstwerk des Wiesbadener Museums. Die Teilnahmegebühr beträgt 3 Euro. 

Kunst und Religion im Ikonenmuseum
Jeden dritten Mittwoch um 19 Uhr wird bei den Ikonenbegegnungen im Frankfurter Ikonenmuseum ein Heiligenbild kunsthistorisch und theologisch eingeordnet, erläutert, gedeutet und musikalisch von einem Pianisten interpretiert. Der Eintritt beträgt 4 Euro, ermäßigt 2 Euro.

Kunst und Religion im Liebieghaus
Jeden dritten Donnerstag im Monat um 19.30 Uhr widmen sich ein Theologe und ein Kunsthistoriker ausgewählten Skulpturen des Frankfurter Liebieghauses und geben ihre Perspektiven an die Besucher weiter. Die Teilnahme ist im Eintrittspreis enthalten.

Kunst und Religion im Städel-Museum
Jeden vierten Donnerstag im Monat um 19.30 Uhr, sowie an einigen Feiertagen um 15.00 Uhr, diskutieren ein Kunsthistoriker und ein Theologe ein ausgewähltes Gemälde und legen ihre Sichtweisen dar. Die Teilnahmegebühr ist im Eintrittspreis enthalten. 

Veranstaltungstipps

Gott stellt unsere Füße auf weiten Raum
und ich glaube, er tut das auch durch die,
die mit uns leben.

(Melanie Beiner zu Psalm 31,9)

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