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Würde der Gepflegten und Würdigung der Pflegenden

AlexRaths/istockphoto.comSeniorin wird gepflegtSeniorin wird gepflegt

Im Rahmen des Diakonie-Forums wurde eine große Pflegereform mit solidarischer Finanzierung gefordert.

Um die „Würde der Gepflegten und Würdigung der Pflegenden“ ging es beim diesjährigen Diakonie-Forum in Frankfurt am Main. Der Hauptvortrag wurde von dem Berliner Autor Jörn Klare gehalten, der durch sein Buch „Als meine Mutter ihre Küche nicht mehr fand – Vom Wert des Lebens mit Demenz“ bekannt wurde. Klare schilderte die Bedürfnisse pflegebedürftiger Menschen, die Nöte der Angehörigen und die strukturellen und menschlichen Konflikte, in denen auch die Pflegekräfte stehen. 

Angemessene Finanzierung der Pflege gefordert

In der anschließenden Podiumsdiskussion forderte Horst Rühl, Theologischer Vorstand der Diakonie Hessen, eine große Pflegereform mit solidarischer Finanzierung: „Der hohen Anerkennung der Pflegekräfte und der Pflegeeinrichtungen insgesamt steht die chronische Unterfinanzierung der Pflege entgegen. Seit Jahren gibt es eine Deckungslücke zwischen steigenden Personalkosten und stagnierender Refinanzierung. Dies führt zu einer höchst angespannten Zerreißprobe. Der tatsächliche Hilfe- und Pflegebedarf muss berücksichtigt werden – und zwar so, dass die Pflegekräfte angemessen entlohnt werden können“, so Rühl.

Orientierung an Menschenwürde und Eigenständigkeit

Außerdem sei es höchste Zeit, in den Nachwuchs zu investieren und dafür zu sorgen, dass Pflegeberufe attraktiver werden. Wichtig sei, dass die Ausbildung von allen Einrichtungen der Altenhilfe per Umlage finanziert werde, unabhängig davon, ob sie selbst ausbilden oder nicht. Schließlich bräuchten pflegende Familien Unterstützung und Entlastung. Außerdem sagte Rühl, Pflege gehöre nicht auf einen Markt mit Wettbewerb um das billigste Angebot, sondern in eine Konkurrenz um die Leistung, die sich am stärksten an Menschenwürde und Eigenständigkeit orientiere. 

Berufstätige mit Pflegeverantwortung unterstützen

Dr. Rüdiger Koch, bis vor kurzem Gesamtbetriebsratsvorsitzender des Pharma-Unternehmens Merz KGaA, erinnerte in diesem Zusammenhang an die Kooperation mit anderen Unternehmen und bereits durchgeführte erfolgreiche Projekte zur besseren Vereinbarkeit von Pflege und Beruf für Berufstätige mit Pflegeverantwortung. 

Mitmenschlichkeit erleben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben

In seinem Schlusswort betonte Oberkirchenrat Pfarrer Christian Schwindt, Leiter des Zentrums Gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, dass „zum christlichen Menschenbild mehr gehört, als pflegebedürftige Menschen zu waschen oder ihnen die Verbände zu wechseln. Nähe, Mitmenschlichkeit und Möglichkeiten für Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu schaffen, gehören ebenso dazu.“ Häufig reichten gerade für solche scheinbar unproduktiven Tätigkeiten die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel und damit die Zeit nicht aus, oder sie reichten nur bei denen, die sich erhebliche private Zuzahlungen leisten können, stellte Schwindt fest. 

Ich merke, der weite Raum
entsteht nicht in mir und durch mich.
Er entsteht, weil andere da sind,
die mir Räume eröffnen,
gnädig umgehen mit meinen Schwächen,
sich einsetzen für einen menschenwürdigen Umgang
mit allen Menschen.

(Melanie Beiner zu Psalm 31,9)

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