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USA-Iran Konflikt

Militärbischof Rink: "Es ist ein Gefühl großer Bedrohung"

grynold/gettyimages

Nach der Tötung des iranischen Generals Ghassem Soleimani durch US-Streitkräfte und den iranischen Raketenangriffen auf US-Stützpunkte im Irak liegen die Nerven im Nahen Osten blank. Deutsche Soldaten sind im Irak und in Jordanien stationiert. Der evangelische Militärbischof Sigurd Rink steht in engem Kontakt mit den Seelsorgern dort. Mit dem epd hat er über die Situation gesprochen.

Gemeinnützige Medienhaus GmbHPortrait Propst Dr. Sigurd RinkMilitärbischof Dr. Sigurd Rink

epd: Iranische Raketen sind im Raum Erbil eingeschlagen, wo auch deutsche Soldaten stationiert sind. Wie beunruhigt sind die deutschen Soldaten?

Militärbischof Rink: Es ist ein Gefühl großer Unsicherheit und großer Bedrohung dort, und ich bin sehr froh, dass wenigstens die deutschen Kontingente aus Tadschi und aus Bagdad in Sicherheit gebracht worden sind. Ich hoffe, dass das auch für das Kontingent in Erbil passieren wird. Schwierig ist die Situation nicht nur für die Soldatinnen und Soldaten selbst, sondern natürlich auch für die Familien zu Hause.

epd: Suchen die Soldatinnen und Soldaten den Kontakt zu den Militärseelsorgern?

Rink: Es ist häufig ein ganz direkter Kontakt, der da entsteht. Wir kennen das zum Beispiel aus Afghanistan oder Mali: Wenn Menschen Patrouille gefahren sind, kommen sie anschließend ins Lager zurück. Manche von den Soldatinnen und Soldaten sagen uns dann: Unser erster Gang war in die Kirche, oder: Unser erster Gang war zum Pfarrer. Das geht weit über Konfessionsgrenzen und Kirchenmitgliedschaften hinaus. Es gibt Soldaten, die aus dem Lager hinausfahren und erst ein Vaterunser sprechen oder die anschließend sich zum Gottesdienst oder Gebet versammeln. Es gibt ein schönes Sprichwort, das heißt: Not lehrt beten, und in diesen existenziellen Situationen ist das doppelt wahr.

epd: Der Auftrag der internationalen Koalition, den IS zu besiegen, ist noch nicht erledigt. Halten Sie es für richtig, dass die Bundesregierung nun einen Teil der deutschen Soldaten aus dem Irak abzieht?

Rink: Es geht zurzeit gar nicht anders, weil die Bedrohungslage so unmittelbar ist, wie die vergangene Nacht gezeigt hat. Natürlich müssen die Soldatinnen und Soldaten, die ja keinen Kampfauftrag, sondern einen Trainingsauftrag vor Ort haben, auch entsprechend geschützt werden, sozusagen in einen sicheren Hafen geführt werden. Dort muss man dann entscheiden, ob sich die Situation wieder entsprechend entspannt. Ich bin da in großer Besorgnis, weil wir uns zurzeit in einer Eskalationsschleife befinden.

Natürlich sind alle internationalen Streitkräfte, zuvörderst die der USA, unmittelbar im Blickfeld. Es gibt Kräfte, denen es eine Genugtuung wäre, internationale Streitkräfte zu treffen. Von daher kann ich die Entscheidung der Bundesregierung nachvollziehen, zunächst einmal Luft zu holen, und vor allem abzuwarten, wie nun die irakische Regierung damit umgeht: Möchte man weiter die internationalen Kräfte im Land haben oder nicht? Das war immer schon eine notwendige Bedingung für den Einsatz der Bundeswehr.

So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge,
sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.

Epheser 2,19

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von gettyimages /nottomanv1

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