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Ein Mann im mittleren Alter spricht mit einer älteren Dame

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Seelsorgende nehmen die Themen auf, die angesprochen werden (Symbolbild)
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Biografisches Erzählen: Wie hochbetagte Menschen im Gespräch neue Perspektiven finden

veröffentlicht 01.05.2026

von Online-Redaktion der EKHN

Gerade hochbetagte Menschen erleben manchmal, dass ihnen ein Gegenüber zum Erzählen fehlt und sie sich dadurch einsam fühlen. Pfarrer Christian Wiener zeigt, wie biografisches Erzählen im Alter Raum für Erinnerungen, Entlastung und neue Perspektiven schafft.

Wer auf ein Leben von mehr als 80 Jahren zurückblickt, kann die Erfahrung machen, dass spontane Gespräche nicht mehr selbstverständlich sind. Viele hochbetagte Menschen haben bereits Freundinnen, Freunde, Partner oder andere enge Vertraute verloren. Einige fühlen sich einsam. „Manche Menschen haben niemanden mehr, mit dem sie reden können“, sagt Pfarrer Christian Wiener, Geschäftsführer des „Netzwerks Leben im Altern in der EKHN“. Gegenüber der katholischen Publikation "aus.sicht - aus Kirche und Gesellschaft" ermutigt er: Kirchengemeinden können bei Einsamkeit helfen. So könnnen sie Gemeinschaftsaktionen mitzuinitiieren, an denen jeder teilnehmen kann, beispielsweise "eine Plauderbank aufstellen."

Tatsächlich tragen hochaltrige Menschen eine große Bandbreite an Erfahrungen und Erinnerungen in sich. Neben fröhlichen Momenten wie Hochzeiten erzählen sie immer wieder auch von schweren Erfahrungen. Krieg, Flucht und Verluste gehören zu den prägenden Themen dieser Generation. „Manches kommt wieder hoch“, berichtet Seelsorger Wiener im Gespräch mit der EKD.

Was bedeutet biografisches Erzählen im Alter?

An diesem Punkt setzt das Konzept des biografischen Erzählens an. Es ist eine Form der seelsorglichen Begleitung, die besonders im hohen Alter entlastend wirkt. Biografisches Erzählen bedeutet: Menschen erzählen frei aus ihrem Leben, ohne Vorgaben, ohne Ziel, ohne Bewertung. Es geht nicht darum, eine Lebensgeschichte systematisch zu rekonstruieren oder therapeutisch zu bearbeiten. Stattdessen entsteht ein Raum, in dem Erinnerungen einfach da sein dürfen, so wie sie kommen.

Im Artikel der EKD „Zuhören ohne Zweck – Seelsorge und biografisches Erzählen im Alter“ beschreibt Wiener, wie er diesen Raum gestaltet: Die Gespräche folgen keinem festen Ablauf. Der Seelsorger verzichtet bewusst auf bohrende Nachfragen und hört stattdessen aufmerksam zu. Er fragt nur aus freundlichem Interesse nach und lässt die Erzählenden selbst bestimmen, wohin das Gespräch führt. Biografisches Erzählen verfolgt weder ein therapeutisches noch ein dokumentarisches Ziel. „Es geht nicht darum, etwas aufzuarbeiten oder zu lösen“, betont Wiener gegenüber der EKD. „Es geht darum, für den Menschen da zu sein.

Was bewirkt biografisches Erzählen?

Und doch zeigt sich immer wieder eine Wirkung: Wer über sein Leben spricht, gewinnt  Entlastung und manchmal sogar neue Perspektiven für die Zukunft. Das Erzählen verbindet gerade in einer Lebensphase, die oft von Einsamkeit geprägt ist.

Mit Achtsamkeit der Einsamkeit begegenen

Vor dem Hintergrund zunehmender Einsamkeit legt er gegenüber "aus.sicht" Kirchengemeinden ans Herz: "Das Wichtigste ist, achtsam zu sein. Wer kommt nicht mehr in den Gottesdienst? Wer hat einen Todesfall zu beklagen? Besuchsdienste, die es vielerorts schon gibt, sollten aufmerksam sein." 

Wie sich biografisches Erzählen von klassischer Biografiearbeit unterscheidet und wie Wiener mit belastenden Erinnerungen umgeht, lässt sich im vollständigen Artikel nachlesen:

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