
© Rolf Oeser
Der Name einer engagierten Christin wird sichtbar
veröffentlicht 29.10.2026
von Bettina Behler
Tafel an dem Gebäude Fichardstraße 46 erinnert an die Theologin Katharina Staritz. Die stellvertretende Kirchenpräsidentin der EKHN würdigt bei der Enthüllung die erste Frankfurter Frau im Pfarramt.
„Katharina Staritz war eine mutige Pionierin der ersten Theologinnengeneration“ – so hat die stellvertretende Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Ulrike Scherf, ihr Grußwort eröffnet anlässlich der Anbringung einer Gedenkplakette für Staritz am Gemeindehaus der Evangelischen Sankt Katharinengemeinde. Erinnert wird seit dem 26. Oktober am Haus Fichardstraße 46 mit einer Bronzetafel nicht nur an eine Pionierin im Pfarrberuf, sondern auch an eine Frau, die schon in der NS-Zeit Mut bewiesen hat.
Staritz, geboren im Juli 1903 in Breslau, heute Wroclaw, verstorben im April 1953 in Frankfurt am Main, musste bei ihren Eltern das Theologiestudium durchsetzen. Über den Umweg Philologie fand sie zu dem Fach. Auch nach dem theologischen Examen musste Staritz einige Schleifen drehen, bevor sie zehn Jahre nach dem Abschluss 1938 in Breslau Stadtvikarin wurde, mit dem Auftrag, sich um getaufte Jüdinnen und Juden zu kümmern. Später zählte sie zu den 14 Vertrauensleuten rund um Heinrich Grüber, Pfarrer der Bekennenden Kirche, die sich um die immer bedrängteren Jüdinnen und Juden christlichen Glauben kümmerten. Katharina Staritz war die einzige Theologin in dem Kreis.
Aus Breslau vertrieben zog sie in ihre Studienstadt Marburg. 1942 festgenommen kam sie ins Kasseler Polizeigefängnis, anschließend für zwei Monate ins Arbeitserziehungslager Breitenau. Rund ein Jahr wurde sie im KZ Ravensbrück festgehalten. Unter Auflagen kehrte Katharina Staritz nach Breslau zurück, am Kriegsende kam sie mit Mutter und Schwester nach Hessen, zuerst in den Norden des Bundeslandes, 1949 nach Frankfurt.
Trotz Vorbehalten ins Amt gekommen – jedoch ohne den offiziellen Titel
Katharina Staritz wurde hier in der Frauenhilfe tätig, zu ihren Aufgaben gehörte der Kindergottesdienst der Sankt Katharinengemeinde, abgehalten in der Fichardstraße. Die Kirche an der Hauptwache war im Krieg zerstört worden. Diesem Neubeginn „war eine längere Phase des Nachdenkens und Verhandelns vorausgegangen“, so Ulrike Scherf in ihrer Rede. Die stellvertretende Kirchenpräsidentin erinnerte: „Die Berufung nach Frankfurt stieß auf erhebliche Vorbehalte. Insbesondere Staritz’ Forderung nach einer Gleichstellung mit Pfarrern bei Gottesdienst, Gemeindearbeit und Sakramentsverwaltung wurde kritisch gesehen.“ 1950 wurde Staritz von Propst Karl Goebels in der Alten Nikolaikirche eingeführt als erste Frau in der EKHN auf einer Pfarrstelle. Sie musste aber weiterhin den Titel „Vikarin“ tragen. Erst 1971 wurden Frauen und Männer im Pfarrdienst gleichgestellt.
„Gott sei Dank ist eine absolute Selbstverständlichkeit geworden, dass Frauen im Pfarramt gleichberechtigt ihren Dienst tun“, sagte Stadtdekan Holger Kamlah in seinem Grußwort. Zudem würdigte Kamlah „In einer Zeit, in der Antisemitismus, Hass und Gewalt das öffentliche Leben dominierten, hielt sie am Evangelium fest, das zu Nächstenliebe und Schutz der Bedrängten aufruft.“ Bis heute mahne Katharina Staritz Lebensweg, sagte Kamlah: Mit Blick auf die Verteilung von Care Arbeit und die Durchlässigkeit kirchlicher Strukturen und hinsichtlich des Themas „Antisemitismus“.
Mutig und warmherzig
Der evangelische Stadtdekan von Frankfurt und Offenbach dankte dem Kirchenvorstand und dem Förderverein von Sankt Katharinen, insbesondere Pfarrerin Gita Leber und Kirchenvorsteherin Rita Meinecke, für Initiative und persönlichen Einsatz für die Anbringung der Tafel. Sie machten hier Geschichte von Kirche und Stadt sichtbar „und geben einer mutigen Zeugin unseres Glaubens den Platz zurück, der ihr gebührt.“ Gita Leber sprach in ihrer Rede von dem „warmherzigen Wesen“ der Geehrten, das zu Gottvertrauen aufgerufen habe.
Kirchenvorsteherin Rita Meinecke konnte im Publikum unter anderem begrüße: Dore Struckmeier-Schubert, lange Mitglied der Kirchenleitung der EKHN, die sich für das Gedenken an Staritz auf dem Bockenheimer Friedehof einsetzt. Anwesend zudem der an der Lahn ansässige Dekan Johannes Jochemczyk, das Dekanatsgebäude in Limburg trägt Katharina Staritz Namen. In Frankfurt taucht Staritz Name auch im Zusammenhang mit einem ökumenischen Preis auf, den die action 365 alle zwei Jahre vergibt. Die ehemalige Frankfurter Frauenpfarrerin Helga Engler-Heidle nahm an der Feier in der Fichardstraße teil, die frühere Pröpstin Gabriele Scherle, beide gehören zu der evangelisch-katholischen Vergabekommission des Becker-Staritz-Preises mit dem Engagierte gewürdigt werden. Neben dem Katharinen-Gemeindehaus gibt es einen weiteren evangelischen Ort in Frankfurt, der mit Katharina Staritz verbunden ist, erwähnte Stadtdekan Kamlah - in dem im Frühjahr 2026 wieder eröffneten Hotel Spenerhaus heißt ein Raum nach ihr.
Das könnte dich auch interessieren

Reaktionen auf den Rücktritt von Annette Kurschus
Der ehemaligen EKD-Ratsvorsitzende Annette Kurschus steht in der Kritik, dass sie nicht transparent genug mit einem mutmaßlichen Fall sexualisierter Gewalt in ihrem früheren Umfeld umgegangen sei. Für Kurschus´ Rücktrittsentscheidung sowie für ihre Arbeit als Ratsvorsitzende und Präses zollen ihr viele Respekt. Lückenlose Aufarbeitung des Falles wird angemahnt.






