Evangelische Kirche in Hessen und Nassau
  • Musik

Klavierabend mit Wigbert Traxler

Infos

  • 04.10.2026 18:00 – 19:45 Uhr

  • Paul-Gerhardt-Haus der Evangelischen Mirjamgemeinde Offenbach

    Lortzingstraße 10

    63069 Offenbach

  • Konzerte / Theater / Musik

  • Eintritt frei, Spenden werden erbeten.

Beim Klavierabend des Frankfurter Pianist Wigbert Traxler im Paul-Gerhardt-Haus der Ev. Mirjamgemeinde Offenbach bilden drei Jugendwerke den Schwerpunkt: Die 2. Klaviersonate von Sergej Prokofjew, mit der er die spätromantischen Einflüsse von Rachmaninoff und anderen Vorbildern abstreifte und die Trias seiner drei „russischen“ Sonaten eröffnete. Sowie die ersten beiden Klaviersonaten von Johannes Brahms. Brahms schrieb zuerst die 2. Sonate in fis-Moll, die er Clara Schumann widmete; die ein Jahr später entstandene 1. Sonate in C-Dur hielt er für das bedeutendere Werk, weswegen er sie als sein Opus 1 veröffentlicht sehen wollte. Die Bezüge zu Beethoven werden vor allem in dieser Sonate sehr deutlich, und doch sind beide Sonaten bereits sehr eigenständig in ihrem Bemühen, die große romantische Empfindung und das jugendliche Temperament in der klassischen Form zu bändigen. In beiden Werken wird dem Pianisten viel abverlangt, und die für Brahms charakteristischen Herausforderungen – Doppelgriffe, volle Akkorde, Oktaven, intrikate Sprünge – treten schon hier deutlich zutage. Das Programm wird aber eröffnet mit der Bearbeitung einer Bearbeitung. Die Vorlage ist zweifellos eines der legendärsten Werke der Musikgeschichte überhaupt, nämlich die Chaconne aus der 2. Partita für Violine solo von J. S. Bach. Seit 300 Jahren gilt dieses Werk als Höhepunkt der Violinliteratur, der tiefsten Ausdruck mit architektonischer Meisterschaft verbindet und die Notwendigkeit, den Beschränkungen des Instruments mit äußerster Konzentration zu begegnen, als technischen Drahtseilakt in ästhetischer Vollendung gestaltet. Die Chaconne regte viele Komponisten zu zahlreichen Bearbeitungen an. Einer der ersten war Johannes Brahms, der sie für sein Instrument, das Klavier, arrangierte. Ihm war es daran gelegen, sich beim Spielen wie ein Geiger zu fühlen; er wollte die Anspannung spüren, dieses Monument eben nicht mit den normalerweise verfügbaren Mitteln klanglich zu erschaffen. Daher setzte er die Chaconne für die linke Hand allein. Der österreichische Pianist Paul Wittgenstein hatte im Ersten Weltkrieg seinen rechten Arm verloren und wurde dadurch gezwungen, Werke für die linke Hand allein zu spielen. Er regte berühmte Komponisten wie Maurice Ravel an, eigens für ihn konzipierte Werke zu schreiben, arrangierte aber auch selbst Kompositionen für seine Zwecke. Wittgenstein besaß das Autograph von Brahms‘ Bearbeitung und schuf eine noch anspruchsvollere Version der Chaconne.

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