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Sommerfreizeiten

Nach Corona: Jugendliche müssen Gemeinschaft neu lernen

David MetzmacherEvangelische JugendfreizeitZusammen verreisen. Wie hier auf einer Ferienfreizeit in den Niederlanden. Das müssen viele Kids erst wieder lernen.

Kinder und Jugendliche haben in der Pandemie viel verpasst. Bei Freizeiten in den Sommerferien müssen viele das Leben in der Gruppe neu einüben.

Bevor sie sich mit Klassenkameradinnen am See trifft, erzählt Emilia, überlege sie genau, welche Themen sie ansprechen wolle. Die Corona-Zeit mit Homeschooling und Wechselunterricht habe in ihrer Klasse deutliche Spuren hinterlassen. „Man ist sich fremd geworden“, sagt die 17-Jährige. Ihre Klasse zerfalle in Lager, viele Mitschülerinnen seien noch zurückhaltend. „Mir fehlen die Gruppenkontakte. Wo ist mein Platz? Da habe ich am meisten verpasst.“

Jugendliche haben Treffen mit Freunden verlernt

Es sei jetzt wichtig, mit Kindern wieder ein soziales Leben einzuüben, „denn ich höre immer wieder, dass sie regelrecht verlernt haben, sich zu verabreden“, sagt Christine Weg-Engelschalk, die beim Religionspädagogischen Institut in Gießen als Studienleiterin für Schulseelsorge zuständig ist. „Ich nehme eine große Erschöpfung wahr bei Eltern, Jugendlichen und Kindern.“ Die evangelische Pfarrerin rät daher Familien, die Ferienzeit erholsam draußen zu verbringen, egal ob im Urlaub oder am Badesee, zusammen mit Freunden, im Sportverein oder in der Jugendgruppe.

Bund gibt zwei Milliarden Euro für Kinder und Jugendliche

Um Versäumtes nachzuholen, hat die Bundesregierung ein Aufholprogramm für Kinder und Jugendliche beschlossen. Bis Ende 2022 stehen zwei Milliarden Euro unter anderen für Ferienfreizeiten, Aufenthalte in Familienferienstätten oder Nachhilfe zur Verfügung. Das sei „relativ viel Geld für relativ wenig Zeit“, sagt die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Maike Finnern. „Die einfachste Lösung ist natürlich, den Kindern Gutscheine für Nachhilfe in die Hand zu drücken.“

Ferien nicht zum Lernen nutzen

Davon hält sie allerdings wenig. „Es ist völlig falsch, jetzt in den Ferien Inhalte zu pauken.“ Nach anderthalb weitgehend vor Computern und Handys verbrachten Jahren sollten Schüler nicht auch noch die Ferien online verbringen. Finnern fordert Kommunen und Schulträger auf, „gute Ferienangebote» zu entwickeln: raus in die Natur, «voneinander und miteinander lernen“.

Nur kann und will nicht jeder gleich wieder voll durchstarten. Man müsse der Tatsache Raum geben, dass Corona ein einschneidendes Ereignis sei, betont die Marburger Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Kristin Gilbert. Eltern könnten ihre Kinder beispielsweise jetzt zu Unternehmungen ermutigen, aber „langsam und vorsichtig, wenn die Motivation da ist“. Einige bräuchten einfach noch Zeit. Und das sollten die Eltern nicht sofort als Krankheitszeichen deuten.

"Soziale Interaktion ist mehr als ein Gespräch am Bildschirm"

Die Psychologie wisse, dass bei Kindern und Jugendlichen „mit zunehmenden Alter Kontakte mit Gleichaltrigen eine immer größere Rolle spielen“, erklärt der Marburger Sozialpsychologe Ulrich Wagner. Wenn sich Jugendliche nun anderthalb Jahre nicht in ihren Freundesnetzwerken treffen konnten, befürchte er, „dass da viel gelitten wurde und dass es schwierig wird, das nachzuholen“.

Viele Kontakte liefen über Handys und Computer, aber soziale Interaktion sei mehr als ein Gespräch am Bildschirm, betont der emeritierte Psychologie-Professor. Die erste Beziehung knüpfen, „das kann man nicht durch den Computer ersetzen, dafür braucht es den direkten Kontakt“. Als Junge ein Mädchen zu treffen, so sagt er, das müsse man erst mal lernen.

Jugendarbeit für junge Erwachsene 

Aber es gibt auch das andere Extrem: Gruppen von Jugendlichen, die durch exzessives Partymachen auffallen. Eine Ursache der Ausschreitungen sei, dass Diskotheken und Clubs geschlossen seien, sagt Wagner. „Es zeigt, dass wir viel zu wenig Angebote für Jugendliche außerhalb der kommerziellen Angebote haben.“ Wagner hält es deshalb für eine gesellschaftliche Pflicht, jetzt Möglichkeiten zu schaffen, damit Jugendliche ihren Interessen nachgehen könnten. Das müsste „systematisch als Frage der Stadtplanung“ betrachtet werden, etwa indem Sportplätze geöffnet oder nicht-kommerzielle Musikveranstaltungen organisiert würden. Corona mache deutlich: Es gebe keine Jugendarbeit für junge Erwachsene.

In Bezug auf die weitere Corona-Prävention fordert Wagner, „die gesamte Aufmerksamkeit“ auf die Gruppe der Kinder und Jugendlichen zu richten: „Für eine Gesellschaft ist es fatal, wenn die heranwachsende Generation den Eindruck hat, die Politik würde sie nicht vertreten.“

Emilia gehört nicht zu denen, die nun ständig Party machen wollen. In den Ferien will die 17-Jährige „den Kopf frei bekommen“, das Schuljahr war stressig. Ihre Pläne: erst einen Freund besuchen, dann auf eine Freizeit fahren und anschließend mit den Eltern an die Ostsee.

Von Stefanie Walter

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Was auch geschehen mag,
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Gott hat versprochen „meine Gnade soll niemals von dir weichen
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(Anke Leuthold zu Jesaja 54,10)

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