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Verschwörungsmythen

Wie Verschwörungsideologien Familien spalten

Peter Bongard

Oliver Koch, Referent für Weltanschauungsfragen erlebt, dass selbst jahrzehntelange Beziehungen zu zerbrechen drohen, wenn ein Partner den ganzen Alltag durch die Brille einer Verschwörungsideologie sehe. Partner oder Familienmitglieder, die ihre Liebsten in ein „Querdenker“-Milieu abdriften sehen, suchen die Beratung auf. Dabei stammen die Klienten oft aus dem Bildungsbürgertum.

Die Corona-Pandemie wirkt nach den Worten des Frankfurter Referenten für Weltanschauungsfragen, Oliver Koch, wie ein psychologischer Brandbeschleuniger: Verschwörungsideologien spalteten Partnerschaften und Familien, sagte der Pfarrer im Zentrum Oekumene der hessen-nassauischen und kurhessischen Kirche dem Evangelischen Pressedienst.

Mehr Beratungen während Corona

Die Zahl der Beratungsfälle ist in der Pandemie stark gestiegen. Beratung wird nachgefragt Vor der Pandemie seien 300 bis 400 Personen jährlich in die Beratung gekommen, sagte der Experte für Weltanschauungen und neureligiöse Bewegungen. Im vergangenen Jahr seien es mehr als 500 Personen gewesen. Täglich führe er drei bis vier Beratungen. "Die Fälle werden dramatischer", berichtete Koch.

Schnelles Abdriften in Verschwörungsmythen

Jahrzehntelange Beziehungen seien am Zerbrechen, wenn ein Partner den ganzen Alltag durch die Brille einer Verschwörungsideologie sehe. "Menschen sind verzweifelt." Sorge um Familienmitglieder, die abdriften Vor allem Partner, die einen Verlust ihrer geliebten Beziehung fürchten, und junge Leute, die ihre Eltern oder Großeltern in einem "Querdenker"-Milieu abdriften sehen, suchen nach den Worten von Koch die Beratung auf. Die Klienten stammten aus dem Bildungsbürgertum, Ärzte, Lehrerinnen, Studierende. Die früher klassische Situation, dass Eltern um Hilfe baten, weil ihre Kinder in eine Sekte gingen, habe sich im Blick auf die Generationen eher umgekehrt, sagte der Referent. So habe eine Studentin um Beratung gebeten, deren Opa im Garten einen Bunker baue und sich weigere, importierte Lebensmittel zu essen. Sinneswandel kann sich in wenigen Wochen vollziehen Junge Leute durchschauten die Mechanismen der Algorithmen in Social Media und die Entstehung von Filterblasen Gleichgesinnter besser als ältere, erklärte Koch. 

Verschwörungsmythen bieten einfache Antworten auf komplexe Fragen

Die Pandemie löse Unsicherheiten und Ängste aus, erklärte der Referent. Menschen sehnten sich nach einfachen und klaren Antworten. Eine Gemeinschaft, die exklusives Wissen teile, schweiße zusammen. Demonstrationen auf der Straße vermittelten Zusammenhalt und dienten der Selbstvergewisserung. Falsche Vorstellungen halten sich hartnäckig Gemeinsame Überzeugung von Verschwörungsideologien sei, dass das Leben von Mächten aus dem Hintergrund gesteuert werde. Inhaltlich seien die Ideologien wandelbar, rechtes, linkes und esoterisches Milieu durchmischten sich. Die Ideologien ließen keinen Platz für Kritik. In einem Fall habe eine junge Frau um Beratung gebeten, deren Vater ein Leugner der Corona-Pandemie sei und den selbst eine Covid-19-Erkrankung mit Koma auf der Intensivstation nicht bekehrt habe, berichtete Koch. Der Vater beharre darauf, von der Medizin nur als "Versuchskaninchen" missbraucht worden zu sein. Sensibel auf eigene Belastungsgrenze schauen.

Beratung wird schwieriger

Die Beratung von Angehörigen und Freunden ist nach den Worten von Koch schwieriger geworden. Eine Verschwörungsideologie betreffe die ganze Lebenseinstellung. "Die Nerven liegen blank." Die Beratung versuche, die Gemeinsamkeiten der Klienten zu stärken: "Was haben wir gerne zusammen gemacht?" In einem nächsten Schritt gehe es darum zu schauen, warum die Klienten sich auseinandergelebt haben. Für junge Menschen sei es wichtig, sensibel für ihre Belastungsgrenzen zu werden. Grundsätzlich rate er, nie den anderen als Ideologen abzustempeln, sondern gesprächsbereit zu bleiben. Eine klare Grenze allerdings müsse gegenüber menschenverachtenden und rassistischen Aussagen gezogen werden, betonte der Referent.

Broschüre "Verschwörungsideologien: Definitionen, Hintergründe, Praxistipps (PDF)

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Tu, was zu tun kannst.
Und dann ist gut, denn mehr geht nicht.
Alles weitere kann ich in die Hände Gottes legen
und darauf vertrauen, dass er es wohl gut mit mir meint.
(Carsten Tag zu Prediger 9,10)

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