
© Volker Rahn
„Im Heiligen Land das Fenster der Hoffnung offenhalten“
veröffentlicht 20.02.2026
von Pressestelle der EKHN
Jerusalemer Bischof besucht Kirchenpräsidentin in Darmstadt.
Ein Gebet als Zeichen der Verbundenheit: Das Vaterunser in kunstvoller arabischer Kalligrafie brachte Bischof Dr. Imad Haddad zu seinem Antrittsbesuch nach Darmstadt mit. Das Geschenk für Hessen-Nassaus Kirchenpräsidentin Prof. Dr. Christiane Tietz steht für das, was seine Kirche in einer zerrissenen Region zu bewahren versucht: Hoffnung.
Seit Januar 2026 ist Haddad Bischof der Evangelisch-Lutherische Kirche in Jordanien und dem Heiligen Land (ELCJHL) mit Sitz in Jerusalem.

© Volker Rahn
Hilfe für Familien im Fokus
Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Jordanien und dem Heiligen Land (ELCJHL) verbindet Gemeindearbeit mit konkreter Hilfe: in Schulen, in der Diakonie und in psychosozialen Angeboten für besonders belastete Familien.
Tatsächlich bleibt die humanitäre Lage vor Ort dramatisch: In der Region Bethlehem, stark abhängig vom Tourismus, der ausbleibt, liegt die Arbeitslosigkeit bei über 80 Prozent. Viele Familien haben nicht genug zum Leben. Sie benötigen Unterstützung bei medizinischer Versorgung, Schulbildung und besonders bei psychologischer Begleitung nach belastenden Erfahrungen.
Die Evangelisch-Lutherische Kirche leistet hier konkrete Hilfe unabhängig von der Religionszugehörigkeit. Spenden sind über den Jerusalemverein in Deutschland möglich, der eng mit der ELCJHL verbunden ist.
Spendenkonto „Familien in Not“
Empfänger: Jerusalemverein
Bank: Evangelische Bank
IBAN: DE66 5206 0410 0003 9097 60
BIC: GENODEF1EK1
Kennwort: Familien in Not
Wenige Wochen nach Amtsantritt schilderte er eindringlich die Lage der Menschen im Westjordanland und in Ost-Jerusalem.
„Wir leben in sehr bedrängenden Zeiten“, sagte Haddad. Checkpoints, mobile Straßensperren und Sperranlagen, die weit in palästinensisches Gebiet hineinreichten, bestimmten den Alltag. „Die Menschen leben in ständiger Angst und Unsicherheit. Oft wissen wir nicht, was in den nächsten Stunden geschieht.“ Hinzu komme die Furcht vor Siedlergewalt. Bewegungsfreiheit sei keine Selbstverständlichkeit mehr, sondern täglicher Kampf.
Besonders besorgniserregend sei die anhaltende Auswanderung von Christinnen und Christen. Die ohnehin kleinen Gemeinden aller Konfessionen schrumpften weiter – und mit ihnen die sichtbare christliche Präsenz im Heiligen Land.
Trotz allem sieht Haddad einen klaren Auftrag für seine Kirche: „Unsere spirituelle Aufgabe ist es, den Menschen zuzuhören und ihre Würde zu stärken.“ Die Kirche schaffe Räume für Gebet und Austausch – in Jugendgruppen, für Familien sowie in Frauen- und Männerkreisen. Gleichzeitig mache sie immer wieder auf die unzumutbare Situation aufmerksam. „Unser Glaube gibt uns die Kraft, nicht aufzugeben – selbst wenn die Hoffnung noch so klein ist. Wir müssen das Fenster der Hoffnung offenhalten.“
EKHN-Kirchenpräsidentin Tietz betonte ihre Verbundenheit mit den Menschen in Israel-Palästina. Erwartungsvoll blickt sie auf eine im Sommer 2026 geplante Reise in die Region, um sich selbst ein Bild von der aktuellen Situation zu machen. Sie wird dabei das Gespräch mit Vertreter*innen verschiedener Religionsgemeinschaften sowie zivilgesellschaftlichen Partnern suchenZiel ist es, die Verbundenheit sichtbar zu bekräftigen, zuzuhören, zu verstehen und die gewonnenen Eindrücke in die eigenen kirchlichen Zusammenhänge einzubringen.
Zur Person: Dr. Imad Haddad
Dr. Imad Haddad stammt aus Beit Jala und wurde 2008 ordiniert. Vor seiner Wahl zum Bischof der Evangelisch-Lutherische Kirche in Jordanien und dem Heiligen Land war er als Pfarrer in Beit Sahour und Ramallah tätig, später in Amman.
2025 promovierte er am United Lutheran Seminary in Gettysburg/Philadelphia (USA). Er ist verheiratet und Vater von zwei Töchtern. Haddad folgt auf Dr. Sani Ibrahim Azar, der die Kirche seit 2018 leitete.
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