Evangelische Kirche in Hessen und Nassau
Frauen stehen mit Plakaten, die sie umgehängt haben vor dem Portal des Frankfurter Doms. Im Vordergrund steht eine Gruppe von Menschen und diskutert miteinander.

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Zwölf Jahre lang veranstalteten die Frauen Mahnwachen in der Frankfurter Innenstadt, zum Beispiel vor dem Frankfurter Dom, und appellierten an das Ende der Apartheid.
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Frauen für Südafrika

veröffentlicht 06.11.2025

von Britta Jagusch

Mit dem Aufruf „Kauft keine Früchte aus Südafrika“ unterstützten Frauen aus der EKHN den Widerstand gegen die Apartheid. Eine der Initiatorinnen des deutschlandweiten Früchteboykotts gegen Südafrika war Ursula Trautwein.

Ursula Trautwein und die Boykottfrauen

Als am 19. Oktober 1977 das südafrikanische Apartheidregime die Vereinigung schwarzer Frauen (Black Women Federation) bannte, reichte es den Frauen der Evangelischen Frauenarbeit in Deutschland (EFD). Sie beschlossen nur wenige Tage darauf, zum Boykott gegen südafrikanische Waren aufzurufen. „Wir verstanden unseren Boykott als Zeichen der Solidarität mit den Frauen in Südafrika“, sagt Ursula Trautwein. „Uns Frauen war klar: Wir wollen beten und handeln.“

Ursula Trautwein sitzt in ihrer Küche, graue Haare, Brille und trägt einen schwarzen Pullover.

Lilith Becker

Mit Leidenschaft setzte sich Ursula Trautwein für die unterdrückten Menschen in Südafrika ein. Wegen Ihres Engagements wurde sie als „aufmüpfig und links“ tituliert.

Frauen-Appell gegen Apartheid

Ihr Aufruf „Kauft keine Früchte aus Südafrika – baut nicht mit an der Mauer der Apartheid“ führte dazu, dass sich überall in der Bundesrepublik Gruppen bildeten, die auf die Straße gingen, über die Ungerechtigkeiten informierten und Unterschriften sammelten. „Einflussreiche Leute aus dem Früchteimportgeschäft und aus den Kirchen gaben sich damals besorgt“, erzählt Ursula Trautwein, „sie sagten, sie fürchteten sich um die Arbeitsplätze der armen Farmarbeiter – den Ärmsten der Armen würde damit am meisten geschadet.“ Doch die Frauen hielten durch und bestärkten sich gegenseitig: Regelmäßig veranstalteten die Frauen die Ökumenische Werkstatt Frankfurt.

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Mit Aufklebern und Plakaten riefen die Frauen zum Früchteboykott auf.

53 Boykottbriefe verfasst

Ursula Trautwein organisierte nicht nur über mehrere Jahre den Protest in Frankfurt am Main. Im Stadtparlament setzte sie 1989 durch, dass Frankfurt sich "Stadt gegen Apartheid" nannte. Später forderten die Frauen der Südafrika-Projektgruppe der Evangelischen Frauenarbeit in Deutschland nicht nur den Boykott von Früchten aus Südafrika, sondern auch, dass deutsche Institutionen wie der Deutsche Evangelische Kirchentag die Konten bei Banken kündigten, die Kontakte zum südafrikanischen Regime unterhielten.

Links ist ein Plakat zu sehen mit einem schwarzen Kopf mit zugebundenem Mund. Rechts ist auf gelben GRund die Bankentürme der Deutschen Bank und der Comerzbank zu sehen im Vordergund zwei schwarze Hände in Ketten.

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Die Proteste der Frauen richteten sich gegen das Apartheidregime in Südafrika und die Finanzierung der Apartheid durch bundesdeutsche Banken.

Demo durch das Bankenviertel

Ursula Trautweins Mann, der Pfarrer und damalige Frankfurter Propst Dieter Trautwein, stand hinter seiner Frau; regelmäßig trafen sich die „Boykottfrauen“ in der Propstei, um Ideen auszutauschen und Erfahrungen zu teilen. 53 Boykottrundbriefe publizierten die Frauen in 15 Jahren. „Ich galt als aufmüpfig und links“, erzählt sie. Bei Aktionärsversammlungen von Großbanken seien sie und die anderen Frauen ausgebuht worden. Auf dem Höhepunkt des Protests zog Trautwein 1987 auf dem Frankfurter Kirchentag mit 40.000 Menschen durch das Bankenviertel.

Zwölf Jahre Mahnwachen trotz Widerständen

Zwölf Jahre lang veranstalteten die Frauen Mahnwachen in der Frankfurter Innenstadt, Passanten hätten die Frauen beschimpft und ihnen vorgeworfen, sie unterstützten Terroristen. „Bei dem Hass, der uns hier manchmal entgegenschlug, konnten wir ahnen, was es in Südafrika bedeutete, als Ehefrau, als Mutter, als Kind eines Terroristen zu leben“, sagt Ursula Trautwein. „Ihr Kommunistenweiber – geht doch nach drüben“ und „Bleibt an eurem Herd und mischt euch nicht in die Politik ein, davon versteht ihr nichts!“, sei ihnen zugerufen worden, erzählt Ursula Trautwein.

Enge Verbundenheit mit Winnie und Nelson Mandela

Ursula Trautwein hielt dabei maßgeblich den Kontakt zu den südafrikanischen Frauen. Zu ihren prominenten Verbündeten gehörten dabei Nelson Mandela, dessen damalige Frau Winnie Madikizela-Mandela und der anglikanische Erzbischof Desmond Tutu. Dem Bibelmuseum in Frankfurt am Main hat Ursula Trautwein eine Bibel überlassen, die einst eine Morddrohung an Winnie Mandela war und die Ursula Trautwein auf deren Wunsch hin behalten hatte: Schlägt man die Bibel auf, erscheinen die Umrisse einer Pistole, ausgestanzt aus den vorderen Seiten. Auch zu anderen Partnerinnen und Partnern in Südafrika hielten die Frauen engen Kontakt, unter anderem zu Black Sash, einer vorwiegend weißen Frauenorganisation sowie dem Südafrikanischen Kirchenrat.

Unterstützung für südafrikanische Frauenorganisationen

Erst Ende 1992 erklärten die Frauen ihren Boykott für beendet, da der letzten weißen Regierung klar geworden war, dass sich ihre Rassenherrschaft am Kap nicht mehr lange aufrechterhalten ließ. International war Südafrika isoliert und boykottiert. Immer mehr westliche Konzerne waren abgezogen. Im Jahr 1994 reiste Ursula Trautwein als Wahlbeobachterin für den Weltbund Christlicher Frauen (YWCA) nach Südafrika zu den ersten demokratischen Wahlen des Landes. Die Gruppe „Frauen für Gerechtigkeit im Südlichen Afrika“, gegründet 1993, unterstützt bis heute Projekte, in denen Frauen Arbeit unter schwierigen Bedingungen leisten. „Wir wollten damit vor allem südafrikanische Frauenorganisationen unterstützen, die darum kämpften, dass ihre neuen Rechte auch wahrgenommen und umgesetzt werden können“, sagt Ursula Trautwein.

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