Evangelische Kirche in Hessen und Nassau
Grafik mit aufgeschlagenem Buch

© Getty Images, Cristina Gaidau

Perspektive der Gerechtigkeit: Bibel in gerechter Sprache
  • Bibel
  • Frauen
  • Antisemitismus bekämpfen

Die Bibel in gerechter Sprache: Die Übersehenen sichtbar machen

veröffentlicht 16.09.2026

von Online-Redaktion der EKHN

Die Bibel in gerechter Sprache öffnet neue Perspektiven auf vertraute Texte. Sie macht sichtbar, wie Gerechtigkeit, Geschlechterrollen und jüdische Traditionen das Verständnis der Bibel prägen. Sie rückt diejenigen ins Licht, die beim Lesen bisher oft leicht übersehen werden. Im Oktober feiert sie ihr 20-jähriges Jubiläum.

20-jähriges Jubiläum

Am Sonntag, 25. Oktober, feiert die „Bibel in gerechter Sprache“ mit Ulrike Scherf, der Stellvertretenden Kirchenpräsidentin der EKHN, von 14-18 Uhr ihr 20-jähriges Jubiläum in der Friedenskirche in Frankfurt am Main. 

zur Jubiläums-Veranstaltung

Eine Bibel, aber viele Übersetzungen. Allein in Deutschland sind rund 18 Bibelübersetzungen gebräuchlich, auch wenn es weitaus mehr gibt. Bis heute ist die Lutherbibel die von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) empfohlene Bibelübersetzung für den evangelischen Gottesdienst. Zusätzlich werden weitere verwendet, um sich intensiv mit einer Bibelstelle oder einem biblischen Thema und seinen Perspektiven auseinanderzusetzen. Dazu gehört auch die „Bibel in gerechter Sprache“ (BigS). Sie wird heute in vielen Bibelstunden, zur Gottesdienstvorbereitung und zum Studium herangezogen. Den Übersetzerinnen und Übersetzern war es ein Anliegen, dem Urtext in heutiger Sprache gerecht zu werden. Sie wollten ebenso die Rolle der Frauen, den christlich‑jüdischen Dialog und die damaligen sozialen Verhältnisse im Spiegel der Gerechtigkeit sichtbar machen. Damit soll deutlicher werden, wie Gottes Gerechtigkeit die Dinge verändert. Veit Dinkelaker, Direktor des Bibel- und Erlebnismuseums erklärt: „Die Bibel in gerechter Sprache schärft den Blick, dass antike Erzählungen, Lieder und Texte parteilich sind für die Ausgeschlossenen, Vergessenen und Übersehenen“. 

BigS: Von der Erstveröffentlichung bis zur Online- und Jubiläumsausgabe

Am Reformationstag 2006 wurde die „Bibel in gerechter Sprache“, die BigS, der Öffentlichkeit vorgestellt. Zuvor hatten 42 Übersetzerinnen und zehn Übersetzer jeweils die von ihnen übersetzten biblischen Bücher ins Deutsche übertragen. Die meisten haben an ihren Büchern lange wissenschaftlich gearbeitet und darüber publiziert. Damit hat die BigS-Übersetzung den Stand der wissenschaftlichen Diskussion aufgegriffen. Nach ihrer Veröffentlichung hat die „Bibel in gerechter Sprache“ kontroverse Debatten ausgelöst. Spätere Auflagen wurden erweitert und überarbeitet. Seit November 2012 arbeitet der Herausgabekreis der Bibel in gerechter Sprache als Verein. Inzwischen gibt es die BigS auch online und in einer wertvoll ausgestatteten Jubiläumsausgabe:

Ulrike Bail, Frank Crüsemann und mehr (Hrsg.): Bibel in gerechter Sprache – Jubiläumsausgabe. Gütersloh 2026

Fokus auf Gerechtigkeit

Gerechtigkeit ist ein zentrales Thema der Bibel. Die Übersetzenden der „Bibel in gerechter Sprache“ haben Gerechtigkeit bewusst zum methodischen und nachprüfbaren Ausgangspunkt dieser Bibelübersetzung gemacht. Dabei werden unterschiedliche Gerechtigkeitsdimensionen berücksichtigt:

1. Gerechtigkeit gegenüber dem Ausgangstext

Die Übersetzung der „Bibel in gerechter Sprache“ will dem Ausgangstext in heutiger Sprache gerecht werden. 52 Übersetzerinnen und Übersetzer haben sich neu mit den Originalsprachen auseinandergesetzt und den Stand der wissenschaftlichen Diskussion aufgegriffen.

2. Geschlechtergerechtigkeit

Die Übersetzenden machen Frauen in biblischen Erzählungen, Gesetzen und Gebeten sichtbar. Die Bibel entstammt einer patriarchalen Welt und ihre Sprache ist davon geprägt. So berichtet sie beispielsweise, dass Paulus in Athen „einige Männer“ gewinnt, zwei Namen werden genannt und „einer“ ist eine Frau (Apg 17,34). Solche oft verborgene Präsenz von Frauen wird entsprechend unserer heutigen Sprache durchgängig sichtbar gemacht. Dazu kommt, dass „der“ eine Gott nach biblischem Verständnis „kein Mann“ ist (Hos 11,9). Dem wird versucht, gerecht zu werden.

3. Gerechtigkeit gegenüber Jüdinnen und Juden 

Die BigS macht die Wertschätzung des Judentums transparent. Seit dem 2. Jahrhundert war christliche Theologie häufig gegen das Judentum gerichtet. Das hatte sich bis in die Bibelübersetzungen ausgewirkt und war in der Sache ungerecht. Beispiel: In der Bergpredigt wird die Lehre Jesu durch die übliche Wiedergabe mit „Ich aber sage euch“ dem jüdischen Gesetz anscheinend entgegengesetzt (Mt 5,22.28). Doch zielt die Formulierung selbst nicht auf einen Gegensatz und inhaltlich wird die stark betonte Kontinuität zur Tora oft übersehen (5,17-19). Sachgemäßer ist daher: „Ich leg euch das heute so aus“. 

4. Gerechtigkeit gegenüber sozialen Verhältnissen 

Der biblische Begriff der Gerechtigkeit bezeichnet zuerst eine Handlung: eine Tätigkeit, die auf Befreiung aus unterschiedlichen Notlagen oder Unfreiheiten zielt. Deshalb hat diese Bibelübersetzung die befreienden Aspekte der Texte in heutiger Sprache erkennbarer gemacht.

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