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Aarbergen-Michelbach

Taufe im Waldschwimmbad

Christa KaddarAlle zwei Wochen ist nach dem Gottesdienst »Kirchkaffee« . Hier kommt man miteinander ins Gespräch.

Weltoffen sind die Michelbacher. Die Protestanten unter ihnen sowieso, und das merkt man im Alltag der Kirchengemeinde.

Christa KaddarDie Michelbacher Kirche und der Gemeinderaum in ihr ist das Herz des Gemeindelebens in Aarbergen-Michelbach.

Michelbach ist mit 2280 Einwohnern der größte von sechs Ortsteilen der Untertaunusgemeinde Aarbergen. Rund 750 Einwohner gehören der evangelischen Kirche an. »Ländlich und kirchlich, durchdrungen von innerer Wahrheit und sinniger Harmonie der einzelnen Baumassen«, nannte der seinerzeitige Bauführer Theodor Lenz den Stil der 1908 erbauten Kirche. Die Vorgängerkirche, die alte Michelbacher Wehrkirche, stammt aus dem zwölften Jahrhundert und liegt gegenüber der neuen Kirche auf dem Friedhof. Das würdige alte Gotteshaus dient heute der Gemeinde als Trauerhalle und ist zusammen mit dem alten Friedhof mit Erbpachtvertrag der Gemeinde Aarbergen überlassen worden.

1996 wurde ein Gemeinderaum im hinteren Bereich des Schiffs der neueren der Kirchen eingebaut und am Heiligen Abend 1996 erstmals in Betrieb genommen. »In unserem schönen Gemeinderaum findet die gesamte Gemeindearbeit statt«, sagt Inge Lüllwitz vom Kirchenvorstand. »Hier treffen sich regelmäßig der Kirchenvorstand, der Singkreis, die Frauenhilfe und die Konfirmandengruppe.«

Bei Kaffee und Gebäck kommen die Michelbacher ins Gespräch

Alle 14 Tage wird nach dem Gottesdienst im Gemeinderaum auch »Kirchkaffee« gereicht – immer dann, wenn der Gottesdienst spät, das heißt um 10.45 Uhr beginnt. Da Pfarrer Stefan Comes neben Michelbach auch noch die Pfarrstelle für Holzhausen innehat, hält er die sonntäglichen Gottesdienste in beiden Gemeinden im Wechsel von 9.30 und 10.45 Uhr. Bei Kaffee und Gebäck kommen die Michelbacher ins Gespräch, pflegen die Gemeinschaft, vertiefen die Predigt oder andere Themen der Gemeinde und können mit dem Pfarrer und den Mitgliedern des Kirchenvorstandes reden.

Pfarrstelle war eineinhalb Jahre vakant

Zum Beispiel mit Petra Hofmann, die seit 16 Jahren in Michelbach wohnt und auch schon fast so lange im Kirchenvorstand ist. Sie ist im Ruhrgebiet in einem engen Kontakt zur Kirche aufgewachsen. »Am Anfang empfand ich die Gemeinde hier als konservativ, aber inzwischen ist es so ähnlich, wie ich es aus meiner Heimatgemeinde kenne«, sagt Hofmann. Ihr liegt die Kinder- und Jugendarbeit besonders am Herzen, die in der eineinhalbjährigen Vakanz, bevor Pfarrer Comes kam, weitgehend brach- lag. Neben ihrer Mitarbeit im Kirchenvorstand engagiert sie sich in der Jugendarbeit der Gemeinde und betreut gemeinsam mit dem Pfarrer die Konfirmanden.

Die Offenheit der Gemeinde ist ein großes Geschenk

Neu im Vorstand ist Annette Nothnagel, die seit zwölf Jahren den Singkreis leitet, den sie als »lustige Truppe« bezeichnet. Der gemischte Chor begleitet den Gottesdienst an besonderen Festtagen. »Wir singen Lieder aus dem Gesangbuch und neue geistliche Lieder, Bekanntes und weniger Bekanntes«, berichtet Nothnagel.

