Evangelische Kirche in Hessen und Nassau
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© EFHN/Joachim Storch

Preisträgerin Sophie von der Tann (Mitte) mit Anja Schwier-Weinrich (geschäftsführende Pfarrerin), Ursula Schmidt (Vorsitzende), Laudatorin Gesine Cukrowski und Kathrin Reis (Vorstandsmitglied; v.l.n.r.).
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Journalistin Sophie von der Tann mit Katharina-Zell-Preis ausgezeichnet

veröffentlicht 09.09.2026

Der Landesverband Evangelische Frauen in Hessen und Nassau hat am Montag in Frankfurt am Main die Journalistin Sophie von der Tann mit dem Katharina-Zell-Preis 2026 ausgezeichnet.

Mit dem Preis würdige der Landesverband das couragierte journalistische Engagement der 35-jährigen Hessin, insbesondere ihre „kenntnisreiche, differenzierte und mutige“ Berichterstattung über den Krieg in Israel und Gaza sowie die Entwicklungen im Nahen Osten, erklärte die geschäftsführende Pfarrerin Anja Schwier-Weinrich.

Mutig berichten, auch wenn es unbequem wird

Ursula Schmidt, die Vorsitzende des Landesverbandes, überreichte den Preis in Form eines silbernen Flugblatts mit dem eingravierten Imperativ „Rede, schweige nicht!“. Sophie von der Tann plädierte in ihrer Dankesrede für einen faktenbasierten, transparenten Journalismus, der immer das zeigen müsse, was das Gegenüber bewege. Sie widmete ihren Preis der Aktivistin Ronny Wallach aus Israel, der kriegsversehrten Dalia al-Fakhoury aus dem Gazastreifen sowie der evangelischen Jerusalemer Pfarrerin Ines Fischer.

Ein Preis mit reformatorischer Tradition

Der Preis erinnert an die elsässische Reformatorin Katharina Zell (um 1497-1562). Trotz mehrfachen Schweigegebots setzte sie sich für ihre Überzeugungen ein, verfasste theologische Schriften, führte öffentliche Auseinandersetzungen und engagierte sich für Geflüchtete. Der Preis wird seit 2016 an Frauen verliehen, die couragiert für ihre Überzeugungen und für ein gutes Leben für alle eintreten. Zu den bisherigen Preisträgerinnen gehören unter anderen VdK-Präsidentin Verena Bentele, Moderatorin und Schauspielerin Sonya Kraus sowie die Ärztin Kristina Hänel.

Die Preisträgerin stammt aus Tann in der Rhön. Sie berichtete von August 2021 bis Ende Juli 2026 aus Israel und den palästinensischen Gebieten. Für ihre Berichterstattung wurden ihr mehrere Preise verliehen, unter anderem 2025 der Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis, was eine kontroverse Debatte auslöste. Auch die Zuerkennung des Katharina-Zell-Preises sorgte für Kritik.

Darauf ging die Berliner Schauspielerin und Aktivistin Gesine Cukrowski in ihrer Laudatio ein. „Gerade in einer der unübersichtlichsten, eingeschränktesten und aufgeladensten Krisenregionen der Welt, deren Berichterstattung reflexartig von der jeweils anderen Seite als unglaubwürdig geframt wird, je nachdem, in welche Agenda sie gerade nicht passt, die ein Richtig oder Falsch per se nicht zulässt.“ Sophie von der Tanns Waffe dagegen sei Transparenz. Sie sei mutig und unerschrocken, sagte Cukrowski. Ihre klare Haltung ordne sich dem Anspruch der journalistischen Objektivität unter – dem Aufgeben der eigenen, persönlichen Perspektive zugunsten einer übergreifenden.

Cukrowski adressierte auch die Kritiker der Preisträgerin. „Immer wieder war sie hier in Deutschland, wie so viele ihrer Kolleginnen, mit dem typisch patriarchalen Gehabe konfrontiert, das versucht, höchstqualifizierte Journalistinnen wie von der Tann auf Alter und Aussehen zu reduzieren und ihr über diesen eingetretenen Pfad altbekannter Herabsetzungsversuche ihre berufliche Qualität schmälern zu wollen.“

Die Preisverleihung fand im Rahmen des gemeinsamen Studientages des Landesverbands Evangelische Frauen und des Pfarrerinnen- und Pfarrervereins der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau statt. Unter dem Titel „Wenn die Wahrheit auf der Strecke bleibt …“ beschäftigte sich der Studientag mit Wahrheit, Desinformation und der Frage, wie Menschen und Institutionen mit einer zunehmend komplexen Informationswelt umgehen können. Zu den Mitwirkenden gehörten unter anderen die Religionsphilosophin Claudia Paganini, der FAZ-Journalist Reinhard Bingener, die kurhessische Bischöfin Beate Hofmann und der Kabarettist Florian Schroeder.

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