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Diakonie will Angebot erweitern

Leben in Gastfamilien

bbiewAuf der Gartenbank ist noch Platz - Ulrike Schütz mit ihren beiden Gästen.

„Haben Sie ein Zimmer frei?“ Als Ulrike Schütz diese Frage in der Zeitung las, konnte sie das bejahen. Aber wollte sie auch einen psychisch kranken Menschen aufnehmen? Sie hat es getan und sie hat es nicht bereut.

bbiewThomas und Otto - zwei, die sich verstehen.

Ulrike Schütz lebt in Mörlenbach. Sie war auf das Projekt „Leben in Gastfamilien“ aufmerksam geworden, mit dem das Diakonische Werk Bergstraße Menschen mit einer psychischen Erkrankung das Leben in einer „normalen“ Umgebung ermöglichen will. Im Kreis Bergstraße sind es derzeit 10 Familien, die ihren insgesamt 12 Gästen die Unterbringung in einem Heim erspart haben.

Die Enkelkinder finden es toll

Bevor Ulrike Schütz vor fünf Jahren Thomas aufnahm, hatte sie lange und intensiv darüber nachgedacht, ob sie tatsächlich mit einem psychisch kranken Menschen unter einem Dach zusammenleben wolle. Sie entschied sich schließlich dafür. Ihre beiden Töchter waren zu dem Zeitpunkt bereits aus dem Haus. Es war also Platz genug da. Heute sagt sie: „‘‘Ich bin froh, dass ich den Thomas habe. Er ist ein hilfsbereiter und herzensguter Mensch“. Tagsüber ist der 57jährige in der Tagesstätte der Diakonie im benachbarten Wald-Michelbach. Gemeinsam mit 15 anderen stehen für ihn dann Ergo-Therapie, Arbeitstraining, Kochen oder Malen auf dem Programm. Zu Hause in Mörlenbach hilft er, wo er kann, insbesondere bei der Gartenarbeit. Gärtnern hatte er früher bei der Stadtgärtnerei in Weinheim gelernt. „Für dich mache ich alles“, sagt er manchmal zu Ulrike Schütz. Ihre Tochter im Nachbarort nimmt ihn auf, wenn sie selbst in den Urlaub fährt. Und das finden insbesondere ihre vier Enkelkinder toll, die den Gast häufig und gern beim Spielen in Beschlag nehmen.

"Hier fühle ich mich wohl"

Thomas ist in einem Heim aufgewachsen. Seine Eltern hat er nie kennen gelernt . Über seinen jetziges Zuhause sagt er voller Überzeugung: „Hier ist es viel besser als im Heim. Hier fühle ich mich wohl.“ Mit der Nachbarschaft gab es keine Probleme, als er nach Mörlenbach zog. Kritische Stimmen sind der Gastfamilie jedenfalls nicht zu Ohren gekommen. „Im ländlichen Raum ist die Akzeptanz und Aufnahmebereitschaft mitunter höher als in der Stadt“, sagt Elisabeth Damm vom Diakonischen Werk Bergstraße. Sie betreut das Projekt „Leben in Gastfamilien“ und dazu gehören auch regelmäßige Besuche der Gastfamilie und insbesondere die Unterstützung in der Anfangszeit. „Es dauert in der Regel ein Jahr, bis man sich aneinander gewöhnt hat“, sagt Damms Kollege Carsten Englert, der darauf hinweist, dass akut Kranke mit Psychosen und Suchtproblemen nicht in Gastfamilien vermittelt werden.

An Ulrike Schütz wurde jetzt ein zweiter Gast vermittelt. Für den 71jährigen Otto war das Glück im Unglück. Er lebte sehr zufrieden bei einer Frau, die nach einer Krankheit verstarb. Ulrike Schütz hat ihn vorübergehend aufgenommen, bis sich eine neue Gastfamilie findet. „Wir helfen uns gegenseitig“, sagt er über das neue Zusammenleben mit Thomas und Ulrike Schütz. Auch sie meint, dass ihre beiden Schützlinge gut miteinander auskommen. „Neulich wurde Holz angeliefert und in kürzester Zeit haben die beiden die Scheite akkurat gestapelt. Da ging eine Hand in die andere“, berichtet sie voller Achtung. 

"Es ist ein Geben und Nehmen"

Ulrike Schütz sagt von sich, dass ihre jetzt zwei Mitbewohner ihr Leben bereichern, Eine Erfahrung, die nach Angaben von DW-Mitarbeiterin Elisabeth Damm häufig gemacht wird. „Es ist ein Geben und Nehmen. Derjenige, der einen Gast aufnimmt, bekommt auch etwas zurück“. Damit ist nicht Geld gemeint. Auch wenn die Gastfamilien für das gemeinsame Leben mit einem psychisch Kranken eine steuerfreie Aufwandsentschädigung erhalten. Sie beträgt aktuell 951 Euro pro Monat inklusive Miete und Verpflegung.

Das Diakonische Werk möchte im Landkreis Bergstraße flächendeckend Gastfamilien finden. Es gibt es derzeit einige weiße Flecken im Ried und entlang der Bergstraße. „Für das gemeinsame Leben mit psychisch kranken Menschen wünschen wir uns bis zu 20 Gastfamilien“, betont Eilsabeth Damm. Dreimal im Jahr treffen sich die Gastfamilien im Kreis Bergstraße zu einem Stammtisch. Es ist wie ein Verwandtschaftstreffen, bei dem auch Probleme angesprochen und vor allem Erfahrungen ausgetauscht werden.

"Das ist meine Mutter"

Eine Erfahrung ist Ulrike Schütz in lebhafter Erinnerung geblieben. Als Thomas einmal stationär in der Heppenheimer Vitos-Klinik behandelt wurde und sie ihn besuchte, rief der 57jährige voller Freude den verdutzten Pflegekräften zu: „Das ist meine Mutter!“ Ulrike Schütz ist 55 Jahre alt.

Kontakt „Leben in Gastfamilien“
Diakonisches Werk Bergstraße
Psychosoziales Zentrum
Elisabeth Damm, Diplom-Sozialpädagogin
Carsten Englert, Diplom-Sozialarbeiter
E-Mail: elisabeth.damm@dw-b.de
E-Mail: carsten.englert@dw-b.de
Telefon Zentrale 06253 9898-0
Telefax Zentral 06253 9898-10
Schlossstr. 52a
64668 Rimbach  

Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man um so mehr fordern.

Lukas 12, 48

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von gettyimages/ekely

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