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Jahreslosung 2017

Propst: „Prophetenwort in unruhiger Zeit“

Thomas NeuPropst Dr. Klaus-Volker Schütz ist oft in Rheinhessen unterwegs, um in Dekanaten, Gemeinde- und Pfarrhäusern die Menschen zu treffen, die die kirchliche Arbeit vor Ort tragen

Die Jahreslosung für 2017 berührt den rheinhessischen Propst besonders. Er macht Mut sich neuem zu stellen.

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. (Ezechiel 36, 26)

Gedanken von Propst Volker Schütz

Vergangenen Herbst bin ich in Indien gewesen. Ich habe dort Entwicklungsprojekte besucht, für die ich im Rahmen einer Stiftung mit verantwortlich bin. Wenn man den Subkontinent bereist, lernt man etwas darüber, wie sehr das Thema Wiederkehr ein Grundgedanke der Religionen des Ostens ist. Das Leben wird als Rad begriffen, das sich ewig dreht im Kreislauf von Geburt, Tod und Wiedergeburt. Anders im Christentum – bei uns spielt das Aufbrechen, Neuwerden und Neuanfangen die größere Rolle. Die Losung des neuen Jahres macht uns das wieder bewusst. 

Gott spricht hier durch den Mund des Propheten: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Oder wie die Lutherübersetzung es etwas kräftiger formuliert: Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. 

Prophetenwort in unruhiger Zeit

Ezechiel 36,26 ist ein Prophetenwort in unruhiger Zeit. Das Volk Israel wird nach Babylon ins Exil geführt. Zunächst wird die Oberschicht deportiert. Auch Ezechiel, der aus einer Priesterfamilie stammt, ist einer der Ersten, der die Heimat verlassen muss. In der Verzweiflung des Zusammenbruchs sucht das Volk immer wieder seinen Rat. Der Prophet wird nicht müde, daran zu erinnern, dass am Anfang jeder Hoffnung, das eigene Neuwerden steht - das neue Herz, das es braucht, damit man dann verändert weitergeht. 

Vorreiter mit neuem Herzen

In der Geschichte des Christentums waren die überzeugendsten Vertreterinnen und Vertreter der Nachfolge Jesu Menschen, die genau das taten - die mit neuem Herz aufgebrochen sind. Hildegard von Bingen, die als erste Nonne in allen bedeutenden Städten des Landes gepredigt hat. Martin Luther, der sich von überkommenen Strukturen nicht irritieren ließ und den Menschen die biblische Botschaft zurückgegeben hat. Frére Roger, der als calvinistisch geprägter Theologe mit der Communauté von Taizé nach dem Zweiten Weltkrieg ein sichtbares Zeichen der Versöhnung gesetzt hat für die Jugend der Welt. Nun sollen auch wir das Neuwerden mit hinein nehmen in das beginnende Jahr. Es soll uns zur geistlichen Überschrift werden über die Tage, die kommen und gehen.

Jede Erneuerung kann Geschenk bedeuten

Ezechiel erinnert daran, dass jede Erneuerung im Letzten immer ein Geschenk ist, und dass sie mit Öffnung zu tun hat für einen anderen Geist. Wie ist er qualifiziert? Das Neue Testament sagt so: Gottes Geist ist nicht ein Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. Wir wissen um die Unordnung der Welt. Darum wissen wir auch, wie sehr für uns neue, kreative Impulse nötig sind. Kraft, Liebe und Besonnenheit. Zu wissen, dass jede und jeder zählt. Zu wissen, dass jeder Mensch zählt, gleich ob schwarz, weiß, rot, gelb oder braun, ob Muslim, Hindu, Christ oder Buddhist. Die Erde zählt und jedes Leben auf ihr. Alles ändern können wir nicht. Wir sind nicht allmächtig. Hilflos sind wir aber auch nicht. Jede und jeder kann sich öffnen für neue Luft und frischen Wind. Gott ist dabei. Auch 2017 wird nicht alles gut. Aber es könnte sein, dass doch das eine und das andere neu wird im eigenen Leben und in der Welt. Damit wollen wir rechnen. Wenn es uns geschenkt wird, spüren wir vielleicht einen Hauch von Gottes Ewigkeit.

In der Konzentration auf das, was ist,
kann sich so etwas wie ein Raum öffnen,
ein Gewahrsam schärfen für die Gegenwart Gottes.

(Carsten Tag)

Carsten Tag

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von gettyimages / rusm

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