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Kirchen

Propst: Kirche mischt sich politisch ein

Roger TöpelmannPropst Albrecht (links) hat sein Amt von Sigurd Rink übernommen.

Politisch mitmischen, praktisch helfen und die Macht des Glaubens: Ein Jahr ist der Popst für Süd-Nassau im Amt. Er sieht die Aufgaben von Kirche klar vor sich.

Die Kirchen sollen sich nach den Worten des Propstes für Süd-Nassau, Oliver Albrecht, politisch äußern. Es gebe ein dreifaches Mandat Christi, sagte er in Wiesbaden: ein prophetisches, ein diakonisches und ein priesterliches Amt. „Prophetisch bedeutet: Kirche mischt sich politisch ein“, erläuterte er, „diakonisch heißt: Kirche hilft praktisch.“ Das priesterliche Amt verstehe er so, dass Christen mehr für die Regierenden beten müssten. „Ich glaube, dass Beten Macht hat“, sagte er. In der Wahlnacht am Dienstag habe er für die Politiker in den USA gebetet.

Zahl der Ehrenamtlichen auf Höchststand

Trotz sinkender Mitgliederzahlen sieht Albrecht die gesellschaftliche Bedeutung der Kirchen nicht schwinden. Denn noch nie seien so viele Menschen ehrenamtlich aktiv gewesen wie derzeit. Gleichwohl dürfe man die Menschen gerade im Jubiläumsjahr der Reformation nicht ermüden, indem man ständig Martin Luther thematisiere. „Ich glaube, das wäre Luther nicht recht gewesen, so auf dem Sockel zu stehen“, sagte er. Stattdessen solle es mehr um die Theologie des Reformators gehen.

„Pfarrer ist nicht mehr automatisch Respektsperson.“

In seinem ersten Jahr als Propst habe er sich besonders der Motivation der Pfarrerinnen und Pfarrer gewidmet, schilderte Albrecht. Ein Pfarrer sei heute anders als früher nicht mehr automatisch eine Respektsperson, daher müsse heute die Person das Amt tragen. In Seminaren und Workshops fördere er die Seelsorger. Zum Beispiel habe er einige Zeit mit Berufsanfängern in einem Seminar „Hilfe, mein erstes Weihnachten“ verbracht. Dort hätten sie gemeinsam und voneinander gelernt, wie sie gute Weihnachtspredigten schreiben könnten.

Seelsorge und Verkündigung in den Mittelpunkt rücken

Kirche müsse sich mehr auf ihre Kernkompetenzen Seelsorge und Verkündigung konzentrieren, forderte der Propst. Dies bedeute aber im Gegenzug, dass man die Gemeindepfarrer von ihren weiteren Pflichten entlasten müsse. Um ihnen etwa Verwaltungsaufgaben abzunehmen, benötige man mehr Arbeitsstunden und mehr Kompetenzen für die Gemeindesekretariate. 

Beides sei in der Propstei Süd-Nassau angedacht. Die Mitarbeiter der Sekretariate würden in Seminaren weiterqualifiziert, außerdem sollten sich die Gemeindebüros mehr vernetzen, so dass sie länger für Bürger erreichbar seien.

Pfarrerteams für ländliche Regionen

In vielen Regionen seien die Kirchengemeinden nur noch groß genug für halbe Pfarrstellen, sagte Albrecht. Das sei ein Problem bei der Besetzung, weil solche Stellen kaum attraktiv seien. In Zukunft werde sich das aber ändern, kündigte er an. Pfarrer würden regionale Teams bilden, die für mehrere Gemeinden zuständig seien und in denen es weniger Teilzeitstellen geben solle: „Das typische Konstrukt 'ein Kirchturm, ein Pfarrhaus, ein Pfarrer' wird seltener werden.“

Die Propstei Süd-Nassau umfasst ungefähr den Rhein-Lahn-Kreis in Rheinland-Pfalz sowie in Hessen die Stadt Wiesbaden, die Landkreise Main-Taunus, Rheingau-Taunus sowie Teile des Hochtaunuskreises und des Landkreises Limburg-Weilburg. Dort leben rund 306.000 evangelische Christen.

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