Er erlebe die Gemeinde als offen, sagt Pfarrer Comes. »Nach einer Reihe von älteren Pfarrern kam ich als ›junger Schnösel‹, und ich erlebe diese Offenheit als großes Geschenk.« Er kam vor zwei Jahren mit seiner Frau Nicola und vier Kindern. »Dafür war das Pfarrhaus definitiv zu klein«, berichtet er. »Es wurde umgebaut, und ganz fertig ist es immer noch nicht.« Noch ein Jahr ist er im Probedienst. »Wir fühlen uns als Familie hier sehr wohl und würden gerne bleiben.«

Auch im Pfarrhaus ist regelmäßig was los

Comes hält auch Gottesdienste im Wohnheim der Lebenshilfe und im Seniorenheim in Michelbach. Seine Frau lädt einmal im Monat zum Kindergottesdienst in Michelbach ein, außerdem leitet sie den Krabbeltreff, der sich im zweiwöchigen Abstand im Pfarrhaus trifft. Denn auch wenn im Pfarrhaus mehr Platz geschaffen wurde durch die Verlagerung des Pfarrbüros in die Kirche, gibt es weiterhin einen Raum für Gruppen im Pfarrhaus.

Dort trifft sich regelmäßig einmal im Monat der Jugend-Hauskreis, der aus Konfirmanden und älteren Jugendlichen aus Michelbach und Holzhausen besteht und zu dem auch Jugendliche umliegender Gemeinden willkommen sind. Das Pfarrhaus ist zudem Anlaufstelle für viele Flüchtlinge in Michelbach. Was Stefan und Nicola Comes in dieser Hinsicht leisten, geht weit über die Dienstzeiten des Pfarrers hinaus. »Das machen wir sozusagen als private Familie und sehen uns zugleich als Botschafter der Kirche«, berichtet der Seelsorger. »Die Flüchtlinge kommen, sprechen über ihre Probleme, trinken einen Tee, manchmal wird auch gemeinsam gekocht, gebacken, gegessen oder Tischtennis gespielt. »Da haben sich relativ natürliche Beziehungen entwickelt.«

Christen und auch Nichtchristen kommen in den Gottesdienst

Im Gottesdienst sieht man viele Migranten – Christen und auch Nichtchristen kommen in die Kirche. Zwei von ihnen hat Stefan Comes in diesem Sommer getauft. »Ein junger Afghane, der aus einer belesenen muslimischen, prochristlichen Familie kommt, hat schon vor einem Jahr gesagt, dass er sich taufen lassen will. Wir haben das nicht gepusht«, erzählt Comes. Auch eine junge Iranerin habe sich entschieden, sich taufen zu lassen. »Im Taufkurs haben wir viel gelacht und geweint«, sagt der Pfarrer. »Wichtig ist, dass beide Familien nicht mit ihnen gebrochen haben.« Die beiden empfingen die Taufe im Michelbacher Waldschwimmbad. »Bei den Urchristen fand die Taufe auch im öffentlichen Raum statt«, erklärt Comes seine außergewöhnliche Idee.

Es kamen viele ausländische Arbeitskräfte nach Michelbach

Durch das hohe Arbeitsplatzangebot der Firma Passavant in den 1960er Jahren kamen viele ausländische Arbeitskräfte nach Michelbach, zunächst aus Italien, später aus der Türkei. Der dann folgende Nachzug von Familienmitgliedern führte zu einem relativ hohen Ausländeranteil. Etwa elf Prozent der Einwohner haben eine ausländische Staatsbürgerschaft. Zwischen Oktober 2015 und März 2016 waren rund 2400 Flüchtlinge kurzzeitig aufgenommen worden. Berührungsängste haben die wenigsten Michelbacher.Von Christa Kaddar

Kirchengemeinde Aarbergen-Michelbach, Pfarrer Stefan Comes, Hauptstraße 56, 65326 Aarbergen, Telefon: 0 61 20/35 63, E-Mail: ev.kirchengemeinde.michelbach@ekhn-net.de.

Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig.

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