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Deutsche Bank

Ordensleute werfen mit Geld

R. DeschnerOrdensleute protestierenSammelbüchse für die Aktionäre der Deutschen Bank – eine Aktion der Ordensleute für den Frieden

In 6000 Rechtsstreitigkeiten ist die Deutsche Bank verwickelt. Das Leid der Menschen, das indirekt damit verbunden ist, ist unsichtbar. Um darauf aufmerksam zu machen, haben die „Ordensleute für den Frieden“ mit Geld geworfen. EKHN-Referent Ralf Stroh erinnert daran, was Menschen verändern kann.

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6000 Cent-Stücke haben Mitglieder der „Initiative Ordensleute für den Frieden“ (IOF) vor die Füße von Aktionären geworfen, als sie zur Hauptversammlung der Deutschen Bank am 19. Mai 2016 in die Festhalle der Messe in Frankfurt eingezogen sind. „Die Deutsche Bank ist momentan in 6000 Rechtsstreitigkeiten verwickelt, daran erinnern wir mit den 6000 Münzen“, erklärt Gregor Böckermann, Sprecher der Ordensleute. Zur IOF gehören derzeit rund zehn Mönche und Nonnen, aber auch evangelische und katholische Kirchenmitglieder und weltlich orientierte Bürgerinnen und Bürger. Die Initiative sieht in der Deutschen Bank ein Symbol für das kapitalistisches Wirtschaftssystem, durch das „wenige Menschen in Deutschland immer reicher und viele immer ärmer werden lässt. Dagegen protestieren wir!“

Aktion mit augenzwinkernder Ironie

Pfarrer Dr. Ralf Stroh, Theologischer Referent für Wirtschafts- und Sozialethik im Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der EKHN, begrüßt die Aktion: „Wir gewöhnen uns viel zu leicht an überkommene Üblichkeiten und Verhältnisse – sei es aus Bequemlichkeit, sei es aus dem Gefühl der Ohnmacht heraus. Darauf hinzuweisen, dass alles auch ganz anders sein könnte und es Alternativen gibt, ist für unser Zusammenleben immer ein Gewinn. Das gilt auch für den Bereich der Wirtschaft“.

Schwarzgeld in Steuerparadiesen

Vor allem kritisieren die Ordensleute, dass auch mit Hilfe der Deutschen Bank „über 4.000 Mrd. Euro Schwarzgeld in Steuerparadiesen landen“. Schwester Klarissa Watermann, katholische Nonne bei den Dominikanerinnen von Bethanien und Mitglied der Initiative, macht deutlich, was diese Praxis bedeutet: „Steuern kommen der Allgemeinheit zugute. Und die Deutsche Bank hat reichen Menschen geholfen, Steuern zu hinterziehen, also Geld der Allgemeinheit zu entziehen. Das ist illegal.“  Auf Anfrage antworte Klaus Thoma von der Presseabteilung der Deutschen Bank: „Die Deutsche Bank ist sich der Tragweite der Angelegenheit bewusst. Wir haben unsere Prozesse zur Aufnahme von Kunden und die Überprüfung, mit wem wir Geschäfte tätigen, verbessert.“ Thoma erklärt, dass die Deutsche Bank selbstverständlich die Meinung anerkenne, dass die „Offshore“ Anlage von Geldern oder Vermögenswerten zur Steuerhinterziehung, Geldwäsche oder andere Finanzdelikte benutzt wurde und werden könne. Deshalb verfüge sie über entsprechende Richtlinien und Verfahren. Allerdings bemerkt er auch: „Offshore Banking kann aber auch legitime Vorteile für Kunden haben. Es kann eine Diversifikation von Länderrisiken und Währungen bedeuten und Kunden Zugang zu etablierten Finanzzentren in Ländern mit politischer und ökonomischer Stabilität und mit einem  entsprechenden Bankangebot geben.“

Kritik an einem Wirtschaftssystem, das die Armen ärmer und die Reichen reicher werden lässt

