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Gottes Geist kann uns ganz nah sein und tröstend zur Seite stehen
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Kirchenpräsidentin Christiane Tietz zu Pfingsten: „Gottes Geist gibt uns Freude ins Herz und Gelassenheit“

veröffentlicht 11.05.2026

von Kirchenpräsidentin Prof. Dr. Christiane Tietz

Pfingsten erzählt von einer Kraft, die Menschen verwandelt: dem Heiligen Geist. Für Prof. Dr. Christiane Tietz, Kirchenpräsidentin der EKHN, ist diese Kraft auch heute erfahrbar. „Gottes Geist wohnt in uns“, schreibt sie in ihrer Pfingstbotschaft. Darin beschreibt sie, wie diese Nähe gerade in herausfordernden Zeiten spürbar werden kann.

Pfingsten gilt in der christlichen Tradition als die „Geburtsstunde der Kirche“. Das Fest erinnert an das Herabkommen des Heiligen Geistes auf die Mitglieder der ersten christliche Gemeinde, wie es in der Apostelgeschichte beschrieben wird. Die ersten Christen redeten plötzlich in unterschiedlichen Sprachen und konnten das Evangelium von Jesus Christus allen Menschen kommunizieren.

Der Heilige Geist stärkt Christinnen und Christen auch ganz persönlich in ihrem Alltag. Davon berichtet das Johannesevangelium im 16. Kapitel, in den Abschiedsreden Jesu. Jesus sagte seinen Jüngerinnen und Jüngern, dass er sie verlassen werde. Er sprach zu ihnen von seinem Tod am Kreuz, von seiner Auferstehung und von seiner Heimkehr zu Gott. Auf sie legte sich eine tiefe Traurigkeit. Mit ihm war alles so gut gewesen. Sorgenfrei waren sie mit ihm durchs Land gezogen. Sie hatten ihm vertraut, als er sagte: „Sorgt euch nicht! … Seht die Vögel … euer himmlischer Vater ernährt sie.“ Jetzt krochen quälende Sorgen über ihre Zukunft an ihnen empor. Ihre Herzen wurden umklammert von lähmender Angst. Ihre Identität war ja mit Jesus verbunden. Von ihm her verstanden sie sich. Sie befürchteten, nicht nur ihn, sondern sich selbst zu verlieren. Eine Zukunft ohne ihn - für sie unvorstellbar. Alles, was sie von ihm gelernt hatten, schien bedeutungslos. Sie waren voller Zweifel, ob sie für die unbekannte Zukunft gut genug zugerüstet waren.

Die Gefühle der Jünger kommen mir bekannt vor. In der gegenwärtigen Weltlage beschleichen mich selbst immer wieder Angst und Sorgen und Zweifel und Traurigkeit. War nicht früher so vieles besser? Werden die destruktiven Weltmächte Überhand nehmen? Wird der gesellschaftliche Zusammenhalt schwächer werden? Habe ich genug gelernt, auch in meinem Glauben an Gott, um die unsichere Zukunft zu bestehen?

Jesus verstand die tiefe Traurigkeit und die quälenden Sorgen. Er konnte die Angst und die Zweifel nachvollziehen. Lange redete er mit ihnen. Wichtig war ihm, dass sie verstanden: Gott lässt sie nicht allein. Er erklärte ihnen: Ja, ich gehe weg. Aber „der Tröster“, Gottes Geist, kommt an meiner Stelle.

Damit ist Gott uns sogar noch näher als zu Jesu Lebzeiten. Gottes Geist wohnt in uns. So kommt Gott uns ganz nah - näher, als wir selbst uns kommen können.

Gottes Geist in uns, der Tröster, steht uns wie ein „Anwalt“ zur Seite. Manche übersetzen: wie der Beistand eines guten Freundes. Gottes Geist stärkt uns, wo wir verunsichert sind. Gottes Geist gibt uns Fantasie, Schwierigkeiten zu bewältigen. Gottes Geist gibt uns Freude ins Herz und Gelassenheit. Das wünsche ich Ihnen für dieses Pfingstfest!

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