Evangelische Kirche in Hessen und Nassau

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© Holger J. Becker-von Wolff

Archivbild von der Eröffnung 2025
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In Frohnhausen verbindet die Kirche Post und Begegnung

veröffentlicht 20.10.2026

von Aaron Kniese (epd)

Im mittelhessischen Frohnhausen, einem Stadtteil von Dillenburg, betreibt die evangelische Kirchengemeinde eine Postfiliale, da die alte Post 2025 geschlossen wurde. Das Gebäude «Zentrale 15» beherbergt aber noch viel mehr.

Anne Hain und Stefanie Grätz rollen einen vollen Wagen mit Paketen über eine provisorische Rampe am Eingang der „Zentrale 15“. In der Einfahrt des Grundstücks steht ein großer Lastwagen der Post. Der Fahrer und Grätz verladen die Pakete, während Hain schon die nächsten Kunden am Postschalter bedient. Hain und Grätz arbeiten zwar im Familienzentrum der evangelischen Gemeinde im mittelhessischen Frohnhausen, das Scannen, Abrechnen und Ausgeben von Paketen in der Post gehört für sie aber zu ihrer Arbeit dazu: Die evangelische Kirchengemeinde betreibt hier seit etwas mehr als einem Jahr eine Postfiliale.

Wer die „Zentrale 15“ betritt, findet jedoch mehr als einen Ort für Briefe und Pakete. Tische und Stühle, Kaffee und Kekse sowie eine Spielecke für Kinder laden zum Bleiben ein. Die Gemeinde in dem dörflichen Stadtteil von Dillenburg verbindet die Dienstleistung mit ihrem Anliegen, Menschen im Ort zusammenzubringen. Nachmittags wird das Haus zum Treffpunkt für Kinder, regelmäßig wird auch Nachhilfe angeboten.

Die frühere Poststelle schloss 2025. Für die Gemeinde war das ein Anlass, selbst tätig zu werden. „Die Rückmeldung ist durchweg positiv“, sagt Hain, die das Familienzentrum koordiniert. Die Menschen seien dankbar, dass sich die Kirche darum kümmere. Am Schalter begegnen sich Menschen, die sonst nicht unbedingt den Weg in eine kirchliche Einrichtung finden würden.

Am Postschalter entsteht Kontakt

Für Hain liegt darin ein besonderer Reiz der Arbeit. „Ich persönlich liebe den Kontakt zu den Menschen“, sagt sie. Zur Post kommen Menschen unterschiedlicher Religionen und sozialer Milieus. Ein Paket abzugeben oder einen Brief auf den Weg zu bringen, braucht zwar keinen Bezug zur Kirchengemeinde. Ein Gespräch kann sich dennoch ergeben.

Die Filiale öffnet an sechs Tagen jeweils zwei Stunden: montags, mittwochs, donnerstags, freitags und samstags von 10 bis 12 Uhr, dienstags von 16 bis 18 Uhr. Der Nachmittag und der Samstag sind bewusst eingeplant, damit auch Berufstätige kommen können.

Finanzierung aus verschiedenen Kassen

Andrea Neiß ist bei der Kirchengemeinde für die Poststelle angestellt. Der Integrationsfachdienst der regionalen Diakonie vermittelte sie an die Gemeinde. Zwei Drittel ihrer Lohnkosten übernimmt das Jobcenter. „Es ist ein schöner Arbeitsplatz“, sagte sie bei der Eröffnung der Filiale. Ihre Tätigkeit ist Teil eines Konzepts, das Beschäftigung, Versorgung und Begegnung unter einem Dach verbindet. Hinter dem Schalter arbeiten außer Neiß auch Gemeindepädagoginnen und Gemeindesekretärinnen.

Finanziell gibt es mehrere Bausteine: Die 80.000 Euro Sanierungskosten für das rund 250 Quadratmeter große Gebäude hat der Landeswohlfahrtsverband übernommen. Die Gemeinde zahlt Miete, hat mit der Postfiliale allerdings auch tägliche Einnahmen. Zudem vermietet sie einen Teil des Gebäudes für Feierlichkeiten. Dazu kommt die Unterstützung des Jobcenters.

Nachmittags gehört das Haus den Kindern

Die Suche nach Räumen hatte für die Gemeinde schon vor der Schließung der alten Post begonnen, weil der Kirchenvorstand ein Angebot für Kinder ab dem Grundschulalter machen wollte. Als das Gebäude in Frohnhausen frei wurde, ließen sich beide Anliegen verbinden: unten die Post mit Begegnungsecke, oben Räume für offene Kinderarbeit.

Zur Nachmittagsbetreuung kommen zweimal wöchentlich rund 20 Kinder im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren. Pädagogische Fachkräfte und Ehrenamtliche begleiten sie beim Spielen, Basteln oder gemeinsamen Backen. Dazu kommt regelmäßiger Nachhilfeunterricht einer Lehrerin im Ruhestand aus dem kleinen Ort. Zudem ist in der „Zentrale 15“ die Familienberatung untergebracht.

Für den Kirchenvorstandsvorsitzenden Ralf Schaffner gehören alle Aufgaben zusammen. Die Gemeinde verstehe sich als Teil des Ortes und betreibe auch ein Café. Sie wolle dort helfen, wo Unterstützung gebraucht werde, und durch konkrete Angebote Beziehungen schaffen. „Unser Auftrag ist es, das Evangelium auch ganz praktisch zu den Menschen zu bringen“, sagt Schaffner.

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