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„Die Reformation hat unser Leben verändert“
veröffentlicht 21.02.2026
von Pressestellen der EKKW und EKHN
500 Jahre Homberger Synode: Festakt in der Stadtkirche läutet Jubiläumsjahr ein.
Sie gilt als ein Schlüsselereignis der Reformation in Hessen: Die Homberger Synode jährt sich 2026 zum 500. Mal. Mit einem Festakt an historischer Stätte, der Stadtkirche St. Marien in Homberg (Efze), haben die beiden Kirchen in Hessen, die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) und die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), am Samstag (21. Februar) das Jubiläumsjahr eingeläutet. Zahlreiche Gäste aus Kirche, Politik und Zivilgesellschaft feierten mit und würdigten die Bedeutung der Versammlung im Jahr 1526. Damals diskutierten geistliche und weltliche Stände erstmals öffentlich und gemeinsam über Glauben, Kirchenordnung und Verantwortung – ein Novum in der Kirchengeschichte.
Begrüßt wurden die Gäste durch Hombergs Bürgermeister Dr. Nico Ritz und von der geschäftsführenden Dekanin des evangelischen Kirchenkreises Schwalm-Eder, Sabine Tümmler, außerdem von den Spitzen der beiden aktuellen Landessynoden: Präses Dr. Michael Schneider (EKKW) und Präses Dr. Birgit Pfeiffer (EKHN).
Bischöfin Hofmann: „Wir gestalten Kirche gemeinsam“
„Die Homberger Synode zeigt uns, dass Kirche sich immer wieder neu organisiert und transformiert hat, wenn sich gesellschaftliche Rahmenbedingungen verändert haben. Das war vor 500 Jahren so, das ist jetzt so“, führte die Bischöfin der EKKW, Dr. Beate Hofmann, vor Augen. „Damals wie heute ist in der evangelischen Kirche zentral: Wir gestalten Kirche gemeinsam.“ Leitung und Ordnung der Kirche seien Aufgaben, an denen sich viele unterschiedliche Menschen beteiligen können und sollen. Vor 500 Jahren habe die evangelische Kirche in Hessen Gestalt angenommen. Zu dieser Gestalt gehörten Bildung und Diakonie von Anfang an dazu, erinnerte die Bischöfin. Sie ist überzeugt: „Das hat an Aktualität nichts verloren.“
Bertram-Schäfer: „Wichtige Wegmarke unseres Selbstverständnisses“
Auch Sabine Bertram-Schäfer, Pröpstin der EKHN für die Propstei Nord-Nassau, hob den Wert des historischen Ereignisses hervor: „Die Homberger Synode von 1526 markiert für die evangelischen Kirchen in Hessen eine wichtige Wegmarke unseres Selbstverständnisses. Sie steht für den Mut, Kirche auf neue Grundlagen zu stellen – biblisch begründet, öffentlich verantwortet und im gemeinsamen Beraten“, erläuterte sie. Bemerkenswert sei, dass mit der Verbreitung des Buchdrucks und der Reformation Glaubensfragen von vielen öffentlich diskutiert wurden. Davon zeuge auch die Homberger Synode mit ihrem offenen Gespräch zwischen Theologie, politischer Verantwortung und gesellschaftlicher Wirklichkeit, machte Bertram-Schäfer deutlich und ergänzte: „Dieses reformatorische Grundprinzip prägt die evangelischen Kirchen in Hessen bis heute. Genauso wie ihr Engagement in Diakonie und Bildung.“
Fischer: „Menschen müssen an Entscheidungsprozessen partizipieren“
Festredner Dr. Mario Fischer, Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) aus Wien, betonte: „Die Reformation hat unser Leben verändert.“ Der einzelne Mensch habe eine neue Stellung vor Gott und in der Gesellschaft erhalten, schilderte er in seinem Impulsvortrag: „Fürsten setzten sich für Kirchenreformen ein, Gemeinden übernahmen die Armenfürsorge und städtische Räte gründeten Schulen.“ Dass Landgraf Philipp die Reformation nicht etwa von oben einsetzte, sei besonders bemerkenswert: „Menschen müssen an Entscheidungsprozessen partizipieren, um ihre eigene Selbstwirksamkeit zu erfahren“, hob Fischer hervor. Fünf durch die Homberger Synode hervorgerufene Anstöße gab er den Zuhörenden mit auf den Weg: die Partizipation in Entscheidungsprozessen, den Schutz von Gewissens- und Religionsfreiheit in einem Rechtsstaat mit respektvoller Streitkultur, die Sensibilität für den Sprach-wandel, Orte, wo der gesellschaftliche Zusammenhalt diskutiert werden könne und den Wert von Bildung in Zeiten des Wissensüberflusses.
Impulse aus Ökumene, Wissenschaft und Politik
Auf die Bedeutung der Homberger Synode gingen auch die weiteren, vom Propst des Sprengels Marburg, Dr. Volker Mantey, interviewten Podiumsgäste ein: In ökumenischer Verbundenheit sprach der Bischof des Bistums Fulda, Dr. Michael Gerber; außerdem gaben Regierungspräsident Mark Weinmeister, die Vizepräsidentin der Philipps-Universität Marburg, Prof. Dr. Evelyn Korn, sowie der Bischof der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), Hans-Jörg Voigt D.D. Impulse.
Hintergrund
Die Homberger Synode war ein bedeutendes reformatorisches Ereignis, das im Oktober 1526 in der Stadtkirche St. Marien in Homberg (Efze) stattfand. Erstmals hatten Bürgerinnen und Bürger aktiv Mitsprache in kirchlichen und politischen Angelegenheiten. In der Versammlung diskutierten geistliche und weltliche Vertreter der Landgrafschaft Hessen, ob der protestantische Glaube einzuführen sei. Großer Fürsprecher war Landgraf Philipp I, der Initiator der Versammlung. Schließlich wurde die Landgrafschaft protestantisch, weil die Mehrheit Philipps Vorhaben unterstützte. Die infolge der Synode ausgearbeitete neue Kirchenordnung trat aber nie in Kraft, da sie dem Reformator Martin Luther als zu tiefgreifend erschien. Die Synode leitete jedoch bedeutende gesellschaftliche Veränderungen ein: Bildungsreformen, soziale Einrichtungen und neue Formen kirchlichen Lebens.
