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Evangelische Journalistenschule

Rat der EKD berät über Zukunft der Journalistenschule

EJS BerlinAusbildung in der Evangelischen JournalistenschuleAusbildung in der Evangelischen Journalistenschule als Video-Reporter

Die Evangelische Journalistenschule des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik (GEP) steht vor dem Aus. Am Freitag berät der Rat der EKD mit dem GEP unter anderem über dieses Thema. Die Mainzer Medienforscher Birgit Stark und Matthias Cornils haben bestätigt, dass der klassische Journalismus auch in Zukunft wichtig bleiben wird. Redakteur Karsten Packeiser vom epd war mit ihnen im Gespräch.

Direkte Kommunikation über soziale Netzwerke wird den klassischen Journalismus nach Überzeugung der Medien-Experten Birgit Stark und Matthias Cornils auch in Zukunft nicht verdrängen. In einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst schlossen die beiden Direktoren des Mainzer Medieninstituts zugleich aus, dass die etablierten Medien ihre frühere Monopolstellung zurückgewinnen können. "Beim Fernsehen wird sich die Zeit nicht mehr zurückdrehen lassen", sagte die Kommunikationswissenschaftlerin Stark. Womöglich werde es künftig andere Wege zur Verbreitung journalistischer Inhalte geben - etwa mehr Wochenzeitungen mit Hintergrundberichten anstelle klassischer Tageszeitungen.

"Ankerpunkte der Verlässlichkeit"

Nach Überzeugung des Medienrechtlers Cornils besitzen die klassischen Medien weiter eine "Orientierungsfunktion" für die Gesellschaft: "Sie können Ankerpunkte der Verlässlichkeit bieten." Direktkommunikation in sozialen Netzwerken, Blogs und Graswurzeljournalismus könnten professionelle Medien nicht bei der Aufarbeitung komplexer Sachverhalte oder der Produktion teurer Filme ersetzen, aber möglicherweise sogar für ein insgesamt höherwertiges Informationsangebot sorgen: "Denn Medien lagen auch schon häufig daneben. Es gab Kampagnenjournalismus und Falschmeldungen, die alle gleichförmig verbreitet haben." Heute bestehe stattdessen die Möglichkeit einer wechselseitigen Kontrolle.

Größere Anstrengungen erforderlich, um Publikum zu erreichen

Stark forderte von den klassischen Medien größere Anstrengungen, um ihr Publikum auch künftig zu erreichen. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk habe die Herausforderungen inzwischen erkannt und beispielsweise mit dem Online-Jugendangebot "Funk" darauf reagiert. Auch die Mediatheken der Sendeanstalten würden immer wichtiger. Sie warnte davor, dass soziale Netzwerke nicht nur die Kommunikation, sondern auch die Arbeit der Medien verändert hätten. Mediennutzer würden Informationen mittlerweile anders suchen und wahrnehmen. "Verbreitungswege haben Inhalte verändert", sagte sie. "Facebook ist ein gutes Beispiel. Nachrichten werden dort populistischer, boulevardesker aufgebaut, um Reaktionen und Interaktionen zu provozieren."

Soziale Netzwerke von großer Bedeutung

Nach Überzeugung der beiden Medienforscher, deren Institut im März sein 20-jähriges Bestehen feiert, wird es auch künftig schwierig bleiben, die Arbeit der großen sozialen Netzwerke zu regulieren. Verstöße gegen die im neuen Medienstaatsvertrag festgeschriebenen Transparenzgebote und das Diskriminierungsverbot bei der Bereitstellung von Informationen ließen sich durch die Landesmedienanstalten kaum nachweisen.

Die Bestimmungen des neuen Medienstaatsvertrags könnten dennoch positive Effekte mit sich bringen. "Der Sinn von Recht erschöpft sich ja nicht darin, dass eine Aufsichtsbehörde Verwaltungsakte und Bußgelder erlässt", sagte Cornils. Es gebe nämlich auch subtilere Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen. "Allein durch die Existenz solcher Vorschriften stehen die sozialen Medien wie Facebook unter ständigem Begründungsdruck", sagte der Medienrechts-Professor. "Man kommt ins Gespräch, die Unternehmen nehmen ihre eigene Verantwortung stärker wahr."

Insbesondere Facebook müsse sich stärker öffnen und Daten für die Wissenschaft zugänglich machen, erklärte Stark: "Bisher lässt sich nur ein ganz kleines Spektrum von Fragen beantworten, weil Facebook entscheidet, welche Daten überhaupt herausgegeben werden."

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Hintergund: Die evangelische Journalistenschule vor dem Aus?

Das Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik (GEP) hat Mitte Februar bekannt gegeben, die Evangelische Journalistenschule (EJS) nur noch bis Ende des Jahres finanziell zu unterstützen. Für die Schule könnte könnte die fehlende Finanzierung das Aus bedeuten. Deswegen schreibt die EJS aktuell keinen neuen Jahrgang an Volontären aus. Das GEP steht unter einem enormen Spardruck und muss rund 1,9 Millionen Euro einsparen. Die Journalistenschule kostet knapp 500.000 Euro. Der Freundes- und Förderkreises der EJS hat daraufhin die Initiative "EJS retten!" gestartet. Mit einem offenen Brief haben sie den Rat der EKD dazu aufgefordert, die Journalistenschule zu erhalten.

In der Konzentration auf das, was ist,
kann sich so etwas wie ein Raum öffnen,
ein Gewahrsam schärfen für die Gegenwart Gottes.

(Carsten Tag)

Carsten Tag

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von gettyimages / rusm

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