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Politik und Glaube

Promi-Interviews auf dem Roten Sofa

Jonas SchrammDer nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) im Gespräch mit ESZ-Redakteurin Andrea SeegerDer nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) im Gespräch mit ESZ-Redakteurin Andrea Seeger

Das Rote Sofa der Kirchenpresse ist in mehr als zwei Jahrzehnten zum festen Bestandteil jedes Deutschen Evangelischen Kirchentags geworden. Redakteurinnen und Redakteure interviewen dort im Halbstundentakt Prominente aus Kirche, Politik und Gesellschaft.

Erik Flügge ist Politikberater. „Sie sind noch recht jung, haben aber eine beeindruckende Vita“, stellte Wolfgang Weissgerber fest, Chefredakteur der Evangelischen Sonntags-Zeitung (ESZ). Und nannte auch gleich ein Beispiel: „NRW ist Currywurst“. Den Slogan hatte Flügge 2012 für den Wahlkampf der SPD in Nordrhein-Westfalen erfunden.

Der 33-Jährige habe sich zwei Pflegefälle herausgesucht, die ihn beruflich wie privat beschäftigten: die Kirche und die SPD. Flügge ist katholisch aufgewachsen, war Oberministrant, eng mit der Kirchengemeinde verbunden. Dann zog er um – zum Studium nach Tübingen. Fortan hörte er von der Kirche nichts mehr. So ergehe es vielen Menschen. Und das sei der Hauptgrund für einen Austritt aus der Kirche.

"Es bringt nichts, zu heulen"

„Neun von zehn Kirchenmitgliedern nehmen nicht am Gemeindeleben teil“, sagt Flügge. Deshalb empfiehlt er Gemeinden, zu Ostern handgeschriebene Glückwunschkarten an jedes Gemeindemitglied zu senden. Die Erfahrungen seine gut. Es gäbe zwar viele Sehnenscheidenentzündungen auf der Seite der Schreibenden, aber auch viele positive Reaktionen auf der Seite der Adressaten. Die meisten hätten sich über ein Lebenszeichen ihrer Kirche gefreut.

Es bringe nichts zu heulen und sich miteinander einzuknubbeln. Es sei der Job von Gemeinden, auf ihre Mitglieder zuzugehen. Nur acht Prozent junger Menschen setzen sich ein für andere, Engagement würde verzweckt. Wofür es keinen Schein gibt, was nicht zumindest dem Lebenslauf dienlich ist, wird gestrichen. Flügge sieht die Aufgabe der Kirche darin, die grassierende egoistische Grundhaltung in der Gesellschaft einzuhegen.  

Laschet: "Die Türken lieben mich"

Den NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) konnte ESZ-Redakteurin Andrea Seeger als ehemaligen Kollegen begrüßen. Von 1991 bis 1994 war der gelernte Journalist Chefredakteur des katholischen Bistumsblatts in Aachen. Heute wird er sogar als Kanzlerkandidat gehandelt, hielt er sich auf Fragen von Andrea Seeger aber erwartungsgemäß bedeckt. CDU-Chefin Annegret Kamp-Karrenbauer könne das auch. Anders als seine SPD-Vorgängerin Hannelore Kraft werde er aber gewiss nicht erklären: „Nie, nie, nie Berlin“.

Die Stimmen türkischer Migranten hätte er aber wohl sicher. Denn als erster deutsche Integrationsminister unter dem früheren NRW-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) verspotteten ihn die eigenen Parteifreunde als „Türken-Armin“. Das ficht Laschet nicht an“ „Die Türken lieben mich dafür.“

Der Hunger ist weniger geworden

Die Unterstützung für arme Länder wird nach Ansicht der Präsidentin der evangelischen Hilfsorganisation "Brot für die Welt", Cornelia Füllkrug-Weitzel, zu Unrecht schlecht geredet. "Anders als oft dargestellt: Entwicklung hilft", sagte Füllkrug-Weitzel auf dem Roten Sofa im Gespräch mit Chrismon-Chef Arndt Brummer. 1959 habe weltweit jeder zweite Mensch gehungert. "Heute ist es jeder neunte, obwohl die Weltbevölkerung stark gewachsen ist",  erklärte sie.

Die Erfolge seien zwar kleiner als man bei den großen Geldsummen denken könnte, die in die Entwicklungsarbeit geflossen seien, fügte Füllkrug-Weitzel hinzu. Das liege jedoch vor allem daran, dass im Zuge der Schuldenkrise viel Geld in die westliche Welt abgeflossen sei. Auch der Klimawandel habe viele Finanzmittel in den Entwicklungsländern vernichtet. "Das ist ein permanenter Gegentrend."
Es sei zudem zunehmend notwendig, nicht nur finanzielle Hilfe zu leisten, sagte Füllkrug-Weitzel. Es helfe nichts, den Menschen Hilfe zur Selbsthilfe zu geben, wenn sie dann politischen oder internationalen Wirtschaftsinteressen zum Opfer fielen. Deshalb sei inzwischen vor allem internationale Lobby-Arbeit entscheidend. "Es reicht nicht nur, Brot zu geben. Man muss diesen Leuten helfen, ihre Rechte durchzusetzen."

Schuster gegen "Juden in der AfD"

Josef Schuster, der Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland, bezeichnete sich auf dem Roten Sofa im Gespräch mit Andrea Seeger von der Evangelischen Sonntags-Zeitung als Wechselwähler. Er habe schon „alle demokratischen Parteien“ gewählt. Von der Gruppe „Juden in der AfD“ halte er „gar nichts“. „Es gibt das Vorurteil, alle Juden seien klug“, sagte Schuster. „Das haben die Juden in der AfD widerlegt.“

Rechtsmotivierter Antisemitismus beunruhige ihn gleichermaßen wie islamistischer. Allerdings sei die Zahl rechtsextremer Gewalttaten höher. Welche Gefahr das bedeute, zeige der Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. Schuster rief jeden Einzelnen zu Zivilcourage auf: „Jeder kann in Gesprächen in seinem Umfeld nachfragen: ‚War das wirklich gut, was du gerade gesagt hast?‘“ Vor vier Jahren hatte Schuster Juden abgeraten, „in Problemvierteln“ Kippa zu tragen. „Das gilt inzwischen insgesamt im großstädtischen Bereich“, sagt der Würzburger Arzt jetzt.

Innerhalb der jüdischen Gemeinde sei ein Problem, junge Menschen für Religion zu gewinnen. „Das haben wir ja mit den Evangelischen und Katholiken gemeinsam.“ Es gebe deshalb das spezielle Angebot „Mischpaha“ in Synagogen für junge Familien. „Mit Speck fängt man Mäuse“, kommentierte Schuster, „auch wenn Speck nicht koscher ist“. Ob er am Schabbat Auto fahre, fragte die Journalistin Seeger zum Schluss. „Ich komme aus einem strengen Elternhaus“, erzählte Schuster. Da sei das nicht in Frage gekommen. Er selbst jedoch halte sich nicht immer daran. „Im Judentum entscheidet das jeder für sich.

Denn alles, was aus Gott geboren ist, überwindet die Welt;
und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.

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