„Die Deutsche Bank ist nicht besser oder schlechter als andere Banken. Sie ist ein Symbol für ein ungerechtes, kapitalistisches Wirtschaftssystem, das Menschen ausbeutet“, erklärt Ordensfrau Klarissa. Zunehmend hätten die Ordenleute den Eindruck, dass das Wirtschaftssystem oft die Ursache für Armut, Umweltverschmutzung, Rüstung und Flucht sei. Sie skizziert die Entwicklung: „Wenige Menschen werden immer reicher und viele andere werden immer ärmer und werden schließlich ausgebeutet – auch bei uns in Deutschland.“ Sprecher Gregor Böckermann pflichtet ihr bei, denn das Auseinanderdriften der Schere von Arm und Reich hätten inzwischen zahlreiche Studien belegt, zudem gerate die Mittelschicht immer mehr unter Druck. „Die Altersarmut bezeugt, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der Menschen nicht mehr in Würde leben und altern können“, verdeutlicht er. „Jesus wollte, dass alle Menschen ein Leben in Fülle führen können – doch das ist heute zu einem beträchtlichen Teil nicht der Fall“, so Böckermanns Einschätzung.

Veränderung beginnt beim Essen, Trinken und Reden

Deshalb postuliert die Initiative: „Dieses kapitalistische Wirtschaftssystem ist mit dem Christentum nicht vereinbar, denn hier wird der Mensch geopfert für ein System, in dem das Geld den höchsten Wert darstellt.“ Hier macht EKHN-Wirtschaftsethiker Stroh allerdings deutlich, dass er eine pauschale Verurteilung des kapitalistischen Wirtschaftssystems nicht teile, sofern nicht näher definiert werde, was genau man damit meine. Laut Ralf Stroh brauche es eher ein gesellschaftliches Format, in dem frei darüber geredet werden kann, wie man miteinander leben wolle und welchen Beitrag hierzu die Wirtschaft leisten könne und welchen eben nicht. Solche Gespräche benötigten jedoch einen geschützten und vertrauensvollen Rahmen. Er erklärt: „Dann kann man sich die Folgen des eigenen Handelns vor Augen führen, seine Chancen und Risiken, ein freier Raum des Nachdenkens kann sich öffnen – und man kann überlegen, was zu tun ist, um das gemeinsame Ziel zu erreichen. Genau dann kann Veränderung geschehen – dass zeigt der Blick auf die neutestamentlichen Texte.“ Denn in den biblischen Erzählungen scheine Jesus mit ziemlich vielen Leuten Kontakt gehabt zu haben, deren Lebenswandel eigentlich nicht mit seiner Botschaft vereinbar war. „Und dann haben sie sich erstaunlicherweise geändert – denken Sie nur an den Zöllner. Und wie ging das vor sich?“ Ralf Stroh antwortet gleich: „Jesus hat nicht mit dem Finger auf ihn gezeigt und ihn bloßgestellt, sondern mit ihm geredet, gegessen und getrunken. Dabei hat sich offensichtlich etwas verändert. Das finde ich beispielhaft. Veränderung geschieht nur miteinander, nie gegeneinander. Das gilt auch für unsere Gesellschaft.“

Alternativen im Blick

Auch wenn die Initiative sich vor allem als Protestbewegung versteht, weist Schwester Klarissa auf Alternativen hin: „Längst arbeiten Menschen an alternativen Systemen, bei denen das Gemeinwohl im Mittelpunkt steht, wie beispielsweise die solidarische Ökonomie oder Gemeinwohlökonomie.“

Veranstaltungen zum Thema:

6. Juni: Fünf Jahre Gemeinwohl-Ökonomie

Meht zum Thema:

22. Juni: Veranstaltung zur Share Economy

mehr über Wirtschaft und Finanzen

Jeder Mensch braucht einen Hoffnungsschrank,
in dem wir die Erfahrungen
von Befreiung sammeln.